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Letzte Ausstellung im Töpferhaus Seuzach

Eine Töpfer-Ära geht zu Ende

Mit einer Abschlussausstellung verabschiedet sich Elisabeth Deinböck endgültig von ihrem Töpferhaus in Seuzach. Die Handwerkerin blickt mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf die letzten 45 Jahre zurück.

Tanja
Altenburger
Dienstag, 02. Oktober 2018, 16:29 Uhr Letzte Ausstellung im Töpferhaus Seuzach

«Ein positiver Abschied.» So beschreibt Elisabeth Deinböck die Abschlussausstellung im Töpferhaus Seuzach. Die gebürtige Winterthurerin präsentiert zusammen mit anderen Ausstellerinnen ab dem 6. Oktober zum letzten Mal ihre Werke. Dazu gehören unter anderem Bronze-Katzen der Handwerkerin oder originelle Katzenbilder von Gisela Buomberger. Danach wird das Töpferhaus endgültig geschlossen – nach über 40 Jahren.

Elisabeth Deinböck und ihr Mann Edmund lebten 45 Jahre lang in den oberen Stockwerken ihrer Töpferei, zu der im Laufe der Jahre eine Boutique hinzugekommen war. Bereits Anfang 2017 wurde der Laden geschlossen und das Haus verkauft. Da der neue Besitzer bisher noch keine Umbauten getätigt hat, fragte die Keramikerin an, ob sie das Haus nochmals zwischennutzen dürfte: «Wir sollten noch etwas Freude daran haben, anstatt es leer stehen zu lassen.»

Viele schöne Erinnerungen

Die Arbeit mit Haus und Garten sei dem Ehepaar nach all den Jahren zu viel geworden. «Es tat anfangs schon sehr weh, das alles aufzugeben», erzählt Elisabeth Deinböck. Mit dem Haus seien viele schöne Erinnerungen verbunden: «Wir hatten ein tolles Leben hier drin.» Über die Jahre sei die Boutique zur Anlaufstelle für viele Seuzemer Frauen geworden.

«Es war schon immer unser Traum, eigene Ideen umzusetzen.»

Elisabeth Deinböck, Besitzerin des Töpferhauses Seuzach

Ihr Haus bedeutete nicht nur Heimat für die Keramikerin, sondern auch Freiheit. Der Schritt in die Selbstständigkeit im eigenen Heim hat dem Ehepaar mitunter mehr Zeit mit den Kindern ermöglicht. «Früher war es unüblich, dass beide Elternteile gearbeitet haben.» Der Nachwuchs habe bereits in jungen Jahren in der Töpferei mitmodellieren dürfen. Zudem konnte das Ehepaar auf lange Arbeitswege verzichten und sich die Stunden freier einteilen. «Als Angestellte hatte man es in diesem Beruf nicht leicht. Es war schon immer unser Traum, eigene Ideen umzusetzen.»

Geschäft nicht mehr so lebendig

Ihre Leidenschaft für Handwerkliches hat Elisabeth Deinböck schon früh entdeckt. Bereits als Kind habe sie gerne geformt. «Eine Arbeit von Anfang bis Ende in den eigenen Händen zu halten ist unbezahlbar.» Als junge Frau in einer Männerdomäne war sie damals eine Ausnahme. Das sei heute anders.

Die ehemalige Töpferei werde gemäss Elisabeth Deinböck bald zu einem Mehrfamilienhaus umgebaut. Ein offizielles Baugesuch liege zurzeit allerdings nicht vor, so Gemeindeschreiber Beat Meier. Ursprünglich hätte eine Denner-Filiale im Gebäude einziehen sollen. Diese wird gemäss Meier nicht realisiert. Im Oktober letzten Jahres hat ein Petitionskomitee 486 Unterschriften gegen den Einzug des Discounters gesammelt. Die Petenten befürchteten ein Verkehrschaos an der Stationsstrasse und empfanden einen Denner als «unnötig».

Der Wandel der Zeit hat jedoch nicht nur positive Seiten: «Das Geschäft war am Schluss nicht mehr so lebendig wie in der Anfangsphase. Die Nachfrage nach Handarbeit geht mehr und mehr zurück.» Es sei ein normaler Rückgang, den die Keramikerin zwar Schade findet, jedoch in der eignen Töpferei auch nicht gänzlich bedauerte: «Am Schluss waren wir froh, als es etwas ruhiger wurde.»

Elisabeth Deinböck steht nach der letzten Ausstellung ein neuer Lebensabschnitt bevor. «Durch meine Arbeit habe ich gelernt, offen auf Menschen zuzugehen. Ich denke das wird mir künftig sehr behilflich sein.»

Letzte Ausstellung: Samstag, 6. Oktober, 11-16 Uhr und jeweils Samstag/Sonntag, 7. - 28. Oktober, 14-17 Uhr Stationsstrasse 33 Seuzach

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