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Altersheime bleiben «cool», Spital Uster «schwitzt»

Hitze in der Region

Altersheime bleiben «cool», Spital Uster «schwitzt»

Im Spital Uster werden wegen der Hitze mehr Patienten eingeliefert. In Wetzikon dagegen, ist kein Unterschied zu vergangenen Sommern festzustellen. Kreative Lösungen lassen sich die Betreuer von Altersheimen für ihre Senioren einfallen.

David
Marti
Dienstag, 07. August 2018, 19:56 Uhr Hitze in der Region
Ältere Menschen merken oft nicht, wenn sie sich zu lange in der Hitze bewegen.
cocoparisienne/pixabay

Weil hohe Temperaturen besonders für ältere Leute eine Gefahr darstellt, muss das Pflegepersonal in der Stiftung Alterszentrum Sophie Guyer in Pfäffikon seine Bewohner vor der Hitze schützen. Die stellvertretende Pflegedienstleiterin Ursula Kaspar achtet besonders auf der Demenzstation auf mögliche Hitzefolgen. «Bei Demenzerkrankten müssen wir uns etwas einfallen lassen, damit sie Flüssigkeit zu sich nehmen: Das Pflegepersonal prostet ihnen zu und trinkt mit ihnen.» Der hiesige Sommer unterscheide sich aber im Pflege-Alltag nicht von vorhergehenden, sagt Kaspar.

«In den oberen Stockwerken sind die Temperaturen tagsüber teilweise auf bis zu 27 Grad gestiegen.» Dort seien aber Ventilatoren im Einsatz und tagsüber die Rollläden unten. Der tägliche Kampf gegen die Hitze beginnt im Pfäffiker Altersheim morgens um 5 Uhr. «Der Nachtdienst beginnt dann die Gänge zu lüften. Später machen wir das auch in den Zimmern der Bewohner.» Über den Tag würden immer wieder Getränke angeboten. Variation sei wichtig, damit die Bewohner genug trinken. Auch ein wenig Salz wird den Getränken beigefügt, weil das dem Körper durch die Hitze verlorengeht.

Von der Sonne fernhalten

Ein besonderes Augenmerk gelte dem Aufenthalt im Freien. «Wenn Leute nach draussen gehen, achten wir, dass sie am frühen Morgen gehen und nicht zu lange an der Sonne bleiben. Ist es richtig heiss, schliessen wir die Türen, wenn alle wieder drin sind», sagt Kaspar. Diese Massnahme unterscheide sich von kühleren Sommern. «In anderen Jahren reichten Sonnencreme und -hüte, und die Leute konnten längere Zeit in unserem Park verbringen», so Kaspar.

Bluse statt Jacke

Auch versucht das Personal die Bewohner zu leichterer Kleidung zu überreden. Auf der Demenzstation nicht immer ganz erfolgreich, wie Kaspar zu erzählen weiss. «Eine Dame hatte auch bei grösster Hitze immer ein Jäckchen an. Wir konnten sie erst nach einigen Versuchen überreden, dieses gegen eine Bluse einzutauschen. Nachher fragte sie uns allerdings immer wieder, wo ihre Jacke abgeblieben sei und kam schlussendlich mit einer Winterjacke und wollte ins Freie.» Dank den Massnahmen gegen die hohen Temperaturen sei kein Bewohner von Hitzebeschwerden betroffen gewesen, so Kaspar.

Mehr Patienten in Uster

Beim Spital Uster macht sich die Sommerhitze bei den Patientenzahlen bemerkbar. Esther Bächli, Chefärztin der Inneren Medizin des Spitals, sagt: «In diesen heissen Tagen steigt die Anzahl der jüngeren und älteren Personen, die wegen Schwächezuständen zu uns kommen.» Allerdings falle die Hitze oft mit  bestehenden Herz-, Lungen-, Nieren- oder Suchtkrankheiten zusammen und sei so einfach ein Teil des Problems. Deshalb könnten auch keine genauen Zahlen zu Patienten mit Hitzebeschwerden angegeben werden, so Bächli. Typische Beschwerden seien Schwindel, was zu einem unsicheren Gang führen könne; Nierenprobleme, Herzprobleme oder Atembeschwerden. «Fieber, Erbrechen und Durchfall sind bei dieser Hitze ausgeprägter als sonst», sagt Bächli, «Nierensteine könnten durch genügend Flüssigkeit vermieden werden.» Grundsätzlich seien alle Personengruppen, die sich der Hitze aussetzen, gefährdet. Jedoch seien ältere Patienten eher betroffen, da sie nicht so schwitzen wie Jüngere. «So kann sich der Körper nicht abkühlen und die Leute haben ein grösseres Risiko, zu überhitzen», so Bächli.

Im GZO Spital Wetzikon sei das anders, wie Mediensprecher Stephan Gervers sagt: «Es wurden nicht mehr Leute eingeliefert als in vergangenen Jahren. Die Menschen können offenbar gut mit der Hitze umgehen.» Gervers bestätigt aber, dass Personen, die beispielsweise unter Herz-Kreislaufbeschwerden litten, anfälliger auf die Hitze seien.

Klima-Anlage und Planschbecken

Der Kampf gegen die Sommerhitze wird im Baumer Alters-und Pflegeheim Böndler mit neuen technischen Geräten angegangen. «Seit diesem Jahr haben wir in verschiedenen Zimmern der betreuten Personen Ventilatoren aufgestellt», sagt die Hauswirtschaftliche Betriebsleiterin, Anita Roesch. Ausserdem stünden den Bewohnern der gekühlte Wintergarten mit 22 Grad zur Verfügung.

Das Heim in Bauma hat zudem topografische Vorteile: Es liegt 700 Meter über Meer und in der Nähe eines Waldes. «Das bringt immer wieder angenehm kühle Luft», sagt Roesch. Wie schon in Pfäffikon nähmen auch die Baumer Pflegeheim-Bewohner die Hitze oft gar nicht wahr. «Die Pfleger müssen deshalb auch immer wieder auf die Senioren achten, die ihren alten Gewohnheiten nachgehen und sich auf ‹ihre› Bank in die brennende Sonne setzen.»

Trotz der Hitze hätten die Bewohner aber nicht mit aussergewöhnlichen Beschwerden zu kämpfen. «Zwei Bewohner sind kürzlich gestürzt, ob das mit der Hitze zusammenhängt, ist aber nicht erwiesen», so Roesch. Um den Bewohnern zusätzliche Abkühlung zu verschaffen, hat das Altersheim sich etwas einfallen lassen: Unter einem grossen Laubbaum wurde ein Planschbecken aufgestellt, wo die Leute ihre Füsse hineinstrecken können.

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