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Kommission stimmt Vergrösserung von Walddeponie zu

Gossau und Grüningen betroffen

Kommission stimmt Vergrösserung von Walddeponie zu

Schlechte Nachrichten für die Gemeinden Gossau und Grüningen: Die vorberatende Kommission des Kantonsrat befürwortet die Erweiterung der Walddeponie im Tägernauer Holz.

Tanja
Bircher
Freitag, 02. November 2018, 11:30 Uhr Gossau und Grüningen betroffen

Nun hat sie also ihren Beschluss gefasst. Während der letzten Monate hat die Kommission für Energie, Verkehr und Umwelt (Kevu) über die Teilrevision des kantonalen Richtplans beraten. Dazu gehörte auch die Vergrösserung der Walddeponie auf dem Grenzgebiet der Gemeinden Gossau und Grüningen.

Die kantonsrätliche Kommission hat die Gesamtvorlage zwar einstimmig angenommen, die geplante Deponie bleibe aber umstritten. Sie hat laut Mitteilung auch am meisten zu reden gegeben und nur von 9 der 15 Kommissionsmitglieder Zustimmung erhalten.

Wenige geeignete Standorte

Die betroffenen Gemeinden wehren sich seit Jahren gegen die Deponie. Bereits 2009 haben sich die Behörden erfolglos gegen einen Richtplaneintrag gewehrt. Nun versuchen sie die in der Teilrevision vorgesehene Erweiterung des Deponievolumens von bisher 750'000 auf 1,5 Millionen Kubik vor zu verhindern. Einerseits weil sie ohnehin schon stark belastet seien: In Gossau ist nebst der Schlacken-Deponie eine zusätzliche Deponie geplant, auf der Bauabfälle gelagert werden sollen. Andererseits reut es die Gegner um ihr Naherholungsgebiet: 7000 Bäume müssten der Deponie im Tägernauer Holz weichen.

Die Kevu habe die betroffenen Gemeinden Gossau und Grüningen angehört und sich intensiv mit diesem Standort befasst, heisst es in der Mitteilung weiter. Die Mehrheit der Kommission stimmte der Erweiterung angesichts der wenigen geeigneten Standorte für die Deponie von Restschlacke im Kanton dennoch zu.

Nach Meinung der Mehrheit ist erwiesen, dass der Deponiebedarf für Restschlacke aus der Zürcher KVA von 75'000 Kubik pro Jahr für die nächsten 20 Jahre sinnvollerweise durch den Standort Tägernauer Holz abgedeckt werden könnten. «Für diesen Standort sprechen neben der geologischen Eignung die kurzen Transportwege von der Kezo, die das modernste Recycling-Verfahren für Schlacke anwendet.»

Schwerverkehr kommt über Forchstrasse

Im Weiteren werde bei diesem Standort die Beanspruchung von Kulturland vermieden, die benötigte Waldfläche werde etappenweise wieder hochwertig aufgeforstet. Laut Mitteilung ist es der Kommissionsmehrheit bewusst, dass die regionale Bevölkerung aufgrund der geologischen Eignung des Gebietes die Last einer Häufung von Deponien zu tragen hat. Es wurde deshalb beschlossen, für die beiden Gossauer Deponien Lehrüti und Tägernauer Holz die Erschliessung über die Forchstrasse vorzuschreiben.

Damit werde der mit der Deponie verbundene Schwerverkehr von den umliegenden Ortschaften ferngehalten, teilt die Kommission mit. Ebenfalls festgeschrieben wird das Vorgehen über drei Etappen, sodass jeweils eine kleinere Betriebsfläche offen bleibe als beim Beibehalten des bisherigen Deponievolumens. 

Minderheit will warten

Eine grössere Minderheit hält die Deponie im Tägernauer Holz zwar für nötig. Sie sieht aber keinen Grund, sie zu diesem Zeitpunkt zu vergrössern. Laut diesen Kommissionsmitgliedern soll nicht Recycling, sondern die Vermeidung von Abfall das oberste Ziel in der Abfallbewirtschaftung bleiben. Dazu brauche es einen gewissen Druck, auch dadurch, dass der Deponieraum nicht ohne Not überdimensioniert festgelegt werde.

