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Das halten Musiker aus der Region von der Spotify-Upload-Funktion

Kostenlose Präsenz auf Musik-Plattform

Das halten Musiker aus der Region von der Spotify-Upload-Funktion

Der Marktführer unter den Streamingdiensten hat einen neuen Dienst vorgestellt, mit dem Künstler ihre Musik direkt auf die Plattform hochladen können sollen – kostenlos. Die Reaktion innerhalb der Musikbranche fällt gemischt aus.

Dienstag, 23. Oktober 2018, 08:32 Uhr Kostenlose Präsenz auf Musik-Plattform

Anfang September hat Spotify einen neuen Dienst vorgestellt, mit dem Künstler ihre Musik direkt auf die Plattform hochladen können sollen – anstatt über ein Label oder einen digitalen Aggregator, die einen Anteil der Einnahmen für sich behalten. Kostenlos.

Der Dienst wird unter der bestehenden Rubrik: «Spotify for Artists» zu finden sein, die es Künstlern – unter anderem – ermöglicht, Daten und Statistiken zu dessen Zuhörer zu sehen. Die Upload-Funktion wird nicht wie SoundCloud funktionieren, wo die Musik sofort nachdem Hochladen abspielbar ist. Sondern sie soll Künstlern die Möglichkeit bieten, die Kontrolle über ihre unveröffentlichte Musik zu haben. Denjenigen, denen Zugang zu der Plattform gegeben wird, wird ein „Interface“ gezeigt, auf der sie ihre Musik und das Album-Artwork hochladen können sowie ein Veröffentlichungsdatum auswählen, zusätzlich Information eingeben – zum Beispiel, ob es eine Single oder ein Album ist – und dann eine Vorschau vom Ganzen sehen können.

Das Unternehmen empfiehlt Künstlern im Programm, ihre Inhalte mindestens fünf Tage vor dem geplanten Veröffentlichungsdatum hochzuladen, damit Spotify in Ruhe sicherstellen kann, dass keine illegaler Inhalt vorhanden ist. Und es wird überprüft, ob dieselben Inhalte schon einmal hochgeladen wurden, um Duplikate zu vermeiden.

Das Ganze wird gerade an einer Gruppe von freiwilligen Einzelpersonen – Sänger und Bandmitglieder – in den Vereinigten Staaten getestet.

«Es kann sein, dass so mehr Schrott auf der Plattform landet.»
«Smack», Mitglied des Rap-Duos «Phumaso & Smack» und der Rap-Crew «Möchtegang»

Reaktionen fallen gemischt aus

Obwohl der Dienst noch gar nicht für die Öffentlichkeit freigegeben wurde, haben Künstler aus der Region bereits angefangen, sich mit der neuen Upload-Funktion zu befassen. Die Reaktion innerhalb der Musikbranche fällt gemischt aus.

«Ich bin mir nicht sicher, was ich von dem neuen Dienst halten soll», sagt Remo Hunziker, alias «Freezy». Er ist Mundartrapper und kommt aus Uster. «Die Neuerung würde den Upload-Prozess zwar vereinfachen, aber, ich denke, dass das nicht immer gut ist. Das aktuelle System fungiert als eine Art Filter.» Ohne könnte es irgendwann zu einer Überflutung kommen. «Die Plattform bietet Zugriff auf Dutzenden von Millionen Songs. Wovon etwa 20 Prozent noch kein einziges Mal abgespielt wurden. Und trotzdem kommen täglich 20,000 neue Uploads dazu. Das ist übermässig.»

Der Rapper «Smack», vom Rap-Duo «Phumaso & Smack» und der Rap-Crew «Möchtegang», sieht das Ganze gelassen: «Es kann sein, dass so mehr Schrott auf der Plattform landet. Doch dann überlebt das Gute und das Schlechte nicht», sagt der Winterthurer. Er findet den neuen Dienst grundsätzlich gut – trotz Risiko.

