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Türme, Tempo 40 und ein natürlicherer Chimlibach

Schwerzenbach beschäftigt sich mit der Zukunft

Türme, Tempo 40 und ein natürlicherer Chimlibach

Der Kanton Zürich rechnet damit, dass sich die Einwohnerzahl der Gemeinde Schwerzenbach bis ins Jahr 2050 nahezu verdoppeln wird. Da der Gemeinderat die Ortsplanung öffentlich gestalten will, gewährte er interessierten Einwohnern am Dienstagabend einen Blick ins Schwerzenbach der Zukunft.

Kevin
Weber
Freitag, 23. November 2018, 15:00 Uhr Schwerzenbach beschäftigt sich mit der Zukunft
Der zukünftige Bahnhofsplatz gemäss der erarbeiteten Vertiefungsstudie.
Visualisierung: Atelier Brunecky

Schwerzenbach wird in den kommenden dreissig Jahren wachsen Deshalb lud der Gemeinderat am Dienstagabend zum ersten öffentlichen Forum zur geplanten Ortsplanungsrevision. Dabei wurde der Bevölkerung die erarbeitete Vertiefungsstudie zu den räumlichen Entwicklungsabsichten vorgestellt. Die Studie wurde vom Gemeinderat und einem Planungsteam sowie einem Begleitgremium, das aus Vertretern von Ortsparteien, lokalen Organisationen und privaten Landeigentümern besteht, erstellt. «Dabei handelt es sich lediglich um Ideen, die noch vertieft werden müssen, und kein fertiges Konzept», sagte Walter Schenkel vom Planungsteam zu Beginn der Veranstaltung.

«Die Ortsplanung soll öffentlich und zusammen gestaltet werden.»

Thomas Weber (parteilos), Gemeindepräsident von Schwerzenbach

Man wolle die Bevölkerung jedoch aktiv in den Prozess miteinbeziehen. «Die Ortsplanung soll öffentlich und zusammen gestaltet werden», sagte Gemeindepräsident Thomas Weber (parteilos) vor rund 100 Interessierten im Chimlisaal.

«Wachstum kein Problem»

Im Masterplan 2050, auf dem die Vertiefungsstudie basiert, rechnet der Kanton Zürich bis ins Jahr 2050 mit rund 5000 mehr Einwohnern in Schwerzenbach. Gemeindepräsident Weber betonte, dass das Wachstum selbst kein Problem sei, sofern es im Siedlungsgebiet passiere und sich auf guten Verkehrslösungen stütze. «Die grösste Herausforderung ist jedoch, dass die Gemeinde nach innen wachsen muss», so Weber. Dies weil der Dorfrand der Gemeinde bereits besiedelt sei.

Der heutige Bahnhofsplatz Der heutige Bahnhofsplatz Der Bahnhofplatz der Zukunft Der Bahnhofplatz der Zukunft

Bahnhof als Visitenkarte

Nach Weber ergriff Lars Kundert, der bei der Studie für die Planung zuständig war, das Wort. Er erläuterte den Anwesenden die drei Thesen, die in der Vertiefungsstudie für den Siedlungsumbau erstellt wurden. So solle sich die Entwicklung in der Nähe der öffentlichen Verkehrsanbindungen abspielen. «Der Bahnhof soll die Visitenkarte des Gebiets sein», sagte Kundert.

Die erste These der Zentrumsentwicklung sieht vor, dass im Bahnhofsareal neue Flächen entstehen, wo die Leute einkaufen können. In einer weiteren These sollen Gebäude ermittelt werden, die in den nächsten 20 Jahren für einen Siedlungsumbau in Frage kommen. Dabei fasst man vor allem das Zimikerriet ins Auge. Heute ein Industriegebiet, könnte es in Zukunft zu einer Wohnzone umstrukturiert werden. In der dritten These sind genügend Freiräume rund um den Chimlibach geplant, der in diesem Zusammenhang aufgewertet werden solle.

