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Ein Stück über die Konsequenzen der Reformation

Uraufführung von «Zwingli Roadshow» in Winterthur

Ein Stück über die Konsequenzen der Reformation

Skurrile Geschichten von dörflichem Aufruhr während der Reformation. Davon handelt «Zwingli Roadshow» des Theaters Kanton Zürich. Das Stück wird am kommenden Donnerstag in Winterthur uraufgeführt.

Michael
Hotz
Montag, 10. September 2018, 07:12 Uhr Uraufführung von «Zwingli Roadshow» in Winterthur

Es ist das Jahr 1532. Huldrych Zwingli ist gerade in der Schlacht zu Kappel gefallen. Daraufhin beschliesst die Näherin Dorette aus Zürich, dem Reformator ein Denkmal zu setzen. Mit einem kleinen Spieltrupp, dem sich ein ehemaliger Söldner und seine Braut, ein Schildermaler sowie eine Ex-Nonne und ein verstossener Pfaffe anschliessen, gründet sie ein «Fahrtheater» und zieht damit durch die Zürcher Landschaft. Es gilt, Zwinglis angeschlagenen Ruf zu retten.

Ein Theater im Theater

Die «Zwingli Roadshow», die heute Donnerstag im Theater Kanton Zürich Premiere feiert, schaut auf die Reformation in Zürich aus Sicht der Landschaft. «Wir entwickeln eine Fälschung eines Reformationsvolkstheaters», sagt der Regisseur Niklaus Helbling dazu – ein Theater im Theater also.

Wir verlosen 3x2 Tickets für die Aufführung von «Zwingli Roadshow» am Samstag, 15. September. Zum Wettbewerb geht es hier.

Der Spieltrupp gibt verschiedene historisch belegte Geschichten aus der Zeit der Reformation wieder. Ein Beispiel: In Zollikon machten sich nachts einige Bürger auf, «altgläubigen Plunder» gemäss Zwinglis Predigten aus der Kirche zu verbannen. Vor dem Gotteshaus kamen ihnen aber Zweifel an ihrer Tat. Sie entschieden, den hölzernen Palmesel im See zu versenken. Das Vorhaben flog trotzdem auf.

Die vierte Wand wird aufgelöst

Solch skurrile Geschichten von dörflichem Aufruhr mischen sich in «Zwingli Roadshow» mit leidenschaftlichen Debatten darüber, was der neue Glaube den Menschen bringt. Das Stück behandelt Leidenschaften, die am Überkochen sind, Neuerungen, die auch Opfer fordern, und den religiösen und sozialpolitischen Aufbruch, der sämtliche Gesellschaftsschichten erfasst.

(Video: Youtube/Theater Kanton Zürich)

So entwickeln sich über die Spielzeit die Beziehungen der Angehörigen des «Fahrtheaters» weiter, einzelne Liebschaften entstehen. Die Szenerien gipfeln in einem Höhepunkt, bei dem die vierte Wand abgebaut wird. In einer Disputation sprechen die Schauspieler das Publikum direkt an und stellen den Zuschauern Fragen wie «Wer ist noch in der Kirche?».

Teilhabe Auch der kleinen Leute

Autorin von «Zwingli Roadshow» ist Brigitte Helbling, die Frau des Regisseurs. Das Ehepaar lieh sich in der Bibliothek Sachbücher zur Reformation aus. In diesen fanden die beiden die Geschichten, die vom Spieltrupp wiedergegeben werden. «Mittlerweile haben wir eine Nase für spielerische Szenen», so Niklaus Helbling. Das Stück sei dann «herbeigeredet» worden, also im Austausch mit den Bühnenbildern, den Schauspielern, dem Musikinterpreten und anderen involvierten Personen entstanden.

Niklaus Helbling bezeichnet die Reformation als spannendste Zeit der Schweizer Geschichte: «Weil die Schrift plötzlich auf Deutsch erhältlich war und in der Landessprache gepredigt wurde, konnten auch die kleinen Leute teilhaben am Prozess der Veränderungen. Es ging ums Wort und nicht um ein voodooisiertes Sakrament.» Die Reformation habe sich entsprechend innert weniger Jahren ausgebreitet, man habe sie nicht mehr zurückschrauben können. Genau von diesen gesellschaftlichen und politischen Konsequenzen der Post-Zwingli-Zeit handelt die «Zwingli Roadshow», wobei die Schwere der Thematik durch leichte, absurd-komische Momente im Spiel des «Fahrtheaters» aufgelockert wird.

Die «Zwingli Roadshow» feiert am Donnerstag, 13. September, im Theater Kanton Zürich Premiere. Die weiteren Aufführungen in Winterthur sind am 15., 16. und 18. September. Weitere Informationen finden Sie hier.

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