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«Es ist vorgesehen, den Flugbetrieb im Frühling wieder aufzunehmen»

Trotz vorläufigem Grounding

«Es ist vorgesehen, den Flugbetrieb im Frühling wieder aufzunehmen»

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt hat per sofort ein Flugverbot für die zwei in Dübendorf stationierten Flugzeuge des Typs Ju-52 verfügt. Die Untersuchung der am 4. August 2018 abgestürzten Maschine habe strukturelle Schäden im Bereich der Flügelholme zutage gefördert.

Jennifer
Furer
Dienstag, 20. November 2018, 14:15 Uhr Trotz vorläufigem Grounding

Knapp zwei Wochen nach dem Absturz einer Ju-52 mit 20 Toten am 4. August beim Piz Segnas in Graubünden hatte die Ju-Air ihren Flugbetrieb wieder aufgenommen. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) hatte die Wiederaufnahme des Flugbetriebes unter Einhaltung vorsorglicher Massnahmen bewilligt, da zu diesem Zeitpunkt keine Hinweise auf generelle technische Mängel vorlagen. Nun sind die ersten Ergebnisse der Untersuchung der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle Sust in Form eines Zwischenberichts da.

Nach wie vor gebe es keine Hinweise darauf, dass ein schwerwiegendes technisches Problem zum Absturz geführt hat, so das Bazl in einer Mitteilung. «Die Untersuchung des Wracks ergab aber schwerwiegende Strukturschäden in Form von Rissen und Korrosionsschäden am Hauptholm, dem tragenden Element des Flugzeugflügels, und weiteren Teilen des Flugzeuges.» Diese Schäden seien bei normalen Inspektionen und Wartungsarbeiten verborgen geblieben und hätten erst anhand der Trümmerteile festgestellt werden können. Die Korrosionsschäden an Holmen, Scharnieren und Beschlägen der Tragflügel wurden als sicherheitsrelevant eingestuft. Das gleiche gilt für Mängel an neu angefertigten Motorenteilen.

 

Bild: Sust

Vorläufiges Grounding

Da die beiden in Dübendorf stationierten Ju-52 HB-HOP und HB-HOS sowohl altersmässig wie auch von den Betriebsstunden her der verunglückten Maschine entsprechen, müsse sichergestellt sein, dass beide Maschinen diese Schäden nicht aufweisen. Laut der Sust müsse damit gerechnet werden, dass vergleichbare Mängel auch bei diesen Schwesternflugzeugen vorliegen. Bis der Nachweis des Gegenteils erbracht ist, beziehungsweise bis allfällige Schäden behoben sind, dürfen die beiden Ju-52-Maschinen vorläufig nicht mehr geflogen werden, so das Bazl.

Die Sust schreibt in ihrem Zwischebericht weiter, dass das abgestürzte Flugzeug über keinerlei Aufzeichnungsgeräte verfügte. An der Unfallstelle seien aber eine grössere Anzahl von Mobiltelefonen und einzelne Filmkameras von Passagieren und Besatzungsmitgliedern sichergestellt worden. Diese Aufzeichnungsgeräte seien beim Unfall teilweise stark beschädigt worden. «Bis zur Veröffentlichung des Zwischenberichts konnten einzelne Datenträger ausgelesen werden. Die Reparatur- und Auslesearbeiten an der Mehrzahl der sichergestellten Geräte dauern aber weiter an und werden noch geraume Zeit in Anspruch nehmen», so die Sust.

«Der beim Unfallflugzeug nun entdeckte Schaden ist keine Absturzursache»

Ju-Air Sprecher Christian Gartmann

Die Ju-Air ist mit diesem vorübergehenden Grounding einverstanden, heisst es in einer Mitteilung des Vereins. Nach dem Abschluss des Sommerflugbetriebs befänden sich die beiden betroffenen Flugzeuge ohnehin bereits in Dübendorf zur umfassenden Jahreswartung. «Es ist vorgesehen, den Flugbetrieb wie geplant im Frühling 2019 wieder aufzunehmen», sagt Ju-Sprecher Sprecher Christian Gartmann.

Abschlussbericht im Spätsommer erwartet

«Der beim Unfallflugzeug nun entdeckte Schaden ist keine Absturzursache», betont Gartmann weiter. Die Untersuchung habe keinerlei Hinweise zutage gefördert, dass ein technisches Problem zum Unfall geführt hat. «Das Flugzeug führte genügend Treibstoff mit und alle drei Motoren liefen mit hoher Drehzahl.» Der definitive Abschluss der Sust-Untersuchung werde nicht vor dem kommenden Spätsommer erwartet. 

