×

«Es hat Rock, es hat Techno»

Seegräbner dirigiert Reformations-Musical

«Es hat Rock, es hat Techno»

Am 21. September wird in Uster das ein Musical zur Reformationin aufgeführt. Die musikalische Leitung hat der 23-jährige Seegräbner Demian Gander inne.

Redaktion
Züriost
Donnerstag, 20. September 2018, 15:57 Uhr Seegräbner dirigiert Reformations-Musical
Demian Grander ist Vollblutmusiker, aber nicht kompetitiv. Er dirigiet das Reformations-Musical.
Martina Gradmann

Wie sind Sie zum Reformationsmusical gekommen?
Demian Gander: Durch Benno Ledergerber, der die Gesamtleitung hat und meine Familie kennt, wurde ich auf das Projekt aufmerksam. Ich habe ihm signalisiert, dass ich es toll fände und mich auch gerne einbringen würde. Ich habe mich dann mit seinem Sohn Manuel Ledergerber, der die Musik geschrieben hat zusammengesetzt und als musikalischer Leiter das Werk erarbeitet und  umgesetzt.

Das Musical wird über mehrere Monate an verschiedenen Orten aufgeführt. Wie sind Sie vorgegangen?
Im Frühling 2017 habe ich Chorsänger gesucht, im Mai und Juni haben wir acht Proben gemacht und eine CD aufgenommen. Anfangs waren ja keine Aufführungen geplant. Ich fand dann, nur eine CD zu machen sei schade; machen wir doch noch ein Konzert. Das Produktionsteam hat herumgefragt, und daraus sind jetzt acht Aufführungen entstanden. Das hat anfangs niemand gewusst, aber das ist toll und hat mich jetzt ein bisschen länger begleitet. Zudem habe ich die Uraufführung in Zürich-Enge gleich zu meiner Bachelor Arbeit gemacht.

Für Sie steht vor allem die Musik im Zentrum. Was bedeutet Ihnen Reformation und Kirche?
Nicht so viel, ich bin zwar konfirmiert und religiös aufgewachsen, gehe aber vor allem in die Kirche, um Musik zu machen oder Konzerte zu hören. Sicher kenne ich das Thema der Reformation, aber nur deswegen hätte ich wohl kaum meinen Beitrag geleistet. Ich habe es als Chance gesehen, einen Chor zu leiten. Jetzt bin ich ein bisschen ins Thema hineingekommen und finde es ganz spannend.

Wird man als 23-Jähriger von erfahrenen Chorsängerinnen und –Sängern akzeptiert?
Davor hatte ich anfangs schon ein bisschen Angst, ich habe bisher keinen Chor geleitet.  Aber eigentlich war das nie ein Problem. Einerseits weil ich musikalisch kompetent bin (Anm. d. Red. Neben seiner Musikausbildung besitzt Demian Gander das absolute Musikgehör) und andererseits weil es ein ad hoc Chor ist, alle Freude hatten, sich freiwillig gemeldet und sofort mitgemacht hatten. So ist es nicht wie bei einem Schulchor, wo man oft auch als Motivator und Erzieher funktionieren muss und man als junger, unerfahrener Lehrer die Autorität verlieren kann. Das war bei unserem Chor nie das Thema. Ich habe mich aber auch vorbereitet und sie gefordert.

«In der Kirche ist die Akustik ganz anders.»

Demian Gander

Ist ein Muscial eine gute Form, das Thema Reformation durchzubringen?
Ich finde es ganz geschickt gemacht. Wenn man das ganz klassisch aufführen würde, hätte man wohl wieder «nur» das Ü70-Publikum und das ist hier sicher nicht der Fall. Das Musical hat Witz, es hat Choräle, die modern gesetzt sind, es hat Rock, es hat Techno, ist stilistisch also ganz gemischt. Und weil mehrere junge Leute mitmachen, kommt auch ein jüngeres Publikum. Es kommt sehr gut an, wir haben meist volle Säle und viel Applaus, was ich so auch nicht erwartet habe.

