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«Winterthur spielt eine Vorreiterrolle»

Spielgruppen Fach- und Kontaktstelle

«Winterthur spielt eine Vorreiterrolle»

Die Bedeutung der Spielgruppen ist für die Entwicklung der Kinder gestiegen. Daniela Herbst erklärt, wieso. Die Präsidentin der Spielgruppen Fach- und Kontaktstelle Winterthur und Umgebung fordert mehr Hilfe von den Gemeinden.

Montag, 27. August 2018, 06:57 Uhr Spielgruppen Fach- und Kontaktstelle

Die Zeit, die Kinder in Spielgruppen verbringen, spielt für ihre Entwicklung eine viel wichtigere Rolle als bisher angenommen. «Neuste Studien der Hirnforschung geben dem Vorschulalter eine viel grössere Bedeutung für den späteren Erfolg», sagt Daniela Herbst. 

Seit vier Jahren ist die Spielgruppenleiterin aus Ellikon an der Thur Präsidentin der Spielgruppen Fach- und Kontaktstelle Winterthur und Umgebung.

Grössere Bedeutung

«Die frühe Förderung im Vorschulalter ist für die weitere schulische Entwicklung ausschlaggebend. Alle Kinder profitieren vom Angebot der Spielgruppe und können das Bildungsangebot des Kindergartens von Anfang an optimal nutzen.

Der Übertritt in den Kindergarten ist für das Kind und die Eltern leichter», sagt Herbst. Die frühe Förderung in den Spielgruppen habe deswegen bereits auf politischer Ebene, sowohl auf kantonaler als auch auf Bundesebene, eine grössere Bedeutung erlangt, fügt sie hinzu.

Ansprüche gewachsen

Herbst sagt: «In den letzten zehn Jahren sind die Anforderungen an die Spielgruppen enorm gestiegen.» Auch die Pädagogik selbst und die Methoden hätten sich verändert. «Im Juni 2001 wurde unser Dachverband SSLV (Schweizerischer Spielgruppen-LeiterInnen Verband) gegründet.»

Mit der Bildung der AK-SSLV (Ausbildungskomission der vom Verband anerkannten Ausbildungen) seien auch die Ausbildungsinhalte der Spielgruppenlehrgänge vereinheitlicht worden. «Heutzutage sind die verliehenen Diplome gleichwertig und werden vom SSLV anerkannt.»

Eine Art «Gütesiegel»

Der SSLV hat zudem Qualitätsrichtlinien erlassen, an denen sich die Spielgruppenleiterinnen orientieren können. In diesen ist geregelt, wie viele Kinder in der Spielgruppe Platz haben, wie viele Betreuungspersonen nötig sind oder wie die Räume beschaffen sein sollen. Die Rahmenkriterien sind hierbei in zwei Kategorien unterteilt: «Dinne» (Spielgruppen im Raum) und «Dusse» (Spielgruppen im Wald oder auf dem Bauernhof). Das Qualitätslabel sei eine Art «Gütesiegel». 

Eine vom SSLV anerkannte Spielgruppen-Ausbildung inklusive entsprechender Berufserfahrung und diverse Weiterbildungen pro Jahr sind Pflicht für das Qualitätslabel. Ziele und das pädagogische Leitbild werden darin ebenfalls vorgegeben. «Das Qualitätslabel gilt nur für zwei Jahre und wird nur dann verlängert, wenn die erforderliche Fortbildung erfüllt wurde», sagt Herbst. Im Jahre 2017 wurden die Qualitätsmerkmale im Rahmen des Projekts «Qualitätsentwicklung in Spielgruppen» umfassend überarbeitet.

«Finanzielle Unterstützung nötig»

Die Anforderungen an die Spielgruppenleiterinnen seien auch in den Landgemeinden gestiegen und diese erhöhten Ansprüche hätten ihren Preis. Deswegen wünscht sich Herbst, dass alle Gemeinden in der Umgebung Winterthurs die Spielgruppen mit geeigneten Räumlichkeiten, dem Qualitätslabel entsprechend, oder finanziell unterstützen.

Während Kindertagesstätten von den Gemeinden und dem Kanton subventioniert würden, seien noch nicht alle Gemeinden bereit, die Spielgruppen zu unterstützen.

Zweierleitungen

Winterthur unterstütze mit einer Leistungsvereinbarung bereits die Spielgruppen mit Zweierleitungen. In diesen speziellen Spielgruppen gibt es zwei Spielgruppenleiterinnen, die somit mehr Ressourcen zur Sprach- und Spielförderung sowie der Zusammenarbeit mit den Eltern zur Verfügung haben.

Herbst wisse auch von anderen Städten, dass diese direkt Spielgruppenleiterinnen anstellen oder Spielgruppen finanziell unterstützen würden.

Im Gegenzug müssten die Spielgruppen an Qualitäts-Auflagen gebunden sein. Herbst ist sich gewiss, dass Erhebungen aufzeigen würden, dass die Spielgruppen eine wichtige Basis für die weitere Entwicklung der Kinder darstellen. Die soziale Kompetenz, die Sprachbildung, die Kreativität und das Beachten von Ritualen würden bei Kindern in den Spielgruppen stark gefördert.

Die Unterstützung der Gemeinden würde demzufolge «zurückgezahlt», da der Start in den Kindergarten unbeschwerter erfolge. Herbst stellt die rhetorische Frage: «Was gibt es Wertvolleres, als in die Bildung der Kinder zu investieren?»

Die Spielgruppen Fach- und Kontaktstelle Winterthur und Umgebung feiert am 31. August sowie den 1. und 2. September das 40-Jahr-Jubiläum in der MZA Reithalle an der Zeughausstrasse 65. Mehr Infos unter: www.spielgruppen-winterthur.ch

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