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Tagebuch aus dem Norden

Die Gletscher schmelzen dahin

Janine Wetter reist im Rahmen des Swiss Arctic Project in die Arktis. Dort will sie die Folgen des Klimawandels erforschen. Für Züriost berichtet die Fehraltorferin laufend aus Spitzbergen.

Redaktion
Züriost
Montag, 06. August 2018, 17:42 Uhr Tagebuch aus dem Norden
Die nächste Etappe des Swiss Arctic Projects führte die Fehraltorferin Janine Wetter nach Ny Alesund.
PD

In der Forschersiedlung Ny Alesund im Nordwesten Spitzbergens sind wir dem Gänseforscher Maarteen Loonen begegnet. Er hat uns erzählt, dass die Temperatur in Spitzbergen immer noch um 6 Grad Celsius steigen würde – auch wenn das Ziel des Pariser Klimaabkommens einer Beschränkung der globalen Erwärmung um maximal 2 Grad erreicht würde. Mich hat dieser Fakt ins Grübeln gebracht, denn ich kann mir nicht vorstellen, wie es hier aussehen würde, wenn es 6 Grad wärmer wäre und das Eis vermutlich noch stärker schmelzen würde.

Maarteen Loonen erzählte mir, dass es als Folge des Klimawandels in Spitzbergen mehr Regnen wird und die Vegetation, die als Nahrungsgrundlage für die Rentiere dient, gefriert. Ausserdem gebe es Vogelarten, die vom Klimawandel profitierten, während andere Vögel zu den Verlierern zählen würden.

Daten von Gänsen

Nach diesem spannenden Gespräch durften wir Loonen bei seiner Gänse-Feldforschung begleiten und mithelfen, die Gänse einzufangen, zu vermessen und wieder in die Freiheit zu entlassen. Als ich die Gans in meinen Armen hielt, fühlte sie sich weich an und ich hoffte, dass sie mir nicht entwischen würde, bevor Maarteen alle Daten eingetragen hatte. Ich fand es sehr eindrücklich zu sehen, wie Wissenschaftler mehr über die Tiere und die Gesundheit der Populationen herausfinden.

Ebenfalls in Ny Alesund haben wir die Forscherin Katrine Husum getroffen, die uns erzählt hat, dass auch die Robben vom Rückgang der Gletscher betroffen sind. Denn wenn sich die Gletscher auf das Festland zurückziehen, kommt das Eis vermehrt in Form von Schmelzwasser in den Fjord und nicht als Eisberge, welche die Robben als Lebensraum benötigen.

Ausserdem hat Husum uns Fotos vom Rückgang des Gletschers gezeigt, die bis ins Jahr 1922 zurückführen. Damals waren die beiden Gletscher im Fjord noch miteinander verbunden, doch heute ist der Gletscher so stark zurückgegangen, dass sie von einer Insel getrennt werden.

1. August mit jahrtausendealtem Eis

Nach diesen interessanten Gesprächen ist die MV San Gottardo weiter in den Norden gefahren, in den Magdalenenfjord. Dort haben wir eine wunderschöne Wanderung unternommen, die uns zu einem Sandstrand in der Nähe des Gletschers geführt hat. Der Ausblick war atemberaubend und ich hatte den Eindruck, dass ich an den umgebenden Bergen erkennen konnte, wie hoch der Gletscher einst einmal gewesen sein musste.

Zurück auf dem Schiff haben wir mit «Whisky on the rocks» und jahrtausendealtem Gletschereis auf den 1. August angestossen. In den nächsten Tagen werden wir unsere Rückreise nach Longyearbyen antreten und den Student Climate Report 2018 soweit als möglich schon hier in der Arktis erarbeiten. (Janine Wetter)

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