×

Chor-Knatsch beschert Region zwei separate Schlusskonzerte

Intermezzo zwischen ehemaligen Dirigent und Chorverband

Chor-Knatsch beschert Region zwei separate Schlusskonzerte

Diese Woche gibt es statt einer gleich zwei Singwochen zur gleichen Zeit. Der bisherige Dirigent der Singwoche, Roger Widmer, hat beschlossen, seinen eigenen Event auf die Beine zu stellen. Der Chorverband Zürcher Oberland ist alles andere als erfreut.

Dario
Aeberli
Freitag, 12. Oktober 2018, 09:23 Uhr Intermezzo zwischen ehemaligen Dirigent und Chorverband

Am Samstag, 12. Oktober, findet in der reformierten Kirche Rüti das Abschlusskonzert der aktuellen «Singwoche» statt. Diese organisiert der Chorverband Zürich Oberland schon seit 22 Jahren. Doch dieses Mal sorgte eine interne Meinungsverschiedenheit zwischen dem Vorstand des Chorverbands und dem bisherigen Dirigenten im Vorfeld für Ärger. Der Vorstand und der Dirigent Roger Widmer waren sich nicht einig, wie sich die Singwoche weiterentwickeln sollte.

«Es gab keine Diskussion, Roger Widmer hat uns einfach vor vollendete Tatsachen gestellt.» 

Paul Lienhard, Präsident des Zürcher Oberländer Chorverbands

Zu «elitär» sei der Event geworden, sagt das Vorstandsmitglied des Chorverbands Beat Gygi. «Der Anspruch muss sein, dass das Schlusskonzert möglichst in originaler Orchesterbesetzung durchgeführt werden kann», sagt Widmer. Dafür bräuchte er mehr Leute, als der Chorverband im Vorfeld genehmigt hatte. Auf einen gemeinsamen Nenner konnten sich die beiden Parteien nicht mehr einigen. So macht diese Woche jeder seine eigene Chor- respektive Singwoche.

Der Dirigent Roger Widmer leitet seit diesem Jahr seine eigene Chorwoche.
PD

Den Veranstaltungsort geklaut
Ganz schön «suur» sei Gygi gewesen, als er erfuhr, dass Widmer dem Chorverband die «alte Turnhalle» in Wetzikon sowie die Kirche Hinwil weggeschnappt hatte, in denen die letzten zwei Ausgaben der Singwoche stattgefunden haben. Der Chorverband singt deshalb in der reformierten Kirche Rüti. Gemäss Widmer habe er dem Chorverband an der Delegiertenversammlung im November vorgeschlagen, die Chorwoche, die er in den letzten sechs Jahren aufgebaut habe, in eigener Verantwortung durchzuführen.

«Offenbar gibt es eine grosse Nachfrage für meine Art der Chorwoche.»

Roger Widmer, Organisator der Chorwoche

Darüber hinaus habe er dem Chorverband angeboten, bei der Entwicklung einer neuen Art von Singwoche zu helfen, was der Chorverband abgelehnt habe. Kurz darauf hat Widmer die alte Turnhalle für seinen eigenen Event reserviert. Lienhard hat das anders in Erinnerung: «Es gab keine Diskussion, Roger Widmer hat uns einfach vor vollendete Tatsachen gestellt.» 
 

Unterschiedliche Vorstellungen
Paul Lienhard, Präsident des Chorverbands, nennt die Situation mit zwei Chor- respektive Singwochen zur gleichen Zeit «unschön». Die Singwoche sei ein selbsttragender Anlass, mit einem klar definierten Budget. Das liess sich mit den grossen Plänen von Widmer nicht mehr vereinbaren. «Er wollte teure Orchesterleute organisieren, damit er das Schlusskonzert grösser, in originaler Orchesterbesetzung durchführen könnte», sagt Gygi. Das sei aber nicht Sinn und Zweck der Singwoche gewesen.

An der Singwoche sollten Mitglieder von kleineren Frauen- und Männerchören aus der Region ein Chorwerk einstudieren und am Ende der Woche mit Orchester und Solisten aufführen können. Doch vielen Chorverbandsmit­gliedern seien die Konzerte und einstudierten Lieder von Dirigent Roger Widmer zu elitär geworden, sagt Gygi. 
 

Dirigent Martin Kuttruff und der Chorverband Zürcher Oberland mussten für ihre Proben ins Amtshaus Rüti ausweichen.
PD

Dass sich immer weniger Sängerinnen und Sänger von den kleineren Chören des Chorverbands für seine Vorbereitungskurse angemeldet haben, hatte auch der Dirigent bemerkt. «Bei der letzten Singwoche bestand der Schlusschor aus über Hundert Personen, davon waren aber nur noch etwa fünf Mitglieder des Chorverbands dabei.»

Von Anfang spürte Roger Widmer, dass er nicht den vollen Rückhalt des Vorstands genoss. Einzig Paul Lienhard sei immer hinter ihm gestanden. Für die Leute, die sich jeweils für Widmers Kurse angemeldet haben, sei die Singwoche inklusive Abschlusskonzert jeweils eine tolle Erfahrung gewesen, so Widmer. Die Sängerinnen und Sänger hätten hohe Ansprüche an sich selbst gehabt und seien top vorbereitet in den Kursen erschienen. 
 

Dirigent Martin Kuttruff wurde als Nachfolger von Roger Widmer engagiert.
PD

Keine Konkurrenten
Neben einem neuen Veranstaltungsort musste der Chorverband auch einen neuen Dirigenten suchen. «Mit Martin Kuttruff vom Männerchor Pfäffikon haben wir einen kompetenten Ersatz gefunden», sagt Lienhard. Dieses Jahr  bestünde das Programm aus bekannten Liedern der Kirchenmusik und sei für Laiensänger ein­facher zu lernen. «Es wird aber ­sicher nicht alles komplett anders, vielleicht gibt es dann nächstes Jahr ein paar Neuerungen», sagt Lienhard.

Der Chorverband anerkenne die musikalische Leistung Widmers, «kann aber sein Vorgehen nicht akzeptieren» so Lienhard. Beat Gygi findet es ausserdem schade, «dass er so viel von uns übernommen hat und von unseren 21 Jahren Vorarbeit profitieren konnte». Die Veranstaltung von Widmer sieht der Chorverband nicht als Konkurrenz, sondern mehr als Beweis dafür, dass das Bedürfnis nach Chor- und Orchestermusik in der Region gross sei. Es gelte nun, den Bedürfnissen der Laiensänger wieder gerechter zu werden. 
 

Kuttruff und der Chorverband möchten sich wieder mehr auf die Bedürfnisse der Laiensänger konzentrieren.
PD

Dirigent Widmer ist nicht nachtragend. «Die ganze Diskussion 
ist ein wenig aus dem Ruder ge­laufen», sagt er. Grundsätzlich sei es doch toll, dass es im Zürcher Oberland Platz für zwei Singwochen nebeneinander habe. Beide Anlässe hätten ihr Berechtigung.

Bei seiner Chorwoche habe er 105 Anmeldungen erhalten, mehr als in seinen gesamten sechs Jahren bei der Singwoche des Chorverbands. «Offenbar gibt es eine grosse Nachfrage für meine Art der Chorwoche», sagt Widmer. 

Kommentar schreiben

Kommentar senden