×
Lichtverschmutzung im Oberland

Zu viel Licht am Ende des Tunnels

Die Ustermer Kantonsrätin Karin Fehr Thoma (Grüne) erachtet die Massnahmen gegen Lichtverschmutzung als ungenügend. Ein Blick nach Uster zeigt: Die Einsetzung einer konkreten Verordnung wurde vor Jahren verpasst.

David
Marti
Donnerstag, 09. August 2018, 20:18 Uhr Lichtverschmutzung im Oberland

Gemäss dem Umweltbericht von 2014 hat sich die Lichtverschmutzung im ganzen Kanton Zürich erhöht. Dementsprechend ist Kantonsrätin Karin Fehr Thoma (Grüne) unzufrieden mit der Arbeit des Kantons: «Das Umweltziel ‹Lichtemissionen nehmen nicht zu› wird im Bericht als ‹bei weitem nicht erreicht› beurteilt und der Handlungsbedarf als eher gross beschrieben. Griffige Massnahmen sind darin hingegen nicht zu finden», schreibt Fehr in einer  Anfrage, die sie jüngst beim Regierungsrat eingereicht hat.

«Mensch, Tier und Pflanzen sind davon betroffen.»

Karin Fehr Thoma, Kantonsrätin (Grüne)

Im Bericht sind auch die Lichtverschmutzungen in den drei Oberländer Bezirken aufgeführt. Am meisten zugenommen haben die Immissionen in Uster, Fehrs Heimatgemeinde. Dort haben sie sich im Zeitraum von 1994 bis 2012 mehr als verdoppelt. «Die Lichtverschmutzung fällt mir insbesondere am Siedlungsrand in Niederuster auf. Die Frage, wie intensiv dort beleuchtet werden muss, stellt sich schon», sagt Fehr. Gerade weil sich dort das Naturschutzgebiet befinde, sei eine Reduktion der Lichtverschmutzung zu begrüssen, denn das künstliche Licht in der Nacht habe weitreichende negative Auswirkungen: «Mensch, Tier und Pflanzen sind davon betroffen. Beim Menschen führt es zu Schlaf-Wach-Rhythmus-Störungen mit negativen Folgen für die Gesundheit», so Fehr.

Die rechtliche Frage

Von mehreren Ustermern sei sie schon auf die Lichtverschmutzung aufmerksam gemacht worden: «Anwohner des Illuster haben mir nach der Neueröffnung gesagt, dass ihnen die Leuchtreklame direkt in die Wohnung strahlt.» Auch Fehrs eigene Wohnung sei schon vorübergehend von einer beleuchteten Werbung betroffen gewesen.

«Unternehmen müssen ihr Reklamelicht dämmen und himmelwärts gerichtete Beleuchtungsanlagen sind nicht zulässig.»

Stefan Reimann, Geschäftsfeldleiter Hochbau und Vermessung, Stadt Uster

Eine von Fehrs Fragen, die sie an den Regierungsrat richtet, ist: «Wie viele Gemeinden haben bis heute in ihren Verordnungen den Schutz vor Lichtverschmutzung verbindlich geregelt?»

In Uster würden in dieser Hinsicht schon Massnahmen umgesetzt, die Teil der baurechtlichen Gesetzgebung seien, wie Stefan Reimann, Geschäftsfeldleiter Hochbau und Vermessung der Stadt Uster sagt. «Unternehmen müssen ihr Reklamelicht dämmen und himmelwärts gerichtete Beleuchtungsanlagen sind nicht zulässig. Davon ausgenommen sind Beleuchtungen, welche der Sicherheit dienen oder im öffentlichen Interesse stehen.»

Eine städtische Verordnung zum Schutz vor Lichtverschmutzung gebe es aber nicht. Dabei war eine solche schon durchaus ein Thema: So lancierte Patricia Bernet (SP, heute Stadträtin) 2007, eine Motion mit dem Ziel, eine Verordnung zur Verminderung der Lichtemissionen zu erwirken. Der Gemeinderat lehnte aber die Überweisung dieser Motion an den Stadtrat ab.

Beleuchtung nur mit Bewilligung

«Die Beleuchtung von Objekten in Uster ist bewilligungspflichtig. Eine gesicherte Praxis geschweige denn Rechtsprechung dazu existiert jedoch noch nicht», sagt Reimann. Das grösste Potenzial  gäbe es im Zusammenhang mit der Verringerung grossflächiger Beleuchtungen. Sowohl die öffentliche als auch die private Beleuchtung spiele dabei eine Rolle.  In einigen Fällen Stünde der Naturschutz Sicherheitsüberlegungen gegenüber.

«Alte Beleuchtungen werden auf LED umgestellt.»