So könnte das Gebiet südlich des Bahnhofs in Zukunft aussehen. Visualisierung: Atelier Brunecky

Tempo 40 in Planung

Ein weiterer Aspekt der Vertiefungsstudie ist der Strassenverkehr. «Die geplante Entwicklung wird zu Mehrverkehr führen», sagte Oscar Merlo vom Planungsteam. Diesem will man mit dem Ausbau des ÖV-Netzes sowie der Verbesserung der Velo- und Fusswege entgegenwirken. Für den Fussverkehr wolle man direktere und schnellere Wege schaffen, so Merlo. «Für eine bessere Verbindung könnte man die Unterführung beim Bahnhof ausbauen.» Das wichtigste Argument ist für die Planer aber der Veloverkehr. So solle eine Velo-Schnellroute, die als eine Art «Autobahn für Velos» dient, Velo- und E-Bike-Fahrern den nötigen Platz bieten. Durch die separate Route für Velofahrer will man auch die Sicherheit der Fussgänger erhöhen.

Dem individuellen Mehrverkehr auf der Strasse will man mit Tempo 40 auf ganzem Gemeindegebiet entgegenwirken. Ein solches Tempolimit sei für den Gemeinderat ein wichtiges Anliegen, so Gemeindepräsident Weber. «Dafür braucht es jedoch viele Absprachen und Reglemente.» Man suche momentan nach Gemeinden, die ähnliche Absichten haben, bevor man sich an den Kanton wende, so Weber. Die Einführung von Tempo 40 könne daher frühestens in vier bis fünf Jahren erfolgen.

«Was bei einer zu schnellen Verdichtung passiert, sieht man aktuell in Fällanden.»

Ein Teilnehmer am Forum

«Ein Turm wie in Dübendorf»

Im Anschluss an die Präsentationen des Planungsteams wurden die Anwesenden in Gruppen an vier sogenannte «Info-Points» verteilt. Je ein Mitglied des Planungsteams nahm sich dabei den Anregungen und Sorgen der Einwohnern an. Wie sich zeigte, gab es einige Fragen zu klären. Ein Teilnehmer regte beispielsweise an, dass man neue Arbeitsplätze schaffen sollte, um die Einwohner im Dorf zu halten. Auch das Zimikerriet wurde heiss diskutiert. «Man sollte die Industriezone nicht umbauen, sondern aufwerten», sagte ein Teilnehmer. Daraufhin entgegnete eine andere Teilnehmerin, dass das Zimikerriet kein attraktiver Gewerberaum sei und man das Gewerbe näher an den Bahnhof bringen müsse.

In der Diskussion warnte ein Teilnehmer auch vor den Entwicklungen in anderen Gemeinden. «Was bei einer zu schnellen Verdichtung passiert, sieht man aktuell in Fällanden.» Wiederum ein anderer Mann sprach sich für die Auszonung von Land aus: «Dann können wir wie die Dübendorfer auch einen Turm hinstellen», meinte er in Anlehnung an den Jabee-Tower.

Gemäss Vertiefungsstudie könnten einige Gebiete auch weiterentwickelt werden. Visualisierung: Atelier Brunecky

Dorf oder Stadt?

Zum Ende der Veranstaltung wurden die Inputs aus den vier Diskussionsgruppen nochmals vor den versammelten Anwesenden zusammengefasst. Dabei zeigte sich, dass der Chimlibach den Schwerzenbachern sehr wichtig ist. Viele sprachen sich dafür aus, dass der Bach gestärkt und aufgewertet werden soll. Zudem stellten sich viele die zentrale Frage, ob man ein Dorf bleibe oder eine Stadt werde? Das Planungsteam hatte auf die vielen Fragen vorerst noch keine Antworten. Die gewonnen Erkenntnisse des Abends würden jedoch aufgenommen und entsprechend vertieft werden.

Weiter geht es nun mit der Erarbeitung eines Raumentwicklungs- sowie einem Verkehrskonzept. Dafür werde es im kommenden Jahr zwei weitere öffentliche Foren geben, so Gemeindepräsident Weber. Danach wird ein kommunaler Verkehrsrichtplan erstellt, welcher am Ende der Gemeindeversammlung vorgelegt wird. Bei einer Annahme muss die Bau- und Zonenordnung revidiert werden, die dann erneut vors Volk kommt. Das Planungsteam rechnet damit, dass dies frühestens im Jahr 2021 oder 2022 der Fall sein werde. Die am Infoabend vorgelegten Ideen haben somit noch einen langen Weg vor sich.

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