Die Informationen zu den über die Zeit benötigten Volumina sind für diese Minderheit in vielerlei Hinsicht zu wenig eindeutig gewesen. Auch die Bonität der einzigen Lieferantin, der ZAV Recycling AG, ist für sie gemäss Presseberichten unklar. Ausserdem habe nicht geklärt werden können, welches Verfahren technisch das beste sei. Diese Minderheit erachtet es als unnötig, heute einen Beschluss für die Erweiterung der Deponie zu fassen, zumal der Richtplan in spätestens drei Jahren wieder angepasst werden könnte. Die Kommissionsmitglieder glauben, bis dahin herrsche auch mehr Klarheit zu den offenen Fragen.

«Keine substanzielle Entlastung»

Dann gibt es laut Mitteilung noch eine kleine Minderheit, die den Eintrag der Deponie im Tägernauer Holz grundsätzlich ablehnt. Diese Kevu-Mitglieder sagen: «Das Tägernauer Holz ist der grösste zusammenhängende Wald im Zürcher Oberland, der bereits durch die Forchschnellstrasse unglücklich entzweigeschnitten wird.» Nun solle er auch noch durch eine Deponie belastet werden, für die nach Meinung dieser Minderheit kein wirklicher Bedarf besteht. Die betroffenen Gemeinden seien bereits durch zahlreiche Deponien belastet. «Die Mehrheitsanträge bezüglich Erschliessung und Etappierung bringen der Bevölkerung keine substanzielle Entlastung.» Diese Haltung vertreten auch die Grünen, die per Mitteilung bereits den Antrag auf eine Streichung der Deponie ankündigen (siehe Box).

Ob der Antrag der Kevu noch dieses Jahr vor den Kantonsrat gelangt, ist unklar. Kommissionspräsidentin Rosmarie Joss sagt, das Parlament behandle ihn aber sicher im ersten Halbjahr 2019.

Grüne wollen Deponie streichen

Die Grünen des Kantons Zürich kündigen einen Antrag zur Streichung des Deponiestandorts im Tägernauer Holz an. In einer Mitteilung bezeichnen sie den Standort als falsch und ungeeignet. Für die Deponie müssten 100'000 Quadratmeter an gesundem Buchenwald gefällt werden.

Beim Tägernauer Holz handle es sich um eines der grössten Waldstücke im Zürcher Oberland. Der Waldmeister-Buchenwald werde bereits durch die Forchautostrasse durchtrennt. Die Sünden der 70 Jahre dürfe man nicht noch einmal wiederholen, schreiben die Grünen. Die 100'000 Quadratmeter des Waldes, die geopfert würden, entsprächen 14 Fussballfeldern, wobei 7000 Bäume gefällt werden müssten.
«Für die Restschlacke aus der Aufbereitungsanlage in Hinwil muss ein besserer Deponie-Standort gefunden werden.» Dabei müsse sich der Kanton weiterhin in erster Linie auf die Abfallvermeidung konzentrieren.

Das Feigenblatt
 
Die Grünen finden, der Kanton mache es sich mit dem Standort Tägernauer Holz einfach. «Weil sich der Wald in Kantonsbesitz befinden, lässt sich eine Deponie für den Kanton darin leichter realisieren.» Die Region solle nun damit besänftigt werden, dass das Deponievolumen nicht auf einmal, sondern in Etappen ausgehoben und genutzt werden solle. «Da dies ohnehin eine gängige Praxis ist, die Regenerierung des Waldes aber gut 100 Jahre beansprucht, ist der Etappierungsantrag nicht mehr als ein Feigenblatt.» Dasselbe gelte für den Antrag zur Erschliessung der Deponie über die Forchautostrasse: «Auch das war nicht anders vorgesehen.»

Die Region zwischen Gossau und Egg sei mit weiteren vier eingetragenen Deponien, von denen heute zwei in Betrieb sind, bereits übermässig belastet. «Das Gebiet darf nicht zur Müllhalde des Kantons werden.» (zo)

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