×

Bekommt Kyburg eine Handyantenne?

Löcher im lokalen Mobilfunknetz

Bekommt Kyburg eine Handyantenne?

Swisscom sucht nach neuen Mobilfunkstandorten – und hat eine schriftliche Anfrage an die Gemeinde Kyburg geschickt. Zwar ist unklar, welche Art von Anlage sie dort hinstellen wollen würden. Aber unter den Dorfbewohner hat sich schon Widerstand gebildet.

Donnerstag, 04. Oktober 2018, 16:05 Uhr Löcher im lokalen Mobilfunknetz
«Es gibt ein Bedürfnis für Strahlungsarmezonen», sagt Susanne Baumann, die rund 15 Meter von der Kirche entfernt wohnt.

«Ich verspüre eine grosse Skepsis unter den Dorfbewohnern», sagt Emil Zehnder, Präsident der Kirchenpflege Kyburg. «Eine, die sich sofort nach der Anfrage von Swisscom, eine Mobilfunkantenne in den Turm der Kirche zu installieren, gebildet hat.» Die Telekommunikationsfirma habe vor einigen Wochen einen Brief an die Gemeinde Illnau-Effretikon geschickt.

«Nachdem diese wegen verschiedener Anfragen seitens Einwohnern und Erfahrungen bezüglich schlechter Verbindungen eine Anfrage an Swisscom platziert hatte», sagt Stadtschreiber Peter Wettstein. Denn sie wolle dort eine Anlage bauen. Welche Art bleibe unklar. Doch alleine die Idee, sagt Zehnder, gefalle schon den Wenigsten und stosse vermehrt auf Widerstand.

Gerechtfertigter Weise?

«Die Frage, wie gefährlich Mobilfunkstrahlung ist, ist nicht abschliessend geklärt», sagt Zehnder. Einige Studien würden darauf hinweisen, dass die tägliche Bestrahlung durch nichtionisierende elektromagnetische Wellen, wie sie Handys und Mobilfunkantennen aussenden, nicht so harmlos ist, wie viele glauben. «Deswegen gibt es in der Bevölkerung ein Bedürfnis für Information, bevor irgendetwas entschieden wird.»

Doch der Zugang zu dieser Information ist derzeit begrenzt. Die Mediensprecherin für Swisscom, Sabrina Hubacher, zeigt sich zurückhaltend: «Swisscom ist immer auf der Suche nach neuen Mobilfunkstandorten um die Mobilfunkabdeckung zu verbessern und die Mobilfunkkapazität für die Kundinnen und Kunden zu erhöhen», sagte sie.

«In diesem Sinne finden auch Gespräche statt mit Grundeigentümern. Ein zusätzlicher Mobilfunkstandort, um die Region Kyburg besser mit Mobilfunk zu versorgen, ist im Gespräch. Es gibt aber noch keine konkreten Pläne, wie die Umsetzung erfolgen soll.» Es sei allerdings wichtig klarzustellen, dass es dabei um die mögliche Kapazitätserweiterung der bestehenden Mobilfunktechnologien gehe. Nicht, wie Gerüchten zufolge, um eine 5G-Antenne.

«Das Gerücht kommt nicht aus dem Nichts», sagt Emil Zehnder, Präsident der Kirchenpflege Kyburg. «Das eine 5G-Antenne in den Turm der Dorfkirche installiert wird, ist eine Variante, die die Swisscom vorgeschlagen hat.» Und obwohl derzeit kein konkretes Umsetzungs-Projekt bevorstehe, beschäftigt sich die Gemeinde Kyburg sehr damit. «Es ist wichtig, schon im Voraus zu überlegen, welche Auswirkungen ein solches Projekt auf das Dorf und die Bewohner haben würde», sagt Zehnder.

Gelegenheit zum Dialog

Am 25. Oktober findet um 19 Uhr eine Informationsveranstaltung statt, an der auch ein Vertreter der Swisscom sowie einer der gegnerischen Seite anwesend sein wird. Damit soll die Bevölkerung mit in die Diskussion einbezogen werden. «Erst nachdem die Dorfbewohner die Möglichkeit bekommen haben, ihre Meinungen zu sagen und dem Projekt zuzustimmen oder nicht, entscheiden wir, wie wir weiter vorgehen werden», sagt Zehnder. Die Veranstaltung sei eine wichtige Gelegenheit zum Dialog.

