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«Illuster» gegen «Uschter 77»: das Black Friday-Duell

Usters grösste Einkaufszentren im Vergleich

«Illuster» gegen «Uschter 77»: das Black Friday-Duell

Am internationalen Tag des Einkaufwahnsinns, auch Black Friday genannt, hoffen Unternehmen auf das grosse Geschäft und Schnäppchenjäger auf den perfekten Deal. Welches Ustermer Einkaufszentrum hat die Nase vorn? Züriost wagt den grossen Vergleich.

Dario
Aeberli
Freitag, 23. November 2018, 20:58 Uhr Usters grösste Einkaufszentren im Vergleich

Einige Unternehmer befürchten einen Margenzerfall, andere wittern den Umsatz des Jahres und stocken ihre Verkaufsteams auf:  Der Black-Friday-Trend stammt – wenig überraschend – aus den USA und erobert angeblich langsam aber sicher auch die Schweiz.

Ob es in Uster ebenfalls einen Boom gibt, zeigt sich anhand des Vergleichs der beiden grössten Einkaufszentren der Stadt. Im Duell zwischen dem «Uschter 77» und «Illuster» wurden getestet, bei wem die angenehmere Shopping-Atmosphäre herrschte, wo Schnäppchenjäger die besten Deals fanden und wo das Gedränge am grössten war.

In den USA wird jeweils am vierten Donnerstag im November Thanksgiving, das Erntedankfest, gefeiert. Den Tag danach, an dem die meisten Amerikaner frei haben, bezeichnen sie als Black Friday. Dieser gilt als traditioneller Startschuss der Weihnachtseinkauf-Saison. Weshalb der Tag «Black» Friday heisst, ist nicht ganz klar. Der bekanntesten Theorie zufolge, würden es die Händler schaffen es an diesem Tag aus den roten in die schwarzen Zahlen zu kommen.  

Atmosphäre

Uschter 77: 18 Geschäfte beherbergt das «Uschter 77», doch vor dem Einkaufszentrum deutet wenig auf die Rabattschlacht des Jahres hin. Plakate mit grossen roten Zahlen auf schwarzem Hintergrund sucht man hier vergebens – einzig die Sunrise Filiale hat eine kleine Tafel vor den Eingang gestellt, auf der die Black-Friday-Aktionen angepriesen werden.

«Der Black Friday hat in der Schweiz nichts zu suchen. Es nervt mich, dass alle immer noch weniger bezahlen wollen und noch mehr Rabatt verlangen», sagt einer der Ladenbesitzer. Im Innern des Einkaufszentrums geht es gemächlich zu und her.

Es duftet nach Kaffee, ein paar Seniorinnen unterhalten sich vor dem Restaurant Stella del Centro und beim Eingang rattert die Nähmaschine der Änderungsschneiderein friedlich vor sich hin. Das Verkaufspersonal wirkt entspannt und nimmt sich Zeit zur Beratung. Es herrscht Alltags-Atmosphäre.

Das Einzige, was im "Uschter 77" auf den Black Friday hinweist, ist diese Tafel.

Illuster: Auch das frisch renovierte Einkaufszentrum «Illuster» verzichtet auf Werbung, um auf den Black Friday hinzuweisen und überlässt es jedem der 16 Geschäfte selbst, ob sie an der globalen Rabattschlacht teilnehmen wollen.

Einige Geschäfte preisen in dicken Lettern ihre Rabatte an, hängen Plakate auf, die auf den Black Friday aufmerksam machen und rücken ihre Schaufensterauslagen zurecht. Aus dem M-Electronics strömen einige Familien mit grossen, gefüllten Taschen.

«Der Black Friday hat in der Schweiz nichts zu suchen.»

Ladenbesitzer im «Uschter 77»

Einige der ausgewählten Tagesaktionen sind bereits ausverkauft. Das Verkaufspersonal ist auf Zack und hat mehrheitlich alle Hände voll zu tun – ohne allzu gestresst zu wirken. Der Filialleiter hat für den Black Friday extra ein paar zusätzliche Mitarbeiter aufgeboten, wie ein Mitarbeiter sagt.

Ergebnis: Wer sich gerne beraten lässt und froh ist, wenn sich das Verkaufspersonal Zeit für einen nimmt ist im «Uschter 77» besser aufgehoben. Allerdings hat die Atmosphäre dort wenig mit dem Black Friday, so wie wir ihn aus den USA kennen, zu tun. Da entsprach die Atmosphäre im «Illuster» schon eher dem zu erwartenden Bild. Punkt für «Illuster».

Die besten Deals

Uschter 77: Von den 18 Geschäften, die sich im Einkaufszentrum «Uschter 77» eingemietet haben, beteiligen sich bloss zweieinhalb am Black Friday. Sunrise bietet während der gesamten Woche das neue IPhone im Paket mit einem Abo an, bei dem man unter dem Strich bis zu 200 Franken sparen kann.

«Ich finde das Theater um den Black Friday eigentlich völlig übertrieben.»

