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Noch nie gab es so viele

Wespenplage in der Region

Die Wespe breitet sich in der Schweiz aus wie nie zuvor. Auch Illnau-Effretikon, Wetzikon und Uster verzeichnen hornissengrosse Tiere und Nester in nie dagewesener Grösse.

Lukas
Elser
Freitag, 17. August 2018, 06:52 Uhr Noch nie gab es so viele
Es gab noch nie so viele Wespen wie in diesem Jahr - das gilt auch für die Region.
Keystone

2018 ist das Jahr der Wespe. Die Behörden sprechen von einem neuen Rekord: In der Schweiz gebe es bereits jetzt so viele Wespen, wie seit 20 Jahren nicht mehr.

Auch die Region bleibt von der Plage nicht verschont, wie Manuel Wegmann bestätigt. Er ist Geschäftsführer des schweizweit tätigen und auf Schädlingsbekämpfung spezialisierten Unternehmens Anticimex, das auch in Uster einen Standort hat.

«Es gab wahrscheinlich noch nie so viele Wespen wie in diesem Jahr», sagt Wegmann. Allein im Juli habe die Firma schweizweit 500 Nester ausgehoben. Das entspreche einem Plus von 20 Prozent gegenüber 2017 und sei mehr als doppelt so viel im Vergleich zu 2016.

Explosionsartige Ausbreitung

Den Grund für die explosionsartige Ausbreitung der Wespe sieht Wegmann in den trockenen Wetterverhältnissen, die seit April herrschen: «Unter diesen nahezu perfekten Bedingungen ist das Nest der Wespen vor Pilzbefall geschützt. Und die Tiere haben stets genug zu fressen.» Denn auch die Insekten, von denen sich die Wespen ernähren, kämen bei gutem Wetter aus ihrem Unterschlupf heraus.

«Es gab noch nie so viele Wespen wie in diesem Jahr.»

Manuel Wegmann, Anticimex AG

Dass es den Wespen dieses Jahr besonders gut geht, zeigt sich auch an der Grösse ihrer Nester. Während in anderen Jahren fussballgrosse Exemplare die Ausnahme sind, gibt es sie gemäss Wegmann aktuell «wie Sand am Meer». Das hat auch der Wetziker Kammerjäger Werner Broder festgestellt. Kürzlich benötigte er gar einen 35-Liter-Müllsack, weil ein entferntes Nest nicht mehr in den kleineren Behälter passte, den er normalerweise dafür braucht.

Auf keinen Fall selbst entfernen

Gefährlicher würden seine Einsätze dadurch aber nicht, sagt Broder. Es gelte bei seiner Arbeit immer der gleiche Grundsatz:

«Man muss schneller sein als die Wespen.» Sich selbst um die Plage zu kümmern, rät der Kammerjäger den Betroffenen nicht: «Das kommt selten gut raus.»

Überhaupt könne man die Nester oft einfach hängen lassen, findet Broder: «Man sollte nicht zu sehr dreinpfuschen. Die Natur reguliert sich meist von selbst.» Oft sei die Angst vor Stichen unbegründet: «Ein Kunde hatte kürzlich ein Hornissennest in der Stube und hatte überhaupt kein Problem damit.»

Feuerwehr rückt aus

Im Gegensatz zu anderen Gemeinden übernimmt in Illnau-Effretikon die Feuerwehr in den meisten Fällen die Aufgabe des Wespenjägers. Und auch in dieser Stadt haben sie viel zu tun: Bereits 120 Wespeneinsätze führte die Feuerwehr diese Jahr durch, das sind doppelt so viele wie in einem gewöhnlichen Jahr.

«Man muss schneller sein als die Wespe.»

Werner Broder, Kammerjäger

Auffallend sei in diesem Jahr auch die Grösse der Tiere, sagt Roger Brüngger, Kommandant der Feuerwehr Illnau-Effretikon: «Einige Tiere sind so gross, dass Manche Kunden sie für Hornissen halten, dabei sind es ganz gewöhnliche Wespen.»

Zu spät reagiert

Eine Herausforderung sei, dass viele Einwohner zu spät auf ein Wespenproblem reagierten, so Brüngger. «Ein Wespennest entwickelt sich nicht von heute auf morgen.»

Er rät deshalb, das Thema frühzeitig anzugehen, wenn das Nest noch klein ist. Doch leider würden manche Betroffene trotzdem bis zum letzten Moment warten, dann aber von der Feuerwehr umso vehementer verlangen, dass sie sofort ausrücke.

«Manche halten grosse Wespen für Hornissen»

Roger Brüngger, Feuerwehr Illnau-Effretikon

Brüngger erledigt den Wespenjob dennoch gern: «Für uns ist es eine willkommene Abwechslung. Wir können den Leuten helfen und es gibt nicht diesen Stressfaktor wie bei Blaulicht-Einsätzen.»

Nur nicht Rumfuchteln

Grund zur Angst gibt es für Manuel Wegmann von der Schädlingsbekämpfungs-Firma Anticimex AG nicht. Solange man sich an einige Verhaltensregeln halte, habe man wenig zu befürchten. Dazu gehörten: Vorsicht mit Süssgetränken walten zu lassen, nicht zu fuchteln und das Tier auf keinen Fall anzublasen – denn das mache Wespen aggressiv.

Wegmann betont: «In den meisten Fällen kommen Wespe und Mensch gut aneinander vorbei. Befindet sich das Nest etwa auf einem vier Meter hohen Dachgiebel, kann man darunter durchaus zu Mittag essen.»

Bagatellisieren will Wegmann das Problem aber auch nicht. Mit einem Stich in den Hals oder ins Gesicht könnten Wespen eine lebensgefährliche Verengung der Atemwege auslösen. Bei Allergikern kann es unabhängig vom Ort des Stiches schnell gefährlich werden. In solchen Fällen sei unverzüglich ein Arzt aufzusuchen. «Doch solche Vorfälle mit Todesfolge sind sehr selten.» (lue)

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