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«Offensichtlich hat die Ju-Air die Schäden nicht bemerkt»

Flugzeugexperte zum Grounding

«Offensichtlich hat die Ju-Air die Schäden nicht bemerkt»

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt hat per sofort ein Flugverbot für die zwei in Dübendorf stationierten Flugzeuge des Typs Ju-52 verfügt. Was das für die Ju-Air bedeutet, schätzt Hansjörg Bürgi, Chefredaktor von «SkyNews.ch» und selbst Pilot, ein.

Jennifer
Furer
Dienstag, 20. November 2018, 18:51 Uhr Flugzeugexperte zum Grounding

Die Untersuchung des Wracks der abgestüzten Ju-Air hat schwerwiegende Strukturschäden in Form von Rissen und Korrosionsschäden am Hauptholm, dem tragenden Element des Flugzeugflügels, und weiteren Teilen der Maschine ergeben. Hat die Ju-Air ihre Flugzeuge nicht richtig gewartet?
Hansjörg Bürgi: Korrosionsschäden und Rost kommen praktisch bei allen Fliegern vor, das ist nichts Aussergewöhnliches. Offensichtlich hat die Ju-Air diese Schäden aber nicht bemerkt.

Hat sie fahrlässig gehandelt?
Nein. Die Ju-Air macht mehr, als sie eigentlich müsste hinsichtlich dem Unterhalt ihrer Flieger. Die Wartung wird auch vom Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) beaufsichtigt. Die Schäden, die die Sust bei der Untersuchung entdeckt hat, konnten vermutlich bei normalen Inspektionen und Wartungsarbeiten schlicht nicht erkannt werden.

«Die Ju-Air wird es schwierig haben, einzelne Teile auf dem Markt neu zu erhalten.»

Das Bazl sagt, dass die beim Unfallflugzeug entdeckten Schäden nicht zum Absturz geführt hätten. Stimmen Sie zu?
Ja, das denke ich ebenfalls. Sonst wäre die Sust nicht zu diesem Schluss gekommen.

Könnte es sein, dass die Schäden einen Einfluss gehabt haben?
Das glaube ich ebenfalls nicht, weil früher sonst schon etwas passiert wäre.

Was könnten solche Schäden schlimmstenfalls auslösen?
Wenn etwas durchgerostet ist, kann es brechen. Rost kann man aber behandeln und Flugzeugteile sind ersetzbar.

«Die Ju-Air muss nun aber schauen, dass sie bis im Frühling die Korrosionsschäden behandelt hat.»

Ist das nicht sehr aufwendig?
Doch, und es ist auch kostenintensiv. Zudem könnte es für die Ju-Air schwierig werden, einzelne Teile auf dem Markt neu zu erhalten. Aber die Schäden können behoben werden.

Was bedeutet das Grounding für die Ju-Air?
Im Moment nichts. Sie fliegt im Winter sowieso nicht. Die Ju-Air muss nun aber schauen, dass sie bis im Frühling die Korrosionsschäden behandelt hat.

Wieso hat das Bazl die Ju-Air gegroundet, obwohl die festgestellten Schäden keine Absturzursache waren?
Weil das Bazl nicht einfach eine Firma weiterfliegen lassen kann, wenn so viele Korrosionsschäden und Risse zum Vorschein kommen. Das ist eine logische Reaktion. 

Hier geht es zum Haupartikel über das Grounding zweier Ju-52-Maschinen:

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