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«Ich wusste einfach, etwas Furchtbares ist passiert»

Ju-Air-CEO blickt zurück

«Ich wusste einfach, etwas Furchtbares ist passiert»

20 Menschen kamen beim Absturz der «Tante Ju» am 4. August ums Leben. Knapp zwei Monate später spricht Kurt Waldmeier, CEO der Ju-Air, über Hoffnung, Trauer und das Weitermachen.

Redaktion
Züriost
Samstag, 13. Oktober 2018, 18:05 Uhr Ju-Air-CEO blickt zurück

Zwei Monate sind seit dem tragischen Absturz der «Tante Ju» oberhalb von Flims vergangen. Die Ju-Air in Dübendorf hat den Flugbetrieb wieder aufgenommen. Man versucht, nach vorne zu schauen. Und trotzdem: Den 4. August wird Kurt Waldmeier, CEO der Ju-Air, für immer in Erinnerung bleiben. Er hat den verhängnisvollen Tag für die «Südostschweiz» noch einmal rekonstruiert. 

Waldmeier war am Nachmittag des Absturztages selber noch mit seinem Sohn in der Luft. «Ich habe dann einen Anruf erhalten, dass der ELT der HB-HOT losgegangen sei. Das ist ein Gerät, das es in jedem Flugzeug gibt und das sich auslöst, wenn es einen Aufprall mit mehr als 5G gibt und ein Notsignal sendet.»

Wie der Ju-Air-CEO gegenüber der «Südostschweiz» erzählt, sei es zu Beginn schwierig gewesen, an Informationen zu kommen. «Ich bin sofort nach Dübendorf ins Air Force Center gefahren. Dort hiess es, man könne mir nichts sagen, ich müsse mit der Bündner Kantonspolizei Kontakt aufnehmen. Das habe ich dann gemacht, es war aber ganz, ganz schwierig, an Informationen heranzukommen. Ich wusste einfach, es war etwas Furchtbares passiert.»

Keine Informationen von der Polizei

Trotzdem hat er die Hoffnung, es möge nicht der schlimmste Fall eingetreten sein, nicht aufgegeben. «Ich habe gehört, Helikopter seien am Shutteln, was mir in dem Moment Hoffnung gab, dass die Menschen vielleicht nur verletzt sind.»

Dass er als CEO der Ju-Air vorerst keine Informationen über ein womöglich unfassbares Unglück erhalten hat, könne er nachvollziehen. «Ich glaube schon, dass das so richtig ist», sagt er. Und weiter: «Die Polizei muss zuerst die wichtigen Facts und Figures haben. Sie haben zuerst einmal alles bei sich behalten. Ich habe bis heute keine Angaben zu den Opfern von der Polizei erhalten, das ist halt einfach so. Ich glaube, sie haben da einfach ihre Normen, die sie einhalten.»

Die Stunden nach dem Absturz, die Stunden der Ungewissheit, seien eine enorme Belastung gewesen. Kurz nach 21 Uhr kam dann die traurige Nachricht: Alle Menschen, 17 Passagiere und drei Besatzungsmitglieder, sind beim Unglück ums Leben gekommen. Für Kurt Waldmeister kein einfacher Moment. «In dieser Situation, in der ich da war, habe ich einfach funktioniert. Ich habe geschaut, dass die Angehörigen von den Care-Teams betreut werden.» An Schlaf sei die ganze Nacht nicht zu denken gewesen.

Angehörige: «Fliegt weiter!»

Eines sei Kurt Waldmeier klar gewesen, wie er gegenüber der «Südostschweiz» sagt. Und zwar, dass es weitergehen müsse. «Ich habe gesagt, wir machen am 16. August eine Gedenkfeier mit allen freiwilligen Helfern, die seit Jahren hier arbeiten, und am 17. nehmen wir gegen Abend den Flugbetrieb wieder auf. Ich hatte auch sehr viele Signale von den Angehörigen, die gesagt haben: Es ist ganz schlimm, was passiert ist, aber fliegt weiter. Schaut, dass es weitergeht.»

Heute, gut zwei Monate später, steht die Welt nicht mehr still, dreht sich aber immer noch langsamer, wie die «Südostschweiz» schreibt. Kurt Waldmeier ist nach wie vor bestürzt, aber optimistisch: «Jetzt ist man zwar noch in Trauer, verarbeitet das aber langsam und es gibt auch positive Erlebnisse, die einen wieder aufrichten. Ich glaube, vergessen kann man das nicht. Das ist ganz klar. Aber, man kann auf eine positive Art und Weise den Weg weitergehen, wie man das im Leben auch mit anderen Ereignissen hat. Wenn man jemanden seiner Liebsten verliert, vergisst man den ja nicht, aber man sucht neue positive Dinge, die einem im Leben Freude machen.»

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