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«Ich träumte davon, Clown zu sein»

Roger Joss mit neuem Programm in Winterthur

«Ich träumte davon, Clown zu sein»

Als Kind träumte Roger Joss vom Clownsein. Heute hat der in Winterthur geborene 30-Jahre Manegen-Erfahrung. Zum Erfolg verholfen haben ihm auch Fähigkeiten, die er als Goalie und als Hochbauzeichner erwarb. Am 14. September tritt er mit neuem Programm im Rathausdurchgang auf.

Tina
Schöni
Dienstag, 11. September 2018, 12:15 Uhr Roger Joss mit neuem Programm in Winterthur

Ein Zirkusbesuch in Winterthur hat den damals vierjährigen Roger Joss nachhaltig geprägt. Der Schweizer Clown und Hochseilartist Pio Nock weckte sein Interesse und den Wunsch, selbst ein Clown zu sein – und zwar für immer und ewig.

Heute, 51 Jahre später, ist Roger Joss ein Profi in seinem Gebiet. Mit roter Stupsnase, übergrossen Hosen, Akrobatik- und Jonglage-Einlagen brachte er in dreissig Jahren so manch ein Publikum zum Lachen. Mit dem Circus Royal war er in der Schweiz, dem Nationalzirkus Elfi Althoff-Jacobi in Österreich, dem Zirkus Krone in Deutschland und dem Zirkus Agora in Norwegen auf Tournee.

«Sie tätschelten mir auf die Schulter und sagten ‹Du wirst schon noch erwachsen›.»

Roger Joss, Clown

Am Freitag, 14. September, kehrt er zurück zu seinen Wurzeln. Sein neues abendfüllendes Programm «und sein kleines bisschen Glück» zeigt er im Rathausdurchgang in Winterthur, seiner Geburts- und Heimatstadt.

«Du wirst schon noch erwachsen»

In Winterthur wuchs Roger Joss auf, besuchte die Schule, spielte Fussball und schrieb seine ersten Programme. Was aus ihm einmal werden sollte, wusste er damals schon. Roger Joss erzählt: «Meine Klassenkameraden wollten Polizist oder Pilot werden, ich träumte davon, Clown zu sein. Das konnte nicht jeder verstehen.»
Auch seine Eltern waren von diesem Berufswunsch nicht begeistert. «Sie tätschelten mir auf die Schulter und sagten ‹Du wirst schon noch erwachsen›», erzählt er und verzieht seine Mundwinkel zu einem Grinsen. «Das bin ich aber bis heute nicht geworden.»

Das Clownsein sei ihm quasi in die Wiege gelegt worden. «Leute unterhalten und sie zum Lachen bringen gehörten zu den Dingen, die ich immer schon gut konnte.»

Artistik durch Fussball erlernt

Bevor seine Laufbahn als ausgebildeter Clown jedoch begann, absolvierte Roger Joss in der Eulachstadt eine Lehre als Hochbauzeichner. Es war ein Wunsch seiner Eltern. «Ich sollte erst einen anständigen Beruf lernen», erklärt Roger Joss. Unglücklich war er mit diesem Rat nicht. Heute sagt er gar, dass diese Ausbildung ihm in seinem Künstlerdasein in vielerlei Hinsicht hilfreich ist. «Eine detailgetreue Planung und ein gutes Vorstellungsvermögen sind in beiden Jobs wichtig. Dass ich das gelernt habe, kommt mit jetzt zugute.» Als Hochbauzeichner hat er auch grafische Dinge umsetzen müssen. Dank dieser Erfahrungen habe er später selber Werbemassnahmen für Auftritte und Tourneen kostengünstig realisieren können.

Auch im Fussball eignete sich Roger Joss als Teenager nützliche Fähigkeiten an. Als Goalie sollte er mit drei Bällen seine Handmuskulatur trainieren. Beim Üben entwickelte er allerdings nicht nur ein besseres Ballgefühl, sondern brachte sich auch gleich das Jonglieren bei. Heute ist diese Akrobatik ein wesentlicher Bestandteil seiner Clown-Nummern.

Kaum Zeit für Privatleben

Nach einer Artisten- und Clown-Ausbildung in Paris sowie akrobatischem Training in Zürich und in Rom begann dann mit 20 Jahren sein Leben auf Rädern. Als Teil einer Zirkus-Compagnie ist der ehemalige Winterthurer oft über mehrere Monate auf Reisen gewesen. Neben all den Stars in der Manege, sei er sich anfangs ziemlich klein vorgekommen. «Im Zirkus war ich immer einer von vielen. Das hatte aber auch einen Vorteil», schildert er. Er habe das Feld von hinten aufrollen können. «Weil die Zuschauer mich nicht kannten, hatten sie auch keine grossen Erwartungen. Das bot mir die Möglichkeit, für eine Überraschung zu sorgen. Wenn ich einen guten Auftritt ablieferte, blieb ich den Leuten in Erinnerung.»

«Es blieb kaum Zeit für Privates.»

Roger Joss, Clown

Das Zirkusleben sei anspruchsvoll. «Weil wir beinahe jeden Tag woanders gastierten, blieb kaum Zeit für Privates.» Heute fällt es dem 55-jährigen Vater nicht mehr so leicht, für eine Tournee alles stehen und liegen zu lassen. So führte er seine Programme die letzten Jahre mehrheitlich über die Weihnachtszeit auf – etwa in der Labüsch Bar in Winterthur, dem Circus Royal oder in Kleintheatern und Kulturkommissionen auf.

Bei der Berufswahl hat Roger Joss das richtige Gespür gehabt. Auch nach 30 Jahren ist das Clownsein für ihn ein Traumjob. «Das kann ich noch gut 20 weitere Jahre machen.»

Auftritt im Rathausdurchgang
Roger Joss ist zurück und kommt mit seinem abendfüllenden Soloprogramm «und sein kleines bisschen Glück» zu Besuch. Spielerisch erzählt er liebenswerte und witzige Geschichten. Mit dabei in seinen vielen Taschen und Tüten sind ganz neue Nummern und Ideen, aber auch Trouvaillen, die ihm in seiner über 30-jährigen Tätigkeit als Clown in Circus und Theater im Herzen hängen geblieben sind. Am Freitag, 14. September, um 19.30 Uhr spielt er im Rathausdurchgang in Winterthur. Mehr Informationen und Angaben zum Ticketverkauf unter www.rogerjoss.ch

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