Der vorgefundene Schaden betreffe eines von acht Holmrohren des linken Flügels und liege an einem Ort, wo er trotz «sorgfältiger Inspektion mit den bisherigen Untersuchungsmitteln nicht entdeckt werden konnte», so Gartmann. Er sei erst zutage getreten, als das Flugzeug beim Absturz total beschädigt wurde. Die Ju-Air habe bereits ein Projekt gestartet, um sicherzustellen, dass ihre anderen Flugzeuge keine entsprechenden Schäden aufweisen. 

 

Bild: Sust

Drittes Flugzeug

Die Ju-Air gibt weiter bekannt, dass sie im kommenden Sommerhalbjahr wieder eine dritte Ju-52 in ihre Flotte aufnehmen will. Die Vorbereitungsarbeiten an der zurzeit in Mönchengladbach abgestellten Ju-52-Maschine mit dem Kennzeichen HB-HOY seien so weit abgeschlossen, dass das Flugzeug zu einer Strukturüberholung nach Dübendorf überflogen werden kann, heisst es. Die entsprechenden Bewilligungen würden derzeit beantragt. 

Bei der HB-HOY handelt es sich um einen Lizenzbau der Ju-52 aus den spanischen CASA-Werken, der zehn Jahre jünger ist als die anderen Ju-52 der Ju-Air. Da die HB-HOY in Alter und Hersteller nicht dem Unfallflugzeug entspreche und zudem zwischen 1991 bis 1996 generalüberholt worden sei, sei sie vom erwähnten Grounding nicht betroffen. 

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Womit die vorschnelle Schlussfolgerung des Ju-Air Chefs "keine technischen Mängel" (will heissen Pilotenfehler) fürs erste mal widerlegt ist. Ich kannte beide Piloten und deren immense fliegerische Erfahrung und habe keinen Moment geglaubt, dass sie an diesem Absturz Schuld sein sollen!

Sie verstehen den Text wohl nicht?!
Es gab bis jetzt keinen Hinweis auf technische Mängel!
Nur wurden Korrosionsschäden gefunden, die einer Überprüfung bedingen. Dass solche Schäden die ansonsten, erst zu einem späteren Zeitpunkt entdeckt worden wären, nun so mit diesem Wissen vielleicht schon vorzeitig entdeckt werden können, falls bei den anderen Maschinen auch vorhanden.

Herr Götti
Mit Korrossinosschäden muss immer gerechnet werden, speziell bei älteren Flugzeugen. Dies sind sich die Techniker bewusst, für dies gibt es auch Wartungsintervalle. Es wurden bestimmt auch schon einige entdeckt und wenn Nötig repariert oder die Inspektionsintervalle werden erhöht. Leider dank diesem Unglück, konnten jetzt auch Teile ganz anders angesehen werden. Ihre Aussage, dass dies mit dem Absturz was zu tun hat, ist an den Haaren herbeigezogen. Vielleicht findet man ja noch etwas, aber bis heute, hat die Behörde gesagt, hat man keine Anhaltspunkte in dieser Richtung gefunden.
Also lieber Ball flach halten, wenn man davon nichts versteht. Es braucht kein Stammtisch geschwafel.
Fehler passieren, stehen selten alleine da und am Schluss ist es eine Verkettung von Umständen. Auch Erfahrung, kann ein Glied in der Kette des Fehlers liegen, das war schon immer so.
Ich habe auch meine Mühe damit, aber eben, es passiert und damit müssen wir umgehen können. So ist die Fliegerei.

Herr Bart
Ehe Sie mir Stammtischgeschwafel und Nichtverstehen der Materie vorwerfen bitte ich Sie, meinen ersten Beitrag noch mal in aller Ruhe zu lesen und mir zu sagen wo ich behaupte die Korrosionsschäden hätten etwas mit dem Absturz zu tun. Ich habe aber, wohl zu recht, meine Zweifel am Unterhaltsbetrieb der die Ju-52 wartet. Ich fliege selber Oldtimer Maschinen, welche von einer Firma gewartet werden, die ihre Verantwortung wahrnimmt. Bei uns wäre es undenkbar, dass eine Maschine mit 30-jährigen Treibstoff- und Ölschläuchen welche Alterungsschäden aufweisen herumfliegt. Ich verstehe auch nicht wie solche Schäden dem BAZL verborgen blieben. Ich vermute, dass bis zum Abschluss der Untersuchung noch einige Leichen zum Vorschein kommen werden, und ob die Ju-Air dann noch Passagiere findet werden wir sehen.

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