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«Beim Schnörli finden manche, sie können das nicht essen»

Wetziker Metzger zur Metzgete

«Beim Schnörli finden manche, sie können das nicht essen»

Herbst ist Metztgetezeit. Aber wieso eigentlich? Das und wieso die Tradition noch immer beliebt ist, erklärt Guido Lehmann von der Metzgerei Eichenberger.

Xenia
Klaus
Mittwoch, 31. Oktober 2018, 10:03 Uhr Wetziker Metzger zur Metzgete
Die Metzgete in der Metzgerei Eichenberger sind schon ausverkauft. Guido Lehmann erklärt, wieso der Event so beliebt ist.
(Foto: Seraina Boner)

Herr Lehmann, wieso veranstaltet man Metzgeten gerade im Herbst?
Guido Lehmann: Das ist eine Tradition, das kommt von früher her: Da wurden die Säuli im Frühling geboren und waren im Herbst bereit, um geschlachtet zu werden. Einiges wurde dann auch als Wintervorrat angelegt, zum Beispiel indem man es räucherte.

Aber heute schlachtet man durchs ganze Jahr, das heisst man könnte auch das ganze Jahr hindurch Metzgete machen oder?
Schon ja. Es gibt auch einzelne, die Sommermetzgete anbieten. Aber da kommen dann nur die eingefleischten Liebhaber. Eine Metzgete mag man zu warmen Jahreszeiten weniger essen. Im Sommer macht man lieber einen Grillabend.

An der Metzgete gibt es Stücke vom Tier, die man heute üblicherweise nicht isst. Ekeln sich die Gäste davor?
Ekeln ist wohl das falsche Wort. Aber zum Beispiel
«beim Schnörli finden manche, sie können das nicht essen, weil man noch zu viel vom Tier sieht». Andere mögen einfach keine Innereien.

Was machen Sie dann?
Nichts. Bei uns ist das Essen als Buffet organisiert. Jeder kann das schöpfen, was ihm mundet. Es gibt solche, die essen nur Geschnetzeltes und Rösti, andere essen dafür umso lieber die Leberwurst und die Schnörli.

Sind die Metzgete eine Möglichkeit, den Nose-to-Tail-Ansatz unter die Leute zu bringen und weniger bekannte Stücke beliebt zu machen?
Ja, das denke ich schon.

Solange es der Gesellschaft so gut geht wie heute, werden wohl kaum vermehrt Innereien und Schnörli gegessen.
Guido Lehmann, Geschäftsführer der Metzgerei Eichenberger

Merken Sie nach der Metzgete eine erhöhte Nachfrage nach Schnörli und Innereien?
Nein. Denn wenn es die Leute selber kochen müssten, ist es nochmals eine andere Sache. Dabei ist ein Schnörli wenn‘s genug lange gekocht wird, etwas sehr feines. Aber Blut- und Leberwurst sind im Winter immer beliebt.

Haben Sie eine Idee, wie man Menschen dazu bringen könnte,  abgesehen von Metzgeten wieder vermehrt Innereien und Schnörli zu essen?
Die Essgewohnheiten haben sich gegenüber früher einfach stark verändert. Solange es der Gesellschaft so gut geht wie heute, werden wohl kaum vermehrt Innereien und Schnörli gegessen. Aber wenn es ein Kunde wünscht, verkaufen wir dies natürlich immer sehr gerne.

Ist die Metzgte für Sie lukrativ, gerade weil Sie so Stücke an die Leute bringen könne, die sich sonst schlecht verkaufen?
Nicht wirklich. Wir kommen raus, aber der Preis unserer Metzgete ist nicht hoch und das Ganze ist auch mit viel Arbeit verbunden. Wir veranstalten die Metzgete nicht in erster Linie um Gewinn zu machen, sondern um einen Event zu bieten. Die Metzgete ist auch als kleines Dankeschön an unsere Kunden gedacht, die das ganze Jahr bei uns einkaufen. Ausserdem ist es auch ein wenig Werbung. Die Leute schätzen, dass der Event gleich in den Betriebsräumen stattfindet, das gibt eine spezielle Atmosphäre und sie sehen gleich noch hinter die Kulissen. Etwa die Hälfte der Gäste sind solche, die seit Beginn jedes Jahr kommen.

Es gibt einen Trend hin zu Veganismus und Vegetarismus. Ist das Konzept der Metzgete nicht überholt?
Offenbar nicht. Die Metzgete ist noch immer etwas, das gut läuft. Für dieses Jahr sind wir an beiden Tagen schon ausverkauft. Es gibt halt auch immer noch viele Menschen, die Fleisch essen. Und weil es so traditionell ist, gehört eine Metzgete für viele einfach dazu.

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