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Neuer Anlauf zur Ausgliederung des Altersheims Haus Geeren

Fischenthal

Neuer Anlauf zur Ausgliederung des Altersheims Haus Geeren

Im Juni haben die Fischenthaler eine Ausgliederung des Alters- und Pflegeheims Haus Geeren an die Töss Gruppe knapp abgelehnt. Der Gemeinderat informierte am Freitag im Gemeindesaal die Bevölkerung darüber, wie es weitergehen könnte. Eine klare Mehrheit sprach sich in einer Konsultativabstimmung für Neuverhandlungen mit der Töss Gruppe aus.

Eduard
Gautschi
Sonntag, 18. November 2018, 10:00 Uhr Fischenthal
Das Alters- und Pflegeheim Haus Geeren in Fischenthal.
Archivfoto: Seraina Boner

Die Zeit drängt. Nachdem die Fischenthaler die Vorlage zur Ausgliederung des Heims mit einem Zufallsmehr bachabgeschickt hatten, musste sichergestellt werden, dass das Haus Geeren weitergeführt wird. Die frisch gewählte Gemeindepräsidentin Barbara Dillier (parteilos) nahm das Gespräch mit der Töss Gruppe auf, die das Heim seit rund zwei Jahren führt.

Vom ablehnenden Entscheid an der Urne war man bei der Töss Gruppe wenig begeistert und nicht bereit, den Vertrag wie seitens der Gemeinde gewünscht, um drei bis fünf Jahre zu verlängern. Man einigte sich auf anderthalb Jahre. Im Oktober 2019 läuft der Vertrag aus. Die Gemeinde steht somit unter Zeitdruck. Es gilt, den Betrieb nach Oktober 2019 sicherzustellen.

Neutrale Beratung

Der Gemeinderat suchte eine neutrale Institution, die ihn beraten und begleiten kann. Deshalb engagierte er die Casea AG aus Zürich. Felix Lienert von der Casea AG erläuterte der Bevölkerung am Freitagabend im Gemeindesaal drei Szenarien, wie das Haus Geeren weitergeführt werden könnte. Lienert präsentierte einleitend auch ein paar Annahmen, warum der Ausgliederungsvertrag abgelehnt wurde. Unter anderem die wohl wahrscheinlichste These, dass das Haus zweckentfremdet und zur Luxusresidenz ausgebaut werden könnte. Zudem stand die Angst im Raum, «das Haus werde verschenkt».

Eine Zweckentfremdung war zwar per Vertrag durch das Mitspracherecht des Gemeinderats praktisch ausgeschlossen worden und was die Finanzen betrifft, hätte die Gemeinde jährlich knapp 78'000 Franken an Baurechtszinsen eingenommen und ein Mitspracherecht bei der Tarifgestaltung gehabt. Für die sich abzeichnenden Investitionen hätte nicht die Gemeinde, sondern die Töss Gruppe aufkommen müssen.

Risiko bleibt bei der Gemeinde

Als Lienert die sich nun bietenden Möglichkeiten präsentierte, wurde klar, dass aus finanziellen und organisatorischen Gründen sehr viel für eine Auslagerung spricht. Zwei Wege führen dorthin.  Der dritte Weg, die Gründung einer gemeindeeigenen AG, die das Haus Geeren betreiben würde, hätte den Nachteil, dass die Gemeinde mit hohen finanziellen Beiträgen die Gründung der AG ermöglichen müsste und bei Investitionen ebenfalls zur Kasse gebeten werden würde.

Zudem würde sie als Alleinaktionärin das Betriebsrisiko tragen. Bei der Gründung einer Genossenschaft anstelle einer AG, die das Haus übernehmen könnte, gebe es ähnliche Probleme, verbunden mit einem Hang zur Überregulierung und «Auflagen ohne Ende».

Auslagerung als Lösung

Somit blieben eigentlich nur noch zwei Varianten übrig. Bei beiden geht es um eine Auslagerung des Betriebs. Einerseits könnte man den Betrieb und die Übernahme vom Haus Geeren ausschreiben, andererseits mit der Töss Gruppe Nachverhandlungen führen.

Lienert machte darauf aufmerksam, dass eine Ausschreibung wegen der geltenden Gesetze kompliziert, teuer und zeitaufwendig sei. Das Gemeindeamt werde dabei ein gewichtiges Wort mitreden, was sich bei den Kosten niederschlage. Der Kanton werde darauf beharren, dass eine verlässliche Auswahl an Interessenten vorhanden sein müsse, die überhaupt in Frage komme.

Keine Kernaufgabe der Gemeinde

In der Diskussion wünschten einzelne Votanten, dass das «Haus Geeren im Besitz der Gemeinde bleibt». Gegen eine AG wurde argumentiert, weil der Verwaltungsrat entschädigt werden müsse und man nicht wisse, wie hoch diese  Entschädigung dann sein werde. Dass die Gemeinde das Haus Geeren leite, sei wegen der immer wieder wechselnden Zusammensetzung der Behörde nicht wünschenswert.

Zudem gehöre das nicht zu den Kernaufgaben der Gemeinde. Bei allen Voten, bei denen es um finanzielle Aspekte ging, stand die Frage im Raum: «Kann und will sich Fischenthal das leisten?» Daran glaubte aber niemand so recht. Zu hoch schien das finanzielle Risiko, zu teuer die Investitionen, die sich abzeichnen.

Nachverhandlung mit Töss Gruppe

Vor der Fakultativabstimmung  wurde noch eine vierte Variante in den Raum gestellt: Das Alters- und Pflegeheim Haus Geeren zu verkaufen. Dafür sprachen sich von den rund 35 Anwesenden nur vier aus. Drei Anwesende waren für die Gründung einer gemeindeeigenen AG und sechs für die Ausschreibung und Suche nach einem neuen Betreiber.

Den grössten Zuspruch erhielt jedoch die Variante «Nachverhandlungen mit der Töss Gruppe». Dabei besteht zwar die Gefahr, dass sie erneut abgelehnt wird, aber laut Lienert würde die Töss Gruppe wahrscheinlich Hand zu einer Lösung bieten, die Mehrheitsfähig sein könnte.

Gemeindepräsidentin Dillier versprach, den Verhandlungsweg umgehend einzuschlagen, da die Zeit dränge. Die an der Informationsveranstaltung verwendeten Unterlagen sollen in der kommenden Woche auf der Homepage der Gemeinde aufgeschaltet werden, damit sich alle ein Bild von der derzeitigen Situation machen können und welche Optionen für die Sicherung der langfristigen Zukunft vom Haus Geeren bestehen.

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