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«Zeitgenössischer Tanz ist vielen kein Begriff»

Mit dem Tanzfestival Winterthur ein Zeichen setzen

«Zeitgenössischer Tanz ist vielen kein Begriff»

Der zeitgenössische Tanz soll bekannter werden. Das wünscht sich Nadine Schwarz, die Leiterin des Tanzfestivals Winterthur. Am diesjährigen Event werden einmal mehr internationale und lokale Tanzgruppen vertreten sein. Der Anlass läuft ab Donnerstag.

Tina
Schöni
Dienstag, 13. November 2018, 18:49 Uhr Mit dem Tanzfestival Winterthur ein Zeichen setzen

«Zeitgenössischer Tanz findet in der Schweiz zu wenig Beachtung», findet Nadine Schwarz. Mit dem heute Donnerstag beginnenden Tanzfestival Winterthur will die Zürcherin, die den Event seit vier Jahren leitet, Einblicke in die oftmals unbekannte Tanzrichtung ermöglichen.

«Es geht immer um den Menschen.»

Nadine Schwarz, Leiterin Tanzfestival Winterthur

«Vielen ist der zeitgenössische Tanz kein Begriff, weil sie sich darunter nichts vorstellen können», so die Festivalleiterin. Das liege unter anderem an der Vielfältigkeit dieser Tanzform. Sie sei nicht einfach zu definieren. Nadine Schwarz versucht es trotzdem: «Ich würde sie als frei und extrem vielseitig bezeichnen – von tänzerisch bis performativ. Beim zeitgenössischen Tanz hat man sich von den starren Formen des Balletts losgelöst, vermischt verschiedene Stile miteinander und sucht nach neuen Bewegungselementen.» Nadine Schwarz präzisiert: «Es geht immer um den Menschen. Tänzer trainieren ihre Körper so, dass er zum Ausdrucksmittel von Ästhetik wird.»

Den Tanz etablieren

Ein genaueres Bild von der Vielfalt dieser Tanzform soll sich das Publikum während der acht Festivaltage machen. Auftreten werden sowohl internationale wie auch lokal verankerte Tanzgruppen. Zu letzteren zählen etwa «Doxs Dance», die Winterthurerin Ana Tajouiti mit der Gruppe «Cie.aha!plus», Brigitte Heusser sowie Elvi Leu.

Die hiesigen Künstler stehen laut Nadine Schwarz beim Festival im Vordergrund. «Wir wollen Winterthur als Tanzstadt etablieren, das choreografische Schaffen unterstützen und lokalen Gruppen einen professionellen Rahmen dazu bieten», so die Festivalleiterin. Für die diesjährige Ausgabe waren die lokalen Gruppen etwa dazu eingeladen, sogenannte «Intros» zu gestalten (siehe Box), welche die Tanzabende einleiten werden. Wie diese kurzen Stücke aufgebaut sind, weiss selbst Nadine Schwarz nicht: «Ich kenne bloss die Idee. Vom Endprodukt lasse ich mich überraschen.»

Profis und Laien fördern

Nebst Auftrittsmöglichkeiten vor Publikum ist das Tanzfestival für die Kunstschaffenden auch als Begegnungs- und Weiterbildungsort von Bedeutung geworden. Das beobachtet Nadine Schwarz immer wieder: «Der Austausch untereinander trägt zur Entwicklung bei.» Ausserdem könne man sich von anderen Choreografien inspirieren lassen. Sie sagt: «Der zeitgenössische Tanz ist sehr global, da er nicht auf einer Sprache beruht.»

«Wir wollen kein Festival nur für Experten werden.»

Nadine Schwarz, Leiterin Tanzfestival Winterthur

Seit drei Jahren werden Profis und Laien in Winterthur auch Tanz-Workshops angeboten. Für Kinder und Jugendliche fehlt dies bisher noch. Nadine Schwarz will das ändern: «Nächstes Jahr wünsche ich mir, dass wir auch für die jüngere Generation Stücke und Kurse anbieten können. Wir wollen kein Festival nur für Experten werden, sondern den zeitgenössischen Tanz lokal verankern.»

Lokale Tanzschaffende erarbeiteten Intros für das Tanzfestival 2018

In diesem Jahr ist es bereits die 26. Ausgabe des Tanzfestivals Winterthur. Der Event startet am heutigen Donnerstag und bietet noch bis 24. November Shows und Workshops im Theater am Gleis.

Für das Festival haben Winterthurer Tanzschaffende erstmals sieben Kurzstücke gestaltet. Die sogenannten «Intros» werden die Abende jeweils einführen. Thematisch könnten die Stücke nicht vielseitiger sein. Astrid Künzler und Manuela Saurer zeigen am Samstag, 17. November, etwa die hybride Form eines Briefes mit dem Titel «Brief an Grossmutter». Künstlerin Astrid Künzler erklärt: «Hybrid ist es deshalb, weil Performance und Installation in unserem Stück zu einem visuell-performativ-akkustischen Moment verschmelzen.»

Das Tanzensemble Doxs Dance befasst sich in seinem Kurzstück «Das ewige Zittern» mit der der immer bestehenden Bewegung der Atome sowie den Umlaufbahnen der eigenen Person. Narzissmus, Erwartungshaltungen und zwischenmenschliche Beziehungen kommen dabei zur Sprache. «Die vier Performerinnen werden das Thema auf eine humorvolle und leichtfüssige Art und Weise tänzerisch umsetzen», erklärt Xenja Füger, die für Konzept, Idee und Tanz verantwortlich ist.

Nebst dem Showteil beinhaltet das Tanzfestivals Winterthur auch Gespräche mit Choreografen, Filmvorstellungen und Workshops bei Lisi Estaràs aus Argentinien und Joan Clevillé für Profis und Laien. Detaillierte Informationen zu den Vorstellungen, Tickets und Programmpunkte sind unter www.tanzfestivalwinterthur.ch zu finden.

 

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