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Regierungsrat antwortet auf Wetziker Anfrage

Unfälle von Senioren nehmen zu

Der Wetziker Grüne-Kantonsrat Max Homberger äussert sich kritisch zum Gefahrenpotential autofahrender Senioren. Ein Blick auf die Statistik zeigt: Die Verurteilungen von Senioren wegen Strassenverkehrsdelikten nehmen zu.

Fabio
Lüdi
Mittwoch, 26. September 2018, 17:18 Uhr Regierungsrat antwortet auf Wetziker Anfrage
Die BfS-Statistik verzeichnet eine Zunahme bei Verurteilungen von Senioren wegen Strassenverkehrsdelikten.
Symbolfoto: Ernst Hilfiker

Am Wochenende fuhr ein 75-jähriger Autofahrer in die Gartenbeiz Sternen in Sternenberg und verletzte dabei eine Frau schwer (wir berichteten). Genau einen Monat zuvor hatte der Regierungsrat die Anfrage «Senioren auf den Strassen – Zeitbomben» vom Wetziker Kantonsrat Max Homberger (Grüne) abschlägig beantwortet.

Homberger wollte wissen, welche Massnahmen der Regierungsrat zu treffen gedenke, um die «Gefährdung von Leib und Leben» durch nicht mehr fahrtaugliche Senioren zu minimieren. Vom Regierungsrat hiess es, die Zuständigkeit für die Strassenverkehrsgesetzgebung liege ausschliesslich beim Bund.

Kritik an Führerausweisvergabe

Der 70-jährige Homberger griff in seiner Anfrage die Frage nach der Fahrtüchtigkeit von Autofahrern über 70 Jahren auf. So kritisierte er den Entscheid des Bundes von vor zwei Jahren, den Kantonen zu erlauben, eigentlich nicht mehr fahrtüchtigen Personen Führerausweise mit Beschränkungen auszustellen (siehe Box).

Führerausweise mit Beschränkung
Seit dem 1. Juli 2016 dürfen kantonale Behörden gemäss der Verkehrszulassungsverordnung den Führerausweis von Personen, welche die medizinischen  Mindestanforderungen zum Führen eines Fahrzeuges auch mit Hilfsmitteln nicht mehr vollständig erfüllen, beschränken, statt ihn ganz zu entziehen. Im Kanton Zürich sind heuer 43 solcher Führerausweise ausgestellt, davon fünf im Bezirk Hinwil, vier im Bezirk Uster und einer im Bezirk Pfäffikon. In 35 Fällen handle es sich dabei um Beschränkungen auf Fahrten bei Tageslicht, in neun Fällen um Beschränkungen auf Strassen ohne Autobahnen und in zwei Fällen um örtliche Beschränkungen, wie der Regierungsrat mitteilt.


Zudem monierte er die Anhebung des Alters für die medizinische Fahreignungsabklärung von 70 auf 75 Jahre, die die Bundesversammlung letztes Jahr billigte. «Mit Blick auf die Unfallstatistik ist dieser Entscheid unverständlich», sagt Homberger auf Nachfrage.

In seinem Anfrage-Text zitierte er die NZZ am Sonntag, die, gestützt auf eine Statistik des Bundesamts für Statistik (BfS), berichtete, dass schweizweit alleine letztes Jahr über 1'700 Autofahrer dieser Alterskategorie wegen Strassenverkehrsdelikten verurteilt wurden. Dies käme einer Verdopplung während der letzten 10 Jahre gleich.

«Bedenklicher Trend»

Dieser Trend sei bedenklich, schrieb Homberger, statistisch gesehen sei die kriminelle Energie der Altersgruppe der über 70-Jährigen auf den Strassen grösser als jene des Islamischen Staats (IS).

«Das meine ich natürlich in einem rein quantitativen Sinn», so Homberger. «Obwohl Terrororganisationen wie der IS ständig als zentrale Gefahr dargestellt und als Rechtfertigung herangezogen werden, zentrale Bürgerrechte auszuhebeln, ist deren Gefahrenpotential bei uns kleiner als jenes autofahrender Senioren.» Er ist dennoch mit der Antwort des Regierungsrats zufrieden, wie er betont. Der Unfall in Sternenberg verleihe seinem Anliegen deswegen auch keinen frischen Wind. «Der Unfall passt zwar ins Bild, aber es ist überhaupt nicht so, dass im bergigen Oberland ständig Senioren in Restaurants fahren.»

Gesamtverurteilungen haben kantonal abgenommen

Die BfS-Statistik zu den Verurteilungen im Rahme des Strassenverkehrsgesetzes beschränkt sich nicht nur auf nationale Zahlen, es werden auch die kantonalen Verurteilungen gelistet. So gab es im Kanton Zürich letztes Jahr mit 173 Fällen 86 Prozent mehr verurteilte über 70-Jährige als noch vor zehn Jahren mit 93 Fällen. Der kantonale Trend folgt hier dem nationalen.

Auf nationaler Ebene hat sich die Gesamtzahl der erwachsenen Verurteilten gegenüber 2008 allerdings im Promillebereich erhöht, während sie im Kanton Zürich um 12 Prozent abgenommen hat.

Mehr Verdikte ab Mitte 40

Zum Vergleich: In der punktuellen Gegenüberstellung von 2008 zu 2017 verzeichnet die Altersgruppe der 60- bis 69-Jährigen mit einer Zunahme von 24 Prozent das zweitgrösste Plus an Verurteilten. Am anderen Ende der Skala konnte die Gruppe der 40- bis 44-Jährigen ein Minus von 30 Prozent verzeichnen, gefolgt von den 20- bis 24-Jährigen mit einem Minus von 29 Prozent.

Das Bild bestätigt sich auch, wenn der kantonale Trend über die letzten zehn Jahre betrachtet wird (siehe Grafik). So steigt die Anzahl an Verurteilungen ab Mitte vierzig tendenziell an, darunter stagniert oder sinkt sie eher. Rein mengenmässig machen die jüngeren Fahrer allerdings noch immer das Gros an den Verurteilungszahlen aus.

 

 
 

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