×

Weshalb Winterthur wie Brooklyn ist

Fazit nach einem Jahr House of Winterthur

Weshalb Winterthur wie Brooklyn ist

House of Winterthur startete vor knapp zwölf Monaten. Direktor Michael Domeisen blickt aufs erste Jahr nach der Fusion von Winterthur Tourismus und Standortförderung zurück und zieht ein positives Fazit – auch wenn das Ansehen der Stadt noch besser sein könnte.

Michael
Hotz
Dienstag, 20. November 2018, 15:09 Uhr Fazit nach einem Jahr House of Winterthur

Knapp ein Jahr ist es her, dass die integrierte Standortmarketingorganisation House of Winterthur im Dezember 2017 gestartet ist. Direktor Michael Domeisen ist mit dem Übergangsjahr zufrieden. Winterthur entwickle sich sehr positiv. Deshalb vergleicht er die Eulachstadt mit dem New Yorker Stadtteil Brooklyn.

Welches Fazit ziehen Sie nach dem ersten Jahr von House of Winterthur?

Michael Domeisen: 2018 ist für uns als junge Organisation ein Übergangsjahr. Obwohl wir auch die neuen Grundlagen erarbeiten mussten, haben wir im laufenden Jahr sehr viel geleistet. Etwa die Markenlancierung, verschiedenste Events und neue Produkte. Grundsätzlich kann ich sagen, dass wir wirklich gut gestartet sind und die Unterstützung von allen Seiten spüren.

Wie zeigt sich diese Unterstützung?

Erst im Verlauf des Jahres wurde mir so richtig bewusst, dass wir die Organisation in Winterthur sind, die zumindest  in den Bereichen Bildung, Wirtschaft, Kultur und Tourismus eine hervorragende Abstützung hat. Wir sind ein Verein, der von 550 Institutionen inklusive Politik getragen wird. Zusätzlich haben wir den demokratischen Segen des Stimmvolks, was wohl schweizweit einzigartig ist. Unsere Legitimationsbasis ist massiv gross.

«Wir müssen selbstbewusster auftreten.»

Ich stelle auch fest, dass sich die Medien und die Politik sehr für uns interessieren. Wir hatten noch nie eine so grosse Präsenz und Aufmerksamkeit  wie in diesem Jahr. Wir spüren aber eine gewisse Erwartungshaltung.

Inwiefern?

Vor allem im Kontakt mit unseren Partnern und Mitgliedern. Wir müssen uns bewusst sein, dass wir nicht alles leisten können. Wir verfügen über einen klar definierten Auftrag und ein begrenztes Budget. Zusammen mit dem Vorstand haben wir Schwerpunkte festgelegt. Wenn eine Erwartung nicht Teil dieser Schwerpunkte oder unseres Tagesgeschäfts ist, können wir sie nicht erfüllen. Etwa dass wir jedes Projekt oder jeden Anlass sponsern.

Kommen wir nochmals zurück auf 2018 als Übergangsjahr. Wie gut ist es gelungen, bei der Fusion von Winterthur Tourismus und Standortförderung eine gemeinsame Unternehmenskultur zu schaffen?

Das haben wir gut gemeistert. Was es aber noch braucht, ist das gegenseitige Verständnis,  wer was genau macht. Also dass es uns gelingt, in einer gemeinsamen Sprache zu reden. Wirtschaftsförderung und Tourismus sind schon zwei ganz verschiedene Geschäfte. Uns muss es trotzdem gelingen besser zu erkennen, wo wir Synergien zwischen den beiden Bereichen vermehrt nutzen können. Das ist ja der grosse Vorteil eines integrierten Standortmarketings. Aber wie gesagt, wir sind auf einem guten Weg.

Lässt sich das zahlenmässig belegen?

Ich finde es bemerkenswert, wie gut Winterthur aufgestellt ist. Wir hatten in der Geschichte  von Stadt und Region noch nie so viele Beschäftigte (73’200 Ende 2. Quartal 2018), so viele Studierende (über 10‘000) und so viele Übernachtungen (4,3 Prozent mehr als 2017) wie in diesem Jahr. Auch bei den Stadtführungen werden wir wieder einen Rekord haben. Wir nähern uns langsam der magischen Grenze von 1000 Führungen pro Jahr.

«Wir wollen, dass das Markenzeichen in der ganzen Region bei unseren Partnern sichtbar wird.»

Woher kommt diese Entwicklung?

Ich bin der Überzeugung, dass Winterthur eine super Stadt und Region ist und ein hervorragender Standort. Es läuft so viel, das bringt Studierende und Übernachtungen. Trotzdem ist der Widerspruch zwischen effektiver Entwicklung und Wahrnehmung von aussen leider immer noch vorhanden. Hier sehen wir noch grosses Potenzial, deshalb haben wir auch die neue Marke angestossen.

Diese hat House of Winterthur Ende September lanciert. Wie ist sie im Einzugsgebiet angekommen?

Wir haben extrem viele Rückmeldungen erhalten, natürlich auch negative, wobei die positiven sicher überwiegen. Was sicher überzeugt, ist die Sichtbarkeit unseres Markenzeichens, das in Zusammenarbeit mit vielen Winterthurer Institutionen und Partnern entwickelt worden ist. Die Nachfrage nach der Miete unserer Logo-Skulptur ist so gross, dass wir eine zweite in Auftrag geben müssen. Das freut uns sehr, denn es zeigt, dass sich die Menschen hier mit der Marke Winterthur stark identifizieren. Auch von Zürich Tourismus haben wir dafür ein Kompliment erhalten.

Und wie geht es in diesem Bereich weiter?

Wir wollen, dass das Markenzeichen in der ganzen Region bei unseren Partnern sichtbar wird. Im sogenannten Markenlabor entwickeln wir zurzeit neue Initiativen und Projekte, um die Botschaften der Marke zu stützen. Ähnlich wie beim Lancierungsevent des Musikkollegiums Winterthur bei Zimmer Biomet.

Wenn die Marke nach innen gefestigt ist, muss sie aber auch nach aussen wirken, damit die von Ihnen angesprochene Kluft zwischen Realität und Ansehen von Winterthur verringert wird.

Genau. Wir müssen selbstbewusster auftreten.

House of Winterthur geht mit gutem Beispiel voran. So heisst es auf der Webseite der Marke, dass Winterthur im Kanton Zürich ist, was Brooklyn in New York ist. Wieso dieser Vergleich?

Es gibt einige Parallelen. Brooklyn hat wie Winterthur eine starke industrielle Vergangenheit und hat sich neu erfunden. Wir haben deshalb immer wieder Anfragen von anderen Städten, die wissen wollen, wie sich die Stadt zurück auf die Erfolgsstrasse gebracht hat. Letzten Freitag hatten wir zum Beispiel eine Delegation aus Mulhouse bei uns. Auch aus Chur wird eine kommen. Das zeigt, dass wir bereits als Vorbild für andere Städte herhalten dürfen.  

Kommentar schreiben

Kommentar senden