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Wenn Fische zu Gemüsebauern werden

Bubiker Gartenunternehmer baut Aquaponik-Anlagen

Wenn Fische zu Gemüsebauern werden

Die Bubiker Gartenbaufirma «Gartist» hat eine Aquaponic-Anlage entwickelt, die zwischen Fischzucht und Gemüseanbau einen geschlossenen Kreislauf herstellt und die man in Gärten, sowie auf Dächern von Hochhäusern aufstellen kann.

Dario
Aeberli
Freitag, 02. November 2018, 18:15 Uhr Bubiker Gartenunternehmer baut Aquaponik-Anlagen
Links in den Behältern schwimmen Buntbarsche, die Dünger für die Pflanzen rechts liefern. Foto:PD
PD

Aquaponik, also die Idee einen geschlossenen Kreislauf zwischen Fischzucht und Gemüseanbau herzustellen, klingt zwar seltsam, passt aber voll zum aktuellen Trend hin zur umweltfreundlichen Ernährung. Die Bubiker Firma Gartist hat zusammen mit zwei Partnern eine markttaugliche Anlage entwickelt.

Das funktioniert so: Fische schwimmen in einem Wasserbehälter, ihre Exkremente werden abgepumpt und in einen weitere Behälter übertragen, in denen Gemüsepflanzen stehen. Ein mechanischer Filter löst die Nährstoffe aus den Ausscheidungen, die durch Mikroorganismen in Nitrat umgewandelt werden und schlussendlich als Dünger für die Pflanzen verwendet werden. Die Pflanzen wachsen und reinigen wiederum das Wasser. Das saubere Wasser wird dann zurück in den Fischbehälter gepumpt.

Erklärungsvideo von Arte wie eine Aquaponik-Anlage funktioniert. Quelle: arte

Damit entfällt gemäss aquaponics-europe.eu, einem Unternehmen, das sich für die Förderung von Aquaponik-Anlagen einsetzt, die ökologische Problematik der Überdüngung natürlicher Gewässer. Frischwasser müsse ebenfalls praktisch keines zugeführt werden.

«Es ist vergleichbar mit dem Aufwand für einen kleinen Pudel.»

Joel Kunz, Geschäftsführer der Firma Gartist

Joel Kunz, Geschäftsführer der Firma Gartist, ist zufrieden mit seinem Prototyp. Ende Oktober geht die erste Saison der Aquaponik-Anlage zu Ende. «Wir rechnen mit 30 Kilogramm Fisch und mit weiteren 100 Kilogramm Gemüse, die wir dieses Jahr ernten können», sagt Kunz.

Besonders die Tomaten kämen bei der Anlage richtig gut und seien sehr schmackhaft.

Für eine Anbaufläche von bloss 30 Quadratmetern sei das relativ viel. Zudem sei die Konstruktion sehr pflegeleicht. «Es ist vergleichbar mit dem Aufwand für einen kleinen Pudel», so Kunz.

«Die Tomaten waren saftig und hatten richtig viel Geschmack, nicht so wie die wässrigen Tomaten aus dem Supermarkt.»

Joel Kunz, Geschäftsführer der Firma Gartist

Sechs Tage lang reichen zehn Minuten, um die Fische zu füttern und die Temperatur sowie den Wasserwert des Beckens zu kontrollieren und das Gemüse zu pflegen. Einmal pro Woche müsse man dann etwa 30 Minuten für die Reinigung der Anlage einplanen.

Gemüse für Eigenverbrauch
Das Verfahren der Aquaponik wurde bereits 1985 erfunden. Bisher hätten aber kleinere Versionen für private Gärten gefehlt. Deswegen sei es wichtig gewesen, diesen Prototyp zu testen. «Wir experimentieren aktuell noch ein wenig damit, welches Gemüse am besten wächst und überlegen uns neben der Buntbarschart Tilapia auch noch Egli zu züchten», sagt Kunz.

Getestet hätten sie bis jetzt Tomaten, Blattsalat, Basilikum, Peperoni, Kurkuma, Federkohl und Zucchetti - wobei die Tomaten am besten schmeckten. «Sie waren saftig und hatten richtig viel Geschmack, nicht so wie die wässrigen Tomaten aus dem Supermarkt», so Kunz. Für ihn eignen sich Aquaponik-Anlagen für Menschen, die sichergehen wollen, dass ihre Nahrungsmittel ohne den Zusatz von Chemikalien hergestellt werden.

85 Kilogramm Gemüse essen Schweizerinnen und Schweizer pro Jahr laut der Statistik des Verbands der Schweizer Gemüseproduzenten.

«Wir haben mit dem Gemüseanbau beim Prototypen erst Ende Juni gestartet, deshalb hatten wir etwas weniger Ertrag», so Kunz. Wenn man ab April regelmässig ernte und wieder neu ansäe, könne man aus einer Anlage, wie dieser in Bubikon, etwa 70 Kilogramm Fisch und 300 Kilogramm Gemüse pro Saison herausholen.

Das reiche zwar nicht für den Verkauf an Detailhändler, sei aber auch gar nicht die Idee der Anlage. «Das Ziel ist eher, sich selbst versorgen zu können. Gerade für Ein- oder Mehrfamilienhäuser könnte sich das lohnen», sagt Kunz. Gemäss einer Statistik vom Verband der Schweizer Gemüseproduzenten konsumiert eine durchschnittliche Person in der Schweiz knapp 85 Kilogramm Gemüse pro Jahr.

Kunz rechnet damit, dass die Konstruktion, die zwischen 20’000 und 30’000 Franken kosten soll, nach fünf Jahren amortisiert ist. Eine vierköpfige Familie könne so viel Geld beim Lebensmitteleinkauf sparen.

Eignet sich besonders gut für Outdoor-Anlagen: die Buntbarschart Tilapia. Quelle: pixabay

Bei den geeigneten Fischarten für eine Aquaponik-Anlage, sei die Auswahl allerdings eingeschränkt. «Der Tilapia Buntbarsch ist natürlich extrem dankbar für die Zucht in einem Aussenbecken. Er ist relativ temperaturunempfindlich und kann in Wasser zwischen 12 und 28 Grad überleben», sagt Kunz. Selbst der vergangene Hitzesommer hätte ihnen nichts ausmachen können.

Dazu frässen Tilapias praktisch alles. Kunz habe die Fische auch schon mit Gemüse gefüttert, dass dank des Düngers aus ihren Ausscheidungen gewachsen ist. Die Buntbarsche bauen sozusagen ihr eigenes Futter an.

Noch Optimierungspotenzial
Bis jetzt habe Kunz noch keine konkrete Aufträge für den Bau einer Aquaponik-Anlage erhalten, aber das Interesse sei durchaus da. Zwei Anlagen für eine Schule und ein Unternehmen seien in Abklärung. Währenddessen arbeite er mit seinen Partnern weiter am Prototyp. Unter anderem möchten sie die Wasserbehälter in Zukunft isolieren und mit Solarenergie heizen.
 

Ebenfalls ein möglicher Standort für Aquaponik-Anlagen: das Dach eines Hochhauses. Quelle: pixabay

Damit könnten solche Anlagen auch in dicht besiedelten Gegenden gebaut werden. «Grundsätzlich könnten Aquaponik-Anlagen praktisch überall geplant werden - selbst auf Dächern von Hochhäusern.»

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