Kundin vor dem Globus

Das zweite Unternehmen, das mit tieferen Preisen lockt, ist die Parfümeriekette Marionnaud. Dieses bietet während einer Woche 30 Prozent Rabatt auf das gesamte Sortiment. Nur halbwegs auf den Rabatt-Zug aufgesprungen ist das Modeunternehmen Beldona. Vor Ort gewährt das Unternehmen keine zusätzlichen Rabatte – dafür können Online-Kunden von reduzierten Preisen profitieren. Die anwesende Verkäuferin findet das nicht optimal. «Eine Kundin hat heute bereits reklamiert, weshalb wir nur online Rabatte auf die Produkte gewähren», sagt sie.

Die Verkaufsmitarbeiterin von «Hello Vegan» sagt dazu: «Wenn andere Unternehmen es sich leisten können so hohe Rabatte zu gewähren, zeigt das doch, dass sie während des restlichen Jahres viel zu grosse Margen einfahren.»

Das Schuhgeschäft Walder spielt das "schwarze Schaf" und verzichtet auf zusätzliche Rabatte.

Illuster: Im «Illuster» beteiligt sich knapp ein Drittel der Unternehmen an der Rabattschlacht. Besonders bei M-Electronics scheint man richtig auf den Black Friday hingefiebert zu haben. Das Geschäft stellt ihren Kunden gleich eine ganze Broschüre mit Spezialaktionen zur Verfügung – allerdings ist die Auflage einiger Aktionsprodukte stark limitiert. So sind die Samsung UHD Fernsehgeräte, MacBooks und Phillips Zahnbürsten bereits nach wenigen Stunden ausverkauft.

«Was soll das sein ´Black Friday´?»

Jugendliche vor dem "Uschter 77"

Im Globus Kleidergeschäft wurden einige ausgewählte Kleiderstücke stärker reduziert, was gemäss einer Mitarbeiterin zu einer höheren Kundenfrequenz führt – ob sie an diesem Tag auch mehr verkauft, kann sie allerdings nicht einschätzen.

Das Unterwäschegeschäft Intimissimi gewährt auf ausgewählte Produkte einen Rabatt von 30 Prozent. «Ich finde das Theater um den Black Friday eigentlich völlig übertrieben, aber als ich heute am Laden vorbeikam, musste ich halt doch kurz vorbeischauen», sagt eine Kundin.

Ergebnis: Mit Marionnaud befindet sich das einzige Unternehmen in den beiden Einkaufszentren, das konsequent auf alle Produkte Black-Friday-Rabatte gewährt, im „Uschter 77».  Die restlichen Geschäfte machen allerdings nicht so richtig mit. Obwohl die meisten Black-Friday-Aktionen im «Illuster» limitiert sind, ist die Produktepalette mit reduzierten Preisen hier eindeutig grösser. Punkt für «Illuster».

Kundenansturm

Uschter 77: Im «Uschter 77» von einem Kundenansturm zu reden, wäre mehr als nur übertrieben. Ein Sunrise-Mitarbeiter, der anonym bleiben will, sagt: «Das Einkaufszentrum ist tot.» Im Vergleich sei dieses Jahr noch ruhiger als das letzte.

Die Verkaufsmitarbeiterinnen von Marionnaud sind hingegen weniger pessimistisch: «Im Vergleich zu anderen Tagen läuft heute doch deutlich mehr.» Weiter Auskünfte will sie allerdings nicht geben, die Geschäftsleitung hat ihnen verboten mit der Presse zu reden.

Illuster: Auch im «Illuster» rennen die Kunden keine Türen ein, um früher in die Läden zu kommen und Artikel zum Tiefstpreis zu ergattern. Doch vor allem bei M-Electronics kam es durchaus zu einem kleinen Kaufrausch bei den Kunden.

Verkaufsmitarbeiter Sandro Suter erzählt von Leuten, die sich kurz nach Ladenöffnung zwei Samsung UHD Fernsehgeräte gesichert hätten. Vor allem am Morgen zwischen halb zehn und elf Uhr ist der Ansturm enorm. Ein Teil der Kunden hätte sich den Stress gespart und ihre Produkte gleich online bestellt.

Als die Spezialprodukte aus dem Black-Friday-Prospekt ausverkauft sind, geht auch der Kundenstrom etwas zurück. Bei Globus ist die Kundenfrequenz während des ganzen Tages leicht erhöht.

Ergebnis: Im «Uschter 77» bleibt der Ansturm fast gänzlich aus. In «Illuster“ fungiert vor allem der M-Electronics als Zugpferd für das gesamte Einkaufszentrum. Tumultartige Szenen gibt es keine, doch wenigsten konnte man am Kundenstrom erahnen, dass es Black Friday war. Punkt «Illuster».

Fazit

Das grosse Rabattfieber ist in Uster nicht ausgebrochen. Wenn überhaupt, dann kam in «Illuster» etwas Black-Friday-Atmosphäre auf. Dazu passt die Bemerkung einer Gruppe Jugendlicher vor dem «Uschter 77»: «Was soll das sein ´Black Friday´?»

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