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Einsatz für mehr Organspenden

Winterthurer Student engagiert sich

Einsatz für mehr Organspenden

Ivan Skrbec lebt seit 2010 mit einer Spenderlunge. Dies hat sein Leben nachhaltig geprägt. Der Student an der ZHAW in Winterthur will, dass sich die Schweizer mehr mit dem Thema Organspenden auseinandersetzen.

Michael
Hotz
Mittwoch, 07. November 2018, 15:04 Uhr Winterthurer Student engagiert sich

Die Schweiz hat zu wenige Organspender. Laut der Stiftung Swisstransplant sterben durchschnittlich zwei Menschen pro Woche, während sie auf ein Organ warten. 1478 Schweizer befanden sich Ende 2017 auf einer Warteliste – vor vier Jahren waren es noch 200 Menschen weniger.

Wie lange es dauern kann, bis ein Spenderorgan verfügbar ist, weiss Ivan Skrbec. Der 26-jährige ZHAW-Student in Winterthur leidet an einer zystischen Fibrose. Die Stoffwechselkrankheit verursachte chronische Entzündungen seiner Atemwege. «Ich hatte damals keine Kraft mehr und vegetierte vor mich hin», erinnert sich Ivan Skrbec zurück. Es drohte der Tod. Sein einziger Ausweg: eine Transplantation. 2010 erhielt er deshalb eine neue Lunge – nach zweijähriger Wartezeit.

Dem Teufel in die Augen geschaut

Wenn der Pflegestudent zurückblickt, wird er emotional: «Ich habe dem Teufel in die Augen geschaut, aber konnte dem Tod entringen.» Er verspüre eine grosse Dankbarkeit, darum wolle er etwas zurückgeben. Mit weiteren Studenten gründete der Zürcher vor einem Jahr das Projekt Organspende Zürich. Zurzeit hat er bei der Organisation die Leitung für die Deutschschweiz inne.

Das Projekt hat zwei Ziele, nämlich über die Thematik aufzuklären und die Volksinitiative «Organspende fördern – Leben retten» zu unterstützen, die jeden Erwachsenen im Todesfall zum potenziellen Organspender machen will, es sei denn, er hat sich zu Lebzeiten seinen Widerspruch in ein offizielles Register eintragen lassen. Aktuell benötigen Schweizer eine Organspenderkarte oder erklären ihre Zustimmung gegenüber Familienangehörigen, um als Spender zu gelten.

Entscheid mit Familie teilen

Viel wichtiger ist Ivan Skrbec jedoch, dass das Stigma abgebaut wird, das dem Thema Organspende anhaftet. «Der Tod ist leider immer noch ein Tabu. Das wollen wir ändern.» Herr und Frau Schweizer sollen sich informieren, etwa beim Hausarzt – und anschliessend sich dafür oder dagegen entscheiden, ein möglicher Organspender zu sein.

Der ZHAW-Student gab auch schon ein Fernsehinterview im Stadion Letzigrund. (Foto: Keystone)

Welche Wahl man trifft, ist für Ivan Skrbec nicht ausschlaggebend: «Ein Nein ist genauso richtig.» Wichtig sei bloss, dass man sich entscheide und dies mit seiner Familie bespreche. «Wissen die Angehörigen Bescheid, nimmt man ihnen eine grosse Last ab.» 

Interview im Letzigrund

Damit sich eine liberalere Sicht im Umgang mit Organspenden durchsetzt, führen Ivan Skrbec und die weiteren Mitglieder des Projekts Organspende Zürich verschiedene Aktionen durch. «Wir besuchen Vorlesungen, um das Thema zu den Studierenden zu bringen, und besuchen Veranstaltungen von Ärzten, wo wir das Gespräch mit ihnen suchen.» Dazu organisieren sie Podiumsdiskussionen mit Befürwortern und Gegnern der Organspende-Initiative. Erst kürzlich gab der ZHAW-Student während des Spiels FC Zürich gegen die Young Boys im Stadion Letzigrund ein Fernsehinterview. Auf ihrer Facebook-Seite lädt die Organisation kurze Videos und Podcasts hoch. Die Menschen sollen über verschiedene Kanäle erreicht werden.

Ginge es nach Ivan Skrbec, stirbt hierzulande kein Mensch mehr, weil er auf eine Organtransplantation warten muss. «In einem Land wie der Schweiz darf das nicht passieren. Jeder hat eine zweite Chance verdient.» So wie auch er eine erhalten hat.

Das KSW darf keine Transplantationen durchführen

Um Organe transplantieren zu dürfen, brauchen Spitäler eine Bewilligung des Bundesamtes für Gesundheit. Diese werden für jedes zu transplantierende  Organ einzeln vergeben. Die Schweiz hat sechs Zentren dafür. Dies sind  die fünf Universitätsspitäler (Genf, Lausanne, Bern, Basel und Zürich) sowie das Kantonsspital St. Gallen. Das Kantonsspital Winterthur gehört also nicht dazu. «Organtransplantationen gehören zu den wenigen medizinischen Fachbereichen, für die das KSW keinen Leistungsauftrag hat», bestätigt Sprecher André Haas. Im Winterthurer Spital werden bloss Organentnahmen vorgenommen.

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