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Die Idee, Zeit zu schenken

Freiwilligenarbeit im Wagerenhof Uster

Die Idee, Zeit zu schenken

Nächsten Donnerstag findet im Wagerenhof Uster ein Informationsabend zum Thema Freiwilligenarbeit statt. Auch Roland Kocher hat an einem solchen Anlass Zugang zu seinem Engagement gefunden.

Redaktion
Züriost
Mittwoch, 17. Oktober 2018, 09:41 Uhr Freiwilligenarbeit im Wagerenhof Uster
Roland Kocher ist regelmässig mit Markus in Uster unterwegs.
PD

Eigentlich hatte es sich Roland Kocher anders vorgestellt. «Ich dachte, dass wir Ausflüge machen würden, miteinander laufen gehen und Gespräche führen» Er sei aber sehr glücklich über die Wendung, fügt er sogleich an, er habe schon so viel Schönes erlebt und viel mehr zurückbekommen, als er gegeben habe. Kocher ist als Freiwilliger im Wagerenhof engagiert. Wenn er die Eingangshalle betritt, wird er von verschiedenen Seiten gegrüsst, es werden ein paar Worte gewechselt, man lächelt oder winkt sich zu. «Diese herzliche, offene Atmosphäre ist mir schon beim ersten Mal aufgefallen, als ich hier war», sagt er. Das sei typisch für den Wagerenhof, und irgendwie für ganz Uster. «Markus und ich werden oft angesprochen, wenn wir zusammen in der Stadt unterwegs sind. Viele kennen ihn und erkundigen sich nach seinem Wohlbefinden.» Er selber, erzählt der Riediker weiter, habe durch Markus viele neue Orte in Uster entdeckt und Menschen kennengelernt, denen er sonst nicht begegnet wäre. 

Einsatz nach der Pension

«Den Anstoss zum Engagement gaben meine Töchter», sagt Kocher, der früher Serviceleiter eines grossen Hardware-Unternehmens war. «Beide machten Judo und da der Judo Club Uster die Inklusion fördert, kam ich auch mit Mitgliedern in Kontakt, die eine Behinderung haben.» Er habe die beiden Mädels oft zu Turnieren chauffiert und dabei hätten sich eindrückliche Begegnungen ergeben. «Einmal hat mich ein Judoka mit Beeinträchtigung gefragt, wie es mir gehe. Auf mein beiläufiges ‹gut› hat er gesagt ‹erzähl keinen Mist›. Diese feinfühlige Aussage machte mich verlegen, denn er hatte Recht.»

Als er vor zwei Jahren pensioniert wurde, setzte Kocher seine Idee, sich vermehrt für Menschen mit Beeinträchtigung zu engagieren, in die Tat um. «Meiner Frau und mir, unserer ganzen Familie geht es sehr gut, ich wollte etwas von meiner Zeit Menschen schenken, die im Leben nicht so auf der Sonnenseite stehen.» Ein Inserat, in dem der Wagerenhof Freiwillige suchte, kam gerade recht. Nach dem Informationsabend folgte ein Gespräch, bei dem Vorstellungen und Bedürfnisse abgeglichen wurden. «Mir wurde bewusst, dass gerade Menschen mit mehrfacher Behinderung, die zum Beispiel nicht sprechen und nicht laufen können, am dringendsten jemanden brauchen, der ihnen etwas Abwechslung und Freude in den Alltag bringt.» So kam es, dass Roland Kocher Markus kennenlernte. 

«Er hat mich ausgesucht»

«Schon bei unserem ersten Treffen schaute mir Markus in die Augen und gab mir seine Hand. Er hat mich ausgesucht, nicht ich ihn.» Seit gut zwei Jahren gehen die beiden wöchentlich spazieren, durchs Wagi-Dörfli, an den See, in den Stadtpark. Da Markus von Bewegung fasziniert ist, besucht Roland Kocher mit ihm Orte, wo etwas los ist, das Hallenbad, den Fussballplatz, die Kletterhalle. «Die Ustermer sind sehr offen gegenüber Personen mit Beeinträchtigung, sie haben eine gewisse Vertrautheit im Umgang.» Natürlich gehörte immer auch ein schöner Kaffee und eine Stück Kuchen zum Programm. 

Der Wagerenhof habe ihn gut auf seinen Einsatz vorbereitet, erzählt Roland Kocher. Er habe bald gelernt, die Blicke von Markus, seine Mimik und Gestik zu lesen und mit ihm zu kommunizieren. «Ich wusste, dass ich das kann und will. Menschen mit Behinderung machen es uns viel leichter, als wir uns das vorstellen. Es ist ein tolles Erlebnis, ein gegenseitiges Lernen und eine Bereicherung des Lebens.» (zo)

Engagement mit Bereicherung

Viele Bewohnerinnen und Bewohner des Wagerenhofs wünschen sich eine externe Bezugsperson, die z.B. einmal im Monat mit ihnen einen Spaziergang macht, Kaffee trinkt oder sonst etwas unternimmt. 
Derzeit dringend gesucht sind freiwillige Fahrerinnen oder Fahrer, die ab und zu einen Bewohnertransport übernehmen. Auch in der Wagerenhof-Landwirtschaft oder an Festanlässen sind helfende Hände sehr willkommen.

Am Informationsabend können Interessierte unverbindlich und in ungezwungener Atmosphäre mehr über die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten erfahren: Donnerstag, 25.Oktober, 18.30 bis 20.15 Uhr im Wagerenhof an der Asylstrasse 24 in Uster.
www.wagerenhof.ch

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