Martina Buri, Stellvertrende Stadtschreiberin

Das Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft hat 2013 ein Merkblatt für die Gemeinden herausgegeben. In diesem werden fünf Grundsätze für die Planung und den Betrieb von Beleuchtungen erläutert. In Uster und auch in Pfäffikon kennt man dieses Schreiben. «Empfehlungen für Privathaushalte oder Unternehmen werden allerdings keine gemacht», sagt der Pfäffiker Gemeindeschreiber Hanspeter Thoma. «Diese müssen sich an die strassenpolizeilichen Bewilligungen und ans geltende Baurecht halten.» Lichtverschmutzungen seien  so aber nicht immer vermeidbar. So könne beispielsweise auch eine Strassenbeleuchtung für einen Bürger störend sein.

Im Bereich des Sees sei die Gemeinde wegen der Lichtemissionen besonders sensibilisiert. «Als vor ein paar Jahren das Festival la Perla in Pfäffikon stattfand, machten der Kanton und die Gemeinde dem Veranstalter Auflagen zur Lichtstärke in der Naturschutzzone.» Sonst sei die Lichtverschmutzung in Pfäffikon kein konkretes Problem, meint Thoma. Eine Ausnahme bildet die Weihnachtszeit: «Gewisse Weihnachtsbeleuchtungen an privaten Hausfassaden gefallen nicht allen»

Wetzikon restriktiv gegen Leuchtreklame

In Wetzikon gehe man vor allem gegen Leuchtreklamen restriktiv vor, wie die stellvertretende Stadtschreiberin Martina Buri sagt. «Wir orientieren uns an der eidgenössischen Umweltschutzgesetzgebung, die den Schutz des Menschen und der Umwelt vorsieht.» Bei der Erteilung von Bewilligungen achte die Stadt auf eine Begrenzung der Lichtemissionen. Die Fälle müssten aber individuell angeschaut werden.

Auch in Wetzikon werde bei einer Strassensanierung die Beleuchtung angepasst. «Alte Beleuchtungen werden auf LED umgestellt», so Buri.

LEDs als Heilmittel

Insbesondere der Einsatz von LED-Lichtern sieht Karin Fehr als ein Mittel gegen Immissionen. In Usters Strassen kommen die LEDs bei der Strassenbeleuchtung immer häufiger zum Zug. Dafür gibt es ein Konzept von der Stadt, welches periodisch erneuert wird. Darauf basierend wird die Energie Uster AG beauftragt, die Installation und den Betrieb der öffentlichen Beleuchtung umzusetzen. Bereichsleiter Philippe Joss sagt: «Das Erneuern der LED-Leuchten fällt in der Regel mit einer Strassensanierung zusammen. Mittlerweile sei die Problematik der Lichtverschmutzung bekannt und werde berücksichtigt. «Früher stand vor allem eine gute Beleuchtung im Vordergrund, um die Sicherheit zu gewährleisten. Selbstverständlich wurden auch stromsparende Technologien wie Dimmen in Stufen oder das Abschalten jeder zweiten Lampe eingesetzt.»

Die LED-Technologie habe nun nebst dem Stromsparen den Vorteil, dass sie gezielter ausleuchten könne: «Der Lichtkegel kann viel genauer gesteuert werden, so werden beispielsweise die unerwünschte Erhellung von Gärten oder des Himmels minimiert.»

In Uster sieht Fehr trotzdem noch Potential zur Reduzierung von Lichtverschmutzung. In dieser Sache werde sie die Zusammenarbeit mit einigen ihrer Stadtratskollegen suchen. Denn die Lichtverschmutzung betrifft neben Fehrs Abteilung Gesundheit auch andere Ressorts, wie zum Beispiel die Abteilung Bau oder die Sicherhei. Zuerst will Fehr aber die Antwort des Regierungsrates, die sie spätestens im Oktober erwartet, abwarten. Basierend auf diesen will sie als Stadträtin oder Kantonsrätin – Fehr tritt im Frühjahr erneut zur Wahl an – weitere Schritte unternehmen.

Lichtmessung in Wald

Zurzeit werden durch das Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft Messungen an drei Standorten getätigt. Es sind dies die Standorte Wald Höhenklinik, Zürich Stampfenbachstrasse und Winkel Pflanzgarten. Das Messgerät  in Wald wurde 2014 in Betrieb genommen. Die Nachthimmel am ländlichen Standort sind eher dunkel. Die Messwerte werden nicht direkt durch die Höhenklinik beeinflusst, da sich diese hangabwärts befindet. Das wenige Licht in der Umgebung wird verursacht durch Gehwegbeleuchtung und drei Personalhäuser.

Der beste Nachweis für die Aufhellung des Himmels durch künstliches Licht ergibt sich aus einem Vergleich der dunkelsten Nächte pro Monat an den verschiedenen Standorten. Auswertungen dieser Messungen zeigen: Die hellsten Nächte in Wald sind fast so dunkel wie die dunkelsten Nächte in der Stadt Zürich.

Kommentar schreiben