«Wir haben versucht einen möglichst gerechten Deal zu schaffen»
Kene Anoliefo, Senior Product Lead bei Spotify

Wunsch nachgekommen

Spotify selbst schreibt in einer Medienmittteilung, dass der neue Dienst von Kunden gewünscht wurde – diesem Wunsch komme man nun nach. Jedoch mit Vorsicht. «Wir haben gerade erst damit angefangen, den Dienst zu testen», sagt Kene Anoliefo, Senior Product Lead bei Spotify. «Unser Plan ist, uns zunächst einmal auf die das Feedback der jetzigen Nutzer zu konzentrieren. Es ist uns wichtig, von ihnen zu lernen. Bevor wir weiter überlegen, wie der Dienst für andere verfügbar gemacht werden kann.»

Wenn die Firma diesen Dienst irgendwann als öffentliches Feature veröffentlicht, könnte das den Markt beeinflussen. Zum Beispiel: Spotify verspricht, dass mit dem neuen Modell die Hälfte der Einnahmen direkt an die Künstler geht. «Die Künstler, die Musik direkt auf die Plattform hochladen, kriegen 50 Prozent der Nettoeinnahmen der Firma und 100 Prozent der Lizenzgebühren angeboten», sagt Kene Anoliefo. Dies ist ein ziemlich grosszügig, wenn man bedenkt, dass Spotifys Vereinbarung mit der Universal Music Group eine Zahlungsspanne von 52 bis 53 Prozent vorsieht. Ein Künstler, der durch diese Firma veröffentlicht wird, würde wahrscheinlich nicht die Gesamtheit davon sehen, auf Grund von Dingen wie «Rückgewinnungskosten», die ihren Anteil verringern. «Wir haben versucht einen möglichst gerechten Deal zu schaffen», bestätigt Kene Anoliefo. Die Künstler würden ihren monatlichen prozentualen Anteil automatisch erhalten und könnten die Information dazu sogar Online sehen und überprüfen.

«Es ist sicher schwieriger für Labels geworden, Künstler zu überzeugen, dass die Unterzeichnung eines Plattenvertrags für ihre Karriere nützlich sein kann»
Remo Hunziker, Mundartrapper «Freezy»

Wichtige Gegenleistung

Trotzdem hätten Plattenlabels nichts zu befürchten, sagt Rapper «Freezy». «Es ist sicher schwieriger für Labels geworden, Künstler zu überzeugen, dass die Unterzeichnung eines Plattenvertrags für ihre Karriere nützlich sein kann, aber ich denke, dass das keinen grossen Schaden angerichtet hat. Manchmal bekommen sie mit Künstlern zu tun, die nicht interessiert sind und die dann vielleicht weggehen, aber andere sehen, was die Labels an den Tisch bringen und bleiben.» Er selbst ist glücklich, nicht alleine zu sein. Denn ein Plattenlabel erbringt für den Anteil, den es nimmt, auch eine Gegenleistung. Zum Beispiel: die Promotion. «Das Hochladen der Musik auf Spotify ist nur der erste – und einfachste – Schritt. Es gibt schon jetzt so viel, dass ein grosser Teil gar nicht gehört wird. Aus dieser Flut herauszustecken, bleibt die grösste Herausforderung. Hier bieten sie Unterstützung.» In diesem Punkt, sind sich die Meisten einig.

Auch Oliver Macchi, Manager der Folk-Metal-Band «Eluveitie» aus Winterthur, begrüsst den neuen Dienst, da es Künstlern, welche kein Plattenlabel haben, dient, auch auf Spotify stattfinden zu können. «Persönlich bin ich allerdings nach wie vor überzeugt, dass für meine Künstler die Labels eine gute und wichtige Arbeit machen und habe deshalb kein Problem, dass sie die Songs hochladen und auch an diesen Umsätzen beteiligt sind», sagt er. «Es geht immer besser zu zweit, als allein.»

Spotify ist der Marktführer unter den Streamingdiensten. Die Firma, die Daniel Ek und Martin Lorentzon 2006 in Stockholm, Schweden geründeten, hat von allen Anbietern die höchste Anzahl von zahlenden Abonnenten – 83 Millionen. Und die grösste Menge von aktiven Nutzern – 180 Millionen. In 65 Regionen.

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