Die Aufführung in Uster ist für dich als Seegräbner ein Heimspiel. Nervös?
Nicht wirklich. Vielmehr spüre ich Vorfreude auf viele mir bekannte Gesichter im Publikum. Ich bin vor allem nervös, weil wir das Stück in der Kirche und nicht im Kirchgemeindesaal aufführen. In der Kirche ist die Akustik ganz anders, zudem steht dort der Taufstein in der Mitt. Das wird also als Bühne ganz anders als bisher, was aber auch spannend ist.

Wie muss die Akustik denn sein?
Eigentlich ist die Akustik in einer Kirche gut, es klingt sehr. Aber es besteht auch die Gefahr des Halls, weil wir alles mit Mikrofonen machen. Von früheren Konzerten mit der Schule oder der Mitternachtsmesse habe ich in Erinnerung, dass die Kirche eine tolle Atmosphäre bietet. Das wird aber sicher eine Herausforderung.

«Ich werde kaum 40 Jahre nur unterrichten wollen.»

Was sind Ihre weiteren beruflichen Ziele?
Ich habe einen Bachelor auf Klavier mit Schwerpunkt auf Schulmusik und Dirigieren. Das ist ein eher komplizierter Titel. Ich habe also jetzt drei Jahre Chorleitung gemacht, Klavier und Gesang. Nächste Woche fange ich mit dem Master Schulmusik 1 und 2 an, das ist die dreijährige Ausbildung zum Gymnasiallehrer, die ich auch in Luzern absolviere. Ich werde aber kaum 40 Jahre lang nur unterrichten wollen, sondern werde auch noch den Master in Orchesterleitung machen. Wenn ich jetzt eine gute musikalische Schulung absolviere, hätte ich nicht nur die Erfahrung als Chorleiter, sondern auch die als Orchesterleiter. Ich spiele schon länger Geige als Klavier, deshalb habe ich schon die Verbindung zum Orchester. Und sicher träume ich davon, vielleicht einmal auf einer internationalen Bühne mit  tollen Musikern zu stehen.

Als Dirigent wie Karajan?
Er ist sicher ein Vorbild, aber als Schweizer ist es schwierig. In der Musik ist die Konkurrenz aus dem Osten enorm, vor allem bei Geige oder Klaviersolisten. Ich bin auch nicht einer, der acht Stunden am Tag übt. Mir sind die sozialen Kontakte wichtig, deshalb stehe ich gerne an der Front mit den Schülern oder mit einem Chor. Ich habe zuhause auch viel geübt, gefördert von meiner Mutter weil sie gesehen hat, dass ich Talent habe. Ich habe es nicht immer gern gemacht, aber im Nachhinein betrachtet war das schon gut. Ich musste nie vier Stunden, aber sicher eine Stunde üben und mache es immer noch gerne. Ich übe auch heute noch mehr als der Durchschnittsmensch, aber ich bin sicher nicht einer dieser ehrgeizigen Musiker, die glauben, sich ständig zeigen und beweisen zu müssen. Das ist nicht meine Mentalität, man kann auch aus Freude professionell Musik machen und nicht nur wegen der Wettbewerbe. Ich hatte immer Freude an der Musik und möchte das den Kindern vermitteln.

Was erwarten Sie von der Aufführung in Uster?
Ich hoffe auf ein tolles Publikum, das gut mitmacht. Und ich hoffe, dass wir die Kirche füllen werden. Ich wünsche mir, dass alle mit einem Lachen und dem einen oder anderen Gedanken über dieses witzige, aber auch tiefgründige Stück nach Hause gehen. (Martina Gradmann)

«Der letzte Stich» – das Reformationsmusical

Bei «Der letzte Stich» geht es um die Reformationsbotschaft und darüber, wie Luther, Calvin und Zwingli bei einer Jass Partie im Himmel darüber rätseln, wie man diese den Menschen in der heutigen Zeit wieder vermitteln könne. Das heitere und gleichzeitig tiefernste Musical wurde von dem reformierten Pfarrer Achim Kuhn geschrieben und die Musik dazu stammt aus der Feder des katholischen, 20-jährigen Manuel Ledergerber. Die musikalische Leitung des Projekt-Chores liegt bei Demian Gander aus Seegräben. Das Musical ist offizieller Teil der Reformationskampagne der Reformierten Landeskirche Zürich.

Freitag, 21. September 2018, 20 Uhr, Reformierte Kirche Uster – www.reformationsmusical.ch

 

Kommentar schreiben

Kommentar senden