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Zu wenig Identifikation mit dem Fussballverein?

Nachfolge-Probleme beim FC Maur

Zu wenig Identifikation mit dem Fussballverein?

Der Präsident des FC Maur tritt ab. Lange wollte niemand sein Amt übernehmen. Der Frust darüber, dass die Bevölkerung vor zwei Jahren eine bessere Fussball-Infrastruktur auf dem Looren-Areal ablehnte, sitzt offenbar tief. Nun hat die langwierige Suche doch noch ein glimpfliches Ende gefunden.

Laura
Cassani
Donnerstag, 11. Oktober 2018, 11:44 Uhr Nachfolge-Probleme beim FC Maur
Torsten Magewski (links) gibt sein Amt als Präsident des FC Maur ab – Kurt Plattner packte die Nachfolgesuche mit Elan an.
Nathalie Guinand

Das Inserat in der Maurmer Post Ende August war der letzte Strohhalm, an den sich der FC Maur geklammert hatte: Der Fussballclub suchte auf diesem Weg einen neuen Präsidenten oder eine neue Präsidentin. Bereits im Sommer 2017 war klar geworden, dass der bisherige Präsident Torsten Magewski nach neun Jahren nicht mehr weitermachen wollte und konnte.

«Neun Jahre sind einfach eine lange Zeit.»

Torsten Magewski, Präsident FC Maur

«Ich war sehr gerne Präsident. Doch ich bin an den Punkt gekommen, an dem ich den Verein nicht mehr weiterbringen kann», sagt Magewski. Er sei etwas ausgelaugt. Dass die Bevölkerung vor zwei Jahren das Projekt für ein neues Kunstrasenfeld und ein Vereinshaus auf dem Looren-Areal abgelehnt hatte, sei «niederschmetternd» gewesen, sagt der noch amtierende Präsident. Aber das war nicht der alleinige Grund für seinen Rücktritt: Neun Jahre seien einfach eine lange Zeit, er freue sich nun auf das Leben danach. «Doch das Loslassen ist auch mit Wehmut verbunden.»

«Das Konstrukt funktionierte nicht»

Woran liegt es, dass niemand an die Spitze des Fussballclubs will? Es sei in den letzten Jahren immer schwieriger geworden, Leute für Freiwilligenarbeit begeistern zu können, sagt Juniorentrainer Kurt Plattner, der die Findungskommission für das Präsidium leitet. «Auch wenn es sich beim Präsidium um durchschnittlich nur etwa zwei Stunden Arbeit pro Woche handelt.» Magewski pflichtet ihm bei: «Wenn ich jemanden fragte, ob er den Job übernehmen will, war die reflexartige Antwort immer: Keine Zeit!» Ein Phänomen, mit dem viele Vereine in der Region zu kämpfen haben.

«Das Konstrukt des Vereins funktionierte nicht richtig.»

Kurt Plattner, Trainer FC Maur

Offenbar war im Verein zudem seit Längerem spürbar, dass Torsten Magewskis Kräfte nachliessen. «Es lastete viel auf den Schultern von wenigen Einzelpersonen», sagt Plattner. Es gebe zwar kein böses Blut im FC Maur. «Das Konstrukt des Vereins funktionierte aber nicht richtig, oft gab es deshalb Hauruck-Übungen.» Trainer Plattner gibt zu verstehen, dass durch diese Konstellation wohl die Identifikation der Mitglieder mit ihrem Fussballverein gelitten hat – so stark vielleicht, dass sich niemand mehr richtig ins Zeug legen wollte. Zudem sei die Kommunikation nicht mehr reibungslos gelaufen – auch gegen aussen nicht. Torsten Magewski möchte zu diesen vereinsinternen Angelegenheiten öffentlich nicht Stellung nehmen.

Eine Identifikation mit dem Verein werde zusätzlich erschwert durch die Situation auf der Schul- und Sportanlage Looren, sagt Plattner. Die Infrastruktur sei «beschämend» – zum Beispiel steht kein Clubhaus zur Verfügung, und der jetzige Rasen ist bei Regen nicht bespielbar. In den nächsten Jahren prägt nun auch noch die Riesenbaustelle rund um das Schulhaus Looren die Umgebung: Das Teilprojekt für den Schulhaus-Ausbau war als einziges 2016 von der Bevölkerung gutgeheissen worden.

«Der Platz hat eine gute Lage»

Das Inserat in der Maurmer Post löste das Nachfolge-Problem des Fussballvereins nicht. «Es war tragisch», sagt Plattner. «Dabei ist der Fussball – oder Sport ganz allgemein – doch etwas sehr Wichtiges in einer Gemeinde wie Maur. Bei uns spielen fast 300 Kinder.» Jetzt wird Plattner selber Präsident des FC Maur. Gezwungenermassen. Er stellt sich zusammen mit einem erneuerten Vorstand an der Vereinsversammlung Ende Oktober zur Wahl – wohl ohne Konkurrenz. Offenbar reizt es den Juniorentrainer nach seiner vergeblichen Präsidenten-Suche nun doch, selbst etwas zu bewegen.

«Jetzt muss der Platz zu einem Ort werden, an dem man gerne ist.»

Kurt Plattner, Trainer FC Maur

Er wolle als neuer Präsident das Gespräch mit dem Gemeinderat suchen, um eine Lösung für die Zukunft des Sportplatzes zu finden. «Ich kann mir gut eine einfachere Variante vorstellen als diejenige, die abgelehnt wurde.» Spätestens, wenn das Schulhaus fertig gebaut sei, müsse sich auch für den FC Maur etwas ändern. «Der Platz hat eine gute Lage», betont Plattner. «Jetzt muss er zu einem Ort werden, an dem man gerne ist.»

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