×

Gericht verurteilt Ex-Polizeispitzel zu dreieinhalb Jahren Haft

An Einbrüchen in Region Winterthur beteiligt

Gericht verurteilt Ex-Polizeispitzel zu dreieinhalb Jahren Haft

Ein 46-jähriger Serbe, der zahlreiche Einbrüche in der Region Winterthur verübt hat, muss ins Gefängnis. Das Zürcher Obergericht bestätigte die Freiheitsstrafe von 42 Monaten, die bereits das Bezirksgericht Winterthur ausgesprochen hatte. Der Verteidiger sah eine Mitschuld bei der Kantonspolizei.

Michael
Hotz
Mittwoch, 05. September 2018, 16:56 Uhr An Einbrüchen in Region Winterthur beteiligt

Das Obergericht Zürich behandelte letzten Montag den Fall eines 46-jährigen Mannes, der in der Region zahlreiche Diebstähle verübt hatte. Das Bezirksgericht Winterthur hatte den aus dem Kosovo stammenden serbischen Staatsangehörigen im Dezember zu einer unbedingten Gefängnisstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt. Der Verteidiger hatte daraufhin Berufung gegen das Urteil eingelegt.

«Die Polizei trägt mit ihrem Verhalten klar eine Mitschuld am kriminellen Umfeld und Verhalten meines Mandanten.»
Anwalt des Beschuldigten

Vor dem Obergericht erschien nur der Anwalt des Beschuldigten. Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf eine Teilnahme am Prozess. Der betroffene Mann hat die Schweiz im Januar in Richtung Deutschland verlassen, weil er ohnehin des Landes verwiesen worden wäre.

In Wohnhäuser eingestiegen

Beim Prozess ging es um einzelne Anklagevorwürfe und um das Strafmass. Denn unbestritten ist, dass der Angeklagte Ende 2013 innert drei Monaten an zwölf Einbrüchen und fünf Versuchen beteiligt war. Der Mann hatte schon im Vorfeld des Prozesses am Winterthurer Bezirksgericht ein umfassendes Geständnis abgelegt und gegenüber der Polizei auch die Teilnahme an Einbrüchen gestanden, die ihm zuvor gar nicht angelastet worden waren.

«Wer in der Nacht in Wohnobjekte einbricht, nimmt in Kauf, auf Bewohner zu treffen.»
Obergericht Zürich

Bei den Delikten nahm er jeweils die Rolle des Fahrers und Aufpassers ein. Seine Komplizen stiegen bei Dämmerungseinbruch in Einfamilienhäuser vor allem in Hettlingen, Neftenbach und Seuzach ein und erbeuteten hauptsächlich Bargeld, Goldmünzen und Schmuck im Wert von rund 90 000 Franken. Zusätzlich manipulierte der Serbe einen Einzahlungsschein, um Handys zu erschleichen. Diese wollte er dann verkaufen und so einen Teil seiner Spielschulden begleichen. Auch mietete und lenkte er dreimal ein Motorrad ohne gültigen Fahrausweis.

Kapo soll mitschuldig sein

Die Staatsanwaltschaft blieb bei ihrer Forderung einer unbedingten Gefängnisstrafe von sechs Jahren. Der Verteidiger wiederum plädierte für einen bedingten Freiheitsentzug von 16 Monaten. Er machte gegenüber dem Obergericht mehrere strafmildernde Gründe geltend. Grossen Wert legte der Anwalt auf die Tätigkeit seines Mandanten als Informant für die Kantonspolizei Zürich, mit welcher der Serbe im März für Schlagzeilen sorgte (siehe Box).

«Die Polizei trägt mit ihrem einem Rechtsstaat unwürdigen Verhalten klar eine Mitschuld am kriminellen Umfeld und Verhalten meines Mandanten», so der Verteidiger. Die Kantonspolizei habe den Boden für die Delikte geebnet.

Einbrüche sind keine Kavaliersdelikte

Das Obergericht war jedoch anderer Ansicht und sah «keine Einflussnahme» seitens der Kantonspolizei. Die begangenen Taten des Angeklagten seien keine Kavaliersdelikte, Einbrüche in Wohnobjekte dürften nicht bagatellisiert werden. «Wer in der Nacht dort einbricht, nimmt in Kauf, auf Bewohner zu treffen. Das kann schnell zu fatalen Folgen führen», sagte einer der Richter. Entsprechend bestätigte das Obergericht die unbedingte Gefängnisstrafe von 42 Monaten, welche die Vorinstanz bereits ausgesprochen hatte.

Für Polizei vier Jahre lang gespitzelt

Während vier Jahren – von 2011 bis 2015 – hat der 46-jährige serbische Staatsangehörige als Informant für die Kantonspolizei Zürich gearbeitet, wie der «Landbote» im März berichtete. Der Mann lieferte den Fahndern unter anderem Informationen aus dem Drogenmilieu und zum organisierten Verbrechen. Während seiner Tätigkeit als Spitzel hatte der Serbe auch die Einbrüche begangen, für die er nun vom Obergericht verurteilt wurde.
Für seine Arbeit erhielt er mehrere Tausend Franken, die gemäss des Informanten aus einer schwarzen Kasse der Kantonspolizei bezahlt wurden. Die Polizei bestritt diesen Vorwurf jedoch. Weil die Identität des Mannes offenbar nicht gut genug geschützt worden sei, habe er Drohungen von Verbrechern erhalten, die aufgrund seiner Informationen in Haft waren. Ebenfalls in den Fall verstrickt war ein fehlbarer Kantonspolizist. Dieser wurde von der Staatsanwaltschaft verurteilt, da er einen Hausdurchsuchungsbefehl für den Spitzel gefälscht hat.

Kommentar schreiben

Kommentar senden