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Ein todernstes Thema mit Live-Charakter inszeniert

Saisonstart im Kellertheater Winterthur

Ein todernstes Thema mit Live-Charakter inszeniert

Die Spielzeit im Kellertheater Winterthur beginnt mit einem todernsten Thema. «All das Schöne» handelt von Depressionen und den Folgen für Betroffene und deren Umfeld. Kelllertheaterleiterin Doris Strütt spielt darin gleich selbst mit. Ihr Bühnenpartner ist das Publikum.

Tina
Schöni
Mittwoch, 19. September 2018, 10:48 Uhr Saisonstart im Kellertheater Winterthur

Wie reagiert man als Kind auf einen Selbstmordversuch seiner Mutter? Zum Beispiel indem man versucht, ihre Depressionen zu stoppen. Oder man macht die Mutter mittels einer Liste auf eine Million schöne Dinge des Lebens aufmerksam.

In diese Geschichte des britischen Autors Duncan Macmillan taucht Doris Strütt, Leiterin des Kellertheaters Winterthur, zur Saisoneröffnung ihres Kulturhauses ein. «All das Schöne» heisst das Stück, welches am 22. September nicht nur im Kellertheater, sondern schweizweit Premiere feiert.

Duncan Macmillan setzt sich darin mit dem Thema Depression auseinander und beleuchtet die Folgen dieser Krankheit für die Betroffenen und deren Umfeld. Doch letztlich steht in der Inszenierung nicht die Tragik, sondern die positive Kraft im Vordergrund, mit der man dieser düsteren Krankheit entgegensetzen kann.

Weg vom Guckkastentheater

Stücke, die gesellschaftsrelevante Themen aufgreifen, finden im Kellertheater Winterthur in der Marktgasse seit jeher ihren Platz. Bei «All das Schöne» dürfte man aber betreffend der Umsetzung überrascht werden, da das Stück nicht in gewohnt klassischer Art inszeniert wird.

«Das Stück erhält einen wirklichen Live-Charakter.»

Doris Strütt, Leiterin Kellertheater Winterthur

Das Publikum soll nicht nur passiver Beobachter sein, sondern zum Mitdenken und Mitfühlen verleitet werden. Das haben sich Doris Strütt und Regisseurin Johanna Zielinski bei dieser Produktion zum Ziel gesetzt. Die Leiterin des Kellertheaters präzisiert: «Wir wollen weg vom Guckkastentheater. Stattdessen versuchen wir die Zuschauerinnen und Zuschauer in die Geschichte miteinzubeziehen. So erhält das Stück einen wirklichen Live-Charakter.»

Doris Strütt ist in dieser Theaterproduktion die einzige Darstellerin. Ihren Bühnenpartner – das Publikum – kennt sie (noch) nicht. Ob das nicht ein Wagnis ist? «Nein, ich habe mit solchen neuen Theaterformen gute Erfahrungen gemacht. Ausserdem macht es die ganze Sache aufregender», ist die Winterthurerin überzeugt. Jede Vorstellung werde zu einem einmaligen Erlebnis. Und genau darum geht es ihr auch: «Wir wollen eine lockere Atmosphäre schaffen, wo das Publikum nicht nur stumm dasitzt und zuhört, sondern Teil der Geschichte wird.»

Sprung ins kalte Wasser

2011 übernahm Doris Strütt mit Udo van Ooyen die Leitung des 1972 gegründeten Kellertheaters. Damals sprang die ausgebildete Schauspielerin ins kalte Wasser. Erfahrungen mit einer solchen Aufgabe und Verantwortung hatte sie noch nicht. Zu zweit bauten sie das Programm und die Infrastruktur aus, erreichten damit kontinuierlich einen grösseren Mitgliederstamm und konnten das Kellertheater durch die Vernetzung mit anderen Theatern und freien Theatergruppen auch überregional etablieren.

Die inhaltliche Ausrichtung der Darbietungen wurde beibehalten. «Auch in der neuen Spielzeit zeigen wir zeitgenössische Stücke, die unterhalten und berühren», sagt Doris Strütt. Auf dem Programm steht nebst «All das Schöne» neu auch eine Produktion aus der Kleinkunst mit dem Titel «Hang up» von Les Diptik, das Gastspiel «Sworn Virgin», zwei Eigenproduktionen mit den Titeln «die toten Tiere» und «Für Isabel», «Findling» sowie das Mundart-Stück «Marie und Robert», das als Freilichttheater im Innenhof des Alterszentrums Neumarkt aufgeführt wird. «Das ist eine weitere Premiere für das Kellertheater, auf die wir sehr gespannt sind», sagt die Winterthurerin. Hinzu kommen zahlreiche Extras wie Konzerte, Flamenco, Begegnungen mit Autoren in der Reihe Wortort sowie ein Kurzgastspiel des sogar-Theaters Zürich.

«All das Schöne»
Das Stück von Duncan Macmillan beleuchtet zwar ein todernstes Thema, ist aber letztlich eine Feier des Lebens. Gezeigt wird «All das Schöne» ab Samstag, 22. September, 20 Uhr im Kellertheater Winterthur. Mehr zu den Vorstellungsdaten unter www.kellertheater-winterthur.ch

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