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Initiator aus Fehraltorf

«Das Swiss Arctic Project war ein Erfolg»

Der Fehraltorfer Charles Michel reiste mit fünf Schülern und Studenten in die Arktis, um die Auswirkungen des Klimawandels zu erforschen. Die Expedition habe ihm gezeigt, wie dramatisch die Folgen unseres Umgangs mit der Erde sind. Kritiken, weshalb er mit einem motorisierten Schiff für die Umwelt unterwegs war, könne er durchaus nachvollziehen.

Talina
Steinmetz
Freitag, 17. August 2018, 07:36 Uhr Initiator aus Fehraltorf

Die Auswirkungen des Klimawandels in der Arktis erforschen. Dieser Aufgabe nahmen sich fünf Schüler und Studenten im Rahmen des Swiss Arctic Project an, darunter die Fehraltorferin Janine Wetter (wir berichteten). Knapp vier Wochen verbrachten die jungen Forscher auf der «MV San Gottardo» in Spitzbergen. 

Unwetter, kalbende Gletscher und Strände voller Plastik hielten die Swiss-Arctic-Crew auf Trab. Charles Michel ist Initiator und Leiter der Expedition sowie der Kapitän der «MV San Gottardo». Der Fehraltorfer Filmemacher plante das Swiss Arctic Project während drei Jahren durch, bevor es Mitte Juli losging.  

Fünf Forscher machten sich mit Charles Michel (oben, zw.v.r) in die Arktis auf. (Foto: PD)

Während die jungen Forscher seit dem 5. August wieder zu Hause sind, bleibt Charles Michel für ein deutsches Forschungsprojekt noch mindestens eine Woche auf der «MV San Gottardo». 

An das Swiss Arctic Project denkt er gerne zurück. «Ich war zu Beginn nicht sicher, wie sich so viele Personen unterschiedlichen Alters auf so engem Raum vertragen würden.» Wie sich zeigte, seien diese Bedenken völlig unbegründet gewesen. «Die jungen Forscher waren unglaublich engagiert und interessiert. Das schlechte Wetter in den ersten zwei Wochen tat ihrer Motivation keinen Abbruch.»  

Klimaveränderungen sind dramatischer als gedacht

Das Ziel der Reise, einen Beitrag zur Forschung des Klimawandels zu liefern, hätten sie erreicht. Die grösste Erkenntnis der Forschungsgruppe sei das Ausmass der Veränderungen auf gewesen. «Diese sind viel dramatischer als gedacht. Die Folgen unseres Umgangs mit der Erde sind bedenklich.» Die Menschheit müsse handeln.

Jeder einzelne kann zum Umweltschutz etwas beitragen, sagt Charles Michel. «Es gibt nicht die eine Idee, wie man die Welt retten kann. Es sind 1000 kleine Ideen.» Zum Beispiel sich bei Nahrungsmittel auf regionale Produkte zu konzentrieren und den Fleischkonsum zu verringern. «Und wenn immer möglich auf Plastik zu verzichten. Dieser stellt ein riesiges Problem für das gesamte Ökosystem dar», so Michel. 
 

Charles Michel und die jungen Forscher stiessen auf Strände, die voller Plastikmüll waren. (Foto: PD)

Während des Swiss Arctic Project seien er und die Forscher immer wieder auf Strände getroffen, die voller Plastikmüll waren. «Wir waren geschockt und sammelten den Müll ein.»

Zu denken gebe ihm vor allem die Tatsache, dass diese Menge von Plastik am Ende der Welt gefunden wurde. «Rundherum hat es nichts. Keine Grossstädte oder Siedlungen und nur wenige Menschen. Und doch ist alles voller Müll. Man kann sich nur ausmalen, wie es demnach auf der restlichen Welt aussieht.»
 
Resonanz um Weites übertroffen

Andere Personen auf solche Missstände aufmerksam zu machen, war eines der Ziele des Swiss Arctic Projects. Die Teilnehmenden berichteten via Social Media regelmässig über ihre Erlebnisse. «Die Resonanz, die wir uns erhofften, übertrafen wir um das hundertfache», sagt Charles Michel.

Auf der Swiss-Arctic-Homepage habe er innert zehn Tagen über 2 Millionen Zugriffe registriert. «Auch auf Facebook und anderen sozialen Medien zeigten die Menschen viel Interesse. Das Thema scheint bei vielen aktuell zu sein.» 

«Neid, aber auch berechtigte Kritik»

Das zeigen auch die Leserkommentare auf «20 Minuten». Ein Journalist der Gratiszeitung begleitete das Swiss Arctic Project und berichtete laufend darüber. «Bezahlte Ferienreise, hoffentlich nicht von meinen Steuern» oder «Schuelreisli mit sinnfreien Tätigkeiten» sind zwei von vielen kritischen Kommentaren, die man unter dem Liveticker findet.

«Zum Teil spürt man viel Neid, diese Kommentare gehen an mir vorbei. Das Projekt haben meine Frau und ich privat finanziert», so Charles Michel. Andere Kommentare hingegen hätten ihn zum Nachdenken angeregt. 

Mit motorbetriebenem Schiff für die Umwelt unterwegs

Zum Beispiel jene, die in Frage stellten, wieso die Swiss-Arctic-Forscher mit dem Schiff unterwegs waren, während sie für den Umweltschutz werben. «Das ist durchaus eine berechtigte Frage. Ich habe mir vor dem Projekt viele Gedanken gemacht, wie wir am besten reisen sollten. Der Fokus lag damals auf einem Segelschiff.»

Gespräche mit Experten und Einwohnern von Spitzbergen brachten ihn dann aber von diesem Vorhaben ab. «Die Bedingungen sind extrem. Innert Minuten kann das Wetter umschlagen. Das wäre zu gefährlich.»
 

Die «MV San Gottardo» verbraucht weniger Treibstoff als ein Offroader in der Stadt. (Foto: PD)

Also habe er versucht, die «MV San Gottardo» so umweltfreundlich wie möglich zu halten. «Das Schiff fährt mit Diesel, nicht mit Schweröl. Der Verbrauch ist tiefer als bei einem Offroader in der Stadt.» 

Ein umweltfreundlicher Schiffsantrieb wäre eine von den am Anfang erwähnten 1000 Ideen. «Die Menschen können auf den Mond fliegen, aber keinen nachhaltigen Antrieb entwickeln. Dieser Aufgabe sollte man sich stellen.» 

Sponsoren für zweite Durchführung benötigt

Trotz Kritik bezeichnet Charles Michel das Swiss Arctic Project als Erfolg. «Wir konnten Leute berühren und sie zum Nachdenken anregen.» Es sei wichtig, dass dass Themen wie Umweltschutz und Klimawandel nicht vergessen gehen.

Das sei auch ein Grund, weshalb Michel das Swiss Arctic Project wieder durchführen möchte. «Für ein zweites Mal wären wir auf Sponsoren angewiesen. Die Frage nach dem Wer, Wie oder Wann ist aber noch offen.»

Janine Wetter bleibt in der Kälte
Die Fehraltorferin Janine Wetter war eine von fünf Schülern und Studenten, die an der Expedition auf der «MV San Gottardo» teilnahm. Für die Studentin der Umweltwissenschaften  war es bereits der zweite Besuch in der Arktis. «Sie ist wie ein zweites Zuhause für mich», sagt Wetter. Kein Wunder also, dass die 21-Jährige ihren Aufenthalt bis im Dezember verlängert. Sie absolviert einen Teil ihres Studiums  an der Universität in Spitzbergen, um mehr über das örtliche Ökosystem und die Auswirkungen des Klimawandels zu lernen.

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