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«Am häufigsten trifft es Rehe und Füchse»

Jäger vom Eschenberg informiert

«Am häufigsten trifft es Rehe und Füchse»

Im Eschenberg sind 2018 bisher acht Tiere bei einem Verkehrsunfall verunglückt. Obmann und Jäger Harry Kohler gibt den Lenkern keine Schuld. Bei Fahrerflucht kennt er aber kein Pardon.

Tina
Schöni
Donnerstag, 15. November 2018, 07:02 Uhr Jäger vom Eschenberg informiert

Wildunfälle passieren schneller, als man denkt. Eben noch fährt man mit dem Auto durch einen Waldabschnitt, dann plötzlich springt ein Schatten aus dem Dickicht. Es knallt – und vor dem Fahrzeug auf der Strasse liegt ein totes oder schwer verletztes Tier.

«Nach einem Wildunfall muss man sofort anhalten und die Unfallstelle sichern.»

Harry Kohler, Obmann Eschenberg

Im Eschenberg werden gemäss der Jagdgesellschaft Winterthur Eschenberg jedes Jahr durchschnittlich sechs Tiere in einen solchen Unfall verwickelt. 2018 waren es bisher acht. «Am häufigsten trifft es Rehe und Füchse», sagt Harry Kohler. Er ist seit 2017 Obmann und Pächter der Jagdgesellschaft und des Ausbildungsreviers Winterthur Eschenberg.

Auf Distanz bleiben

Nicht selten traf Harry Kohler an Unfallstellen auf Fahrzeuglenker im Schockzustand. «Zum Teil sind sie völlig durch den Wind und müssen erst einmal beruhigt werden.» Viele wissen auch nicht, wie sie sich verhalten müssen (siehe Umfrage). Harry Kohler klärt auf: «Grundsätzlich gilt es nach einem Wildunfall, sofort anzuhalten und die Unfallstelle zu sichern.»

«Wildschweine sind besonders gefährlich.»

Harry Kohler, Obmann vom Eschenberg

Wenn das Wild noch lebt, sollte man sich ihm weder nähern, noch es berühren. «Man weiss nie, ob das Tier krank, aggressiv oder panisch ist», erklärt er. Der Obmann spricht aus Erfahrung. «Wildschweine sind besonders gefährlich. Mit ihren bis zu 24 Zentimeter langen Eckzähnen haben sie auch schon meine Hündin Reika verletzt.»

Bei Fahrerflucht gibt’s kein Pardon

In jedem Fall müssen Wildunfälle zwingend der Polizei gemeldet werden. Diese informiert die zuständige Jagdgesellschaft, die am Unfallort das Tier birgt und erlöst sowie dem Fahrzeuglenker den notwendigen Unfallschein ausstellt. Die Kosten für den Schaden am Fahrzeug deckt normalerweise die Versicherung. Harry Kohler und seine Mitpächter arbeiten ehrenamtlich, also gratis – und das jeden Tag rund um die Uhr.

Immer wieder komme es vor, dass ein Unfall nicht gemeldet werde. Harry Kohler ärgert das. Auch wenn er vermutet, dass dies teilweise auch aus Unwissen geschehe. «Wenn ein Reh nach einem Zusammenprall wegrennt, kann es so aussehen, als ob das Tier unverletzt blieb», vermutet er. Trotzdem sei eine entsprechende Meldung Pflicht. Harry Kohler betont: «Wir kennen da kein Pardon. Bei Fahrerflucht bringen wir den Verantwortlichen zur Anzeige.»

Den Fahrer trifft kaum Schuld

Gemäss dem Jäger werden Wildunfälle zu bestimmten Jahreszeiten vermehrt registriert: etwa während die Vegetation im Frühjahr wächst, wenn sich das Wild am frischen Gras erfreuen kann, oder zur Brunftzeit im Juli und August, wenn die liebestollen Böcke wieder aktiv sind. Auch der Winter sei riskant. «Wenn unsere Strassen gesalzen werden, halten sich Rehe gern dort auf und schlecken das Salz vom Boden.»

Mit Massnahmen wie beispielsweise Leuchtreflektoren an Leitpfosten, versuche man die Tiere zu schützen. Um sie weg von den Strassen zu locken, hat Harry Kohler in Zusammenarbeit mit den Förstern auch schon sogenannte Salzlecken aufgestellt, welche die Tiere anlocken und sie von den Strassen fernhalten. Die Autofahrer sollen mittels Tafeln vor jungen Tieren auf den Strassen gewarnt werden.

Der erfahrene Jäger weiss: «Autofahrer machen sich bei Wildunfällen teils schwere Vorwürfe.» In den meisten Fällen seien ihr Fahrstil und die Geschwindigkeit aber nicht schuld am Unfall gewesen. Er ist sich sicher: «Das passiert so schnell. Wenn ein Tier aus dem Nichts vors Auto springt, hat man auch bei Tempo 30 kaum eine Chance, noch rechtzeitig zu bremsen.»

Was tun bei einem Wildunfall?

Wer mit seinem Fahrzeug einen Unfall mit Wildtieren verursacht,  sollte folgende Punkte beachten:

• Anhalten, Warnweste anziehen und die Unfallstelle sichern
• Den Unfall unverzüglich bei der Polizei melden, Telefon 117, (Eine Verletzung der Meldepflicht ist strafbar)
• Sofern möglich das tote Tier von der Strasse ziehen
• Zu noch lebenden Tieren Abstand halten und nicht berühren
• Die Unfallstelle markieren, auch wenn am Fahrzeug kein Sachschaden entstanden ist
• An der Unfallstelle warten, bis die Jagdaufsicht/ Wildhut eintrifft
• Notwendige Unfallbestätigung für die Versicherung erhalten
Mehr Infos zum Thema: www.jagdzuerich.ch / www.stadt.winterthur.ch

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