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Regierungsrat enttäuscht Gossauer Hoffnungen

Anfrage zu Schlackenreduktion

Regierungsrat enttäuscht Gossauer Hoffnungen

Deponienverhinderung durch Schlackenreduktion: Zwei Gossauer Kantonsräte wollen ihr Ziel auf diesem Weg erreichen. Der Plan dürfte nicht aufgehen, wie eine Einschätzung des Regierungsrates zeigt.

David
Kilchör
Donnerstag, 15. November 2018, 11:27 Uhr Anfrage zu Schlackenreduktion
Die Kezo in Hinwil ist eine Vorreiterin in der Schlackenaufbereitung.
Seraina Boner

Gossauer Kantonsräte - und von denen gibts nicht zu wenig - setzen sich seit Monaten in allen möglichen Formen für die Streichung der geplanten Deponie im Tägernauer Holz auf ihrem Gemeindegebiet ein. Jörg Kündig (FDP) und Elisabeth Pflugshaupt (SVP), die beide auch im Gemeinderat Gossau sitzen, schlugen für einmal einen anderen Weg ein. Mit einer Anfrage wollten sie statt einer Deponieverhinderung die Forschung in der Rückgewinnung von wiederverwertbaren Stoffen aus Abfallschlacke forcieren.

Sie wollten etwa wissen, wie die Planung neuer Anlagen zur Rückgewinnung aussehe, was es für Hindernisse gibt oder ob man die Forschung vorantreiben kann. Ihre Stossrichtung ist klar: Je weniger Schlacke, desto weniger dringend ist der Bedarf nach einer Deponie im Tägernauer Holz. Nun liegt die Antwort des Regierungsrats vor.

Er macht geltend, dass eine hohe Entschrottung der Schlacke notwendig ist, damit sie nicht mehr in einer Schlackendeponie wie sie im Tägernauer Holz geplant ist, sondern in einer Inertdeponie gelagert werden kann - oder idealerweise gar nicht mehr deponiert werden muss. Die in der Kezo installierte Trockenschlackenaufbereitungsanlage, die schweizweit Pioniercharakter hat, habe eine markante Verbesserung diesbezüglich herbeigeführt. Von 3 Prozent Entschrottung der Abfallschlacke habe man den Wert auf 15 Prozent anheben können.

Drei Hürden

Doch diese Werte reichten noch nicht, um so genannt nachsorgefreie Kehrichtschlacke herstellen zu können, die in Inert-Deponien gelagert werden kann. Es gebe noch drei Hürden: Die Senkung des organischen Kohlenstoffs, die weitere Steigerung der Metallrückgewinnung aus der Schlacke sowie die Entfernung der Salze.

«Technologien, die es erlauben, diese Hindernisse zu überwinden, stehen heute nicht zur Verfügung», so der Regierungsrat. Daher müsse man davon ausgehen, dass trotz technologischen Fortschritts auch in den kommenden Jahrzehnten Schlackendeponien notwendig seien. «Zwar dürfte der Anteil an zurückgewonnenen Wertstoffen noch erhöht werden können», so der Regierungsrat. Aufgrund des zu erwartenden Abfall- und Schlackeaufkommens werde die abzulagernde Menge an Kehrrichtschlacke über die nächsten Jahre dennoch unverändert bleiben.

Nur der Kanton Zürich forscht

Ein Problem sieht der Regierungsrat darin, dass weder in der Schweiz noch im Ausland – abgesehen vom Kanton Zürich – gross Aktivitäten hinsichtlich einer verstärkten Wertstoffrückgewinnung und nachsorgefreier Deponierung von Schlacke im Gange seien. Die Erfahrung zeige, dass kaum Entwicklung stattfinde, solange die Wirtschaftlichkeit der neuen Technologien nicht gegeben sei. Der Kanton Zürich könne den Fortschritt indes nicht im Alleingang herbeiführen.

Dennoch sieht der Regierungsrat mögliche Massnahmen, um die Entwicklung voranzutreiben. In den nächsten rund fünf Jahren prognosziert er eine erhöhte Wertstoffverwertung in Höhe von maximal 17 Prozent Metallen und 6 Prozent Mineralik – also Salzen. In den kommenden zehn bis zwanzig Jahren will er die Aufbereitung der Kehrichtschlacke mittels Waschprozess vorantreiben, um die Salz- und Schwermetallgehalte weiter zu senken.

Neue Technologien in Entwicklung

Hernach lässt sich laut Regierungsrat die Entwicklung nicht mehr terminieren. Doch klar ist, dass zusätzliche Technologien entwickelt werden müssen, um Restschlacke so zu behandeln, dass sie ausschliesslich der Verwertung zugeführt oder zumindest auf Inertstoffdeponien statt Schlackedeponien abgelagert werden kann. Die Entwicklung solcher Technologien will der Regierungsrat in Zusammenarbeit mit dem Bund vorantreiben.

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