Dort will auch Susanne Baumann auf jeden Fall das Wort ergreifen. Sie wohnt in Kyburg, rund 15 Meter von der reformierten Kirche entfernt und steht dem Ganzen kritisch gegenüber.  «Ich habe mich in das Thema eingearbeitet und anfangen einen Newsletter zu schreiben, der die Leute in regelmässigen Abständen über den neuesten Stand der Dinge informiert.» Er erscheint bald zum dritten Mal.

Die Unternehmerin weiss, dass es einige Leute in der Umgebung gibt, die keinen Mobilfunkstandort wollen. «Es gibt ein Bedürfnis für Strahlungsarmezonen», sagt sie. Manche seien gerade deswegen nach Kyburg gezogen. «Die nächsten beiden stehen in Brünggen und Sennhof, also rund 1,5 Kilometer entfernt.» Grund dafür sei, der Fakt, dass die Nutzung der Mobilfunktechnologie rasant zunimmt.  «Dank der tausenden von Basisstationen in der Schweiz – etwa 18‘000 – kann man heute praktisch überall mit dem Handy telefonieren und Daten herunterladen», sagt sie.

Es sei eine Lösung gefragt, die nicht dem Extrem entspricht. «Es kann nicht sein, dass es alle 100 Meter einen Mobilfunkstrandort gibt. Oder gar keinen», sagt Baumann. Beide diese Varianten seien nicht empfehlenswert. «Das Beste wäre die Entwicklung einer neuen Technologie, die nicht gesundheitsschädlich ist.» Doch das könne dauern – und bis dahin müssen Leute die jetzige Technologie mit Vernunft nutzen.

Zwar gelten in der Schweiz für Orte, wo sich Menschen für längere Zeit aufhalten, zehnmal niedrigere Grenzwerte als diejenigen für die maximal zulässige Sendeleistung, die in den Empfehlungen der Internationalen Kommission für den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (ICNIRP) festgehalten sind. Aber diese Grenzwerte gelten nur für ortsfeste Anlagen. Für Handys, WLAN-Router und andere mobile Quellen nichtionisierender Strahlung existieren keine gesetzlichen Limits. Es liegt an den Herstellern, die Richtlinien der ICNIRP zu folgen.

Nutzung der Mobilfunktechnologie nimmt zu

Allein zwischen 2010 und 2012 hatte sich die Zahl der registrieren Handys in der Schweiz von 4,6 Million auf 10,6 Millionen mehr als verdoppelt. 3100 Antennenstandorte gab es im Jahr 2000, 10‘500 waren es 2012. Um die starke Nachfrage nach Übertragungskapazität zu befriedigen sind die Anzahl der Antennen und die Grenzwerte für deren Sendeleistungen erhöht worden.

Kommentar schreiben

Kommentar senden

Die Technologie ist eigentlich da, nur keiner der Hersteller für GSM Technologien setzen sie ein. WakeOnSignal. Die Funkzelle ist wenn sie nicht gebraucht wird praktisch tot, kommt aber eine Anfrage eines Mobilgerätes geht sie auf Sendung. Funkamateure setzen diese Technik bei digitalem und analogen Funkverkehr seit Jahrzehnten ein. GSM ist ein veralteter Standart. Für Kyburg würde ich 2-3 Minizellen mit max 5Watt einsetzen. Swisscom/Sunrise/Salt sollten diese gemeinsam nutzen. Gemäss NIS-Verordnung würde dann bei der Dame naben der Kirche eine sehr sehr kleine Strahlenbelastung wie bei Ihrem Haustelefon entstehen. Aber dafür bräuchte es ausgebildete Leute die die Swisscom aufgrund ihres Sparwahns nicht mehr hat. WLanCall ginge über ein öffentliches WLan auch. Ideen sind viele bei den Funkamateuren vorhanden, nur nicht bei den Mobilfunkanbietern