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Neues Konzept für urbane Mobilität

Neues Konzept für urbane Mobilität

Zunehmender Verkehr, immer mehr Staus und ein ­drohender Verkehrsinfarkt in Zentren fordern nach ­alternativen und wegweisenden Mobilitätskonzepten. Die Schaeffler Gruppe, ein global tätiger Automobil- und Industriezulieferer, hat kürzlich ein vielversprechendes Konzept für die Zukunft urbaner Mobilität vorgestellt.

Gerold
Schmid
Freitag, 01. Juni 2018, 11:24 Uhr

2016 wurden allein auf der Nordumfahrung Zürich–Winterthur 355 Staustunden gemessen.
Auf einen 8-Stunden-Arbeitstag macht das rund 44 Tage aus, an denen der Verkehr stillstand. Tendenz zu­nehmend.
2017 waren in der Schweiz 6,1 Millionen motorisierte Strassenfahrzeuge immatrikuliert, darunter 4,6 Millionen Personenwagen – in der Zeitspanne von 2000 bis 2017 eine Zunahme von 32 Prozent (Quelle: Bundesamt für Statistik).

Immer mehr Menschen leben bis 2050 in Ballungszentren

Ohne Zweifel ist die Mobilität ein Abbild unseres Wohlstands und trägt auch zu diesem bei. Die negativen Folge davon, wie aus der Statistik zu sehen ist, sind ein drohender Verkehrs­infarkt. Besonders in Zentren müssen daher zukunftsweisende Mobilitätskonzepte entwickelt werden, wollen wir dem drohenden Verkehrsinfarkt entgehen.
Denn eine Prognose sagt, dass bis im Jahr 2050 voraussichtlich zwei Drittel der Menschen in Städten und deren Agglomeration wohnen werden.
Auf dem 11. Schaeffler-Kolloqium Mitte April stellte die  Schaeffler Gruppe, ein global tätiger Automobil- und Industriezulieferer, das Fahrzeugkonzept Schaeffler Mover vor.

Wendekreis von weniger als fünf Metern

Der Kern dieses Fahrzeugs ist das sogenannte Intelligent Corner Modul. Dieses Modul wird in allen vier Rädern des Movers verbaut und besteht aus einem elektrischen Radnabenmotor, einer Radaufhängung mit Fe­derung und einer elektromechanischen Lenkung, die einen Radeinschlag bis zu 90 Grad möglich macht.
Dieses Intelligent Corner Modul verleiht dem Mover eine enorme Wendigkeit. So kann das Fahrzeug auch seitlich in Parklücken einparken. Der Wendekreis beträgt weniger als fünf Meter.

Eigens dafür entwickelte Software

Die aktuelle Auslegung für den Mover sieht vor, dass jeder der vier Elektromotoren bei 300 Volt Betriebsspannung eine Dauerleistung von 13 kW und eine zeitlich begrenzte Spitzenleistung von 25 kW hervorbringt. Laut Schaeffler kann das Nenndrehmoment von 250 Nm kurzfristig gar verdoppelt werden. Die Software für die Antriebs- und Lenkungsregelung wurde komplett von Schaeffler entwickelt, inklusive ein umfassendes Sicherheitskonzept, wie der Studie zu entnehmen ist.


Mehr Platz für Nutzraum

Der Vorteil der Intelligent Corner Modules ist, dass für den Antrieb und das Fahrwerk weniger Bauraum benötigt werden. Das heisst, es bleibt mehr Raum für Passagiere oder Transportgut. Auf das Grundmodul können ohne grossen Aufwand verschiedene Aufbauten gesetzt, ja gar ausgetauscht werden (siehe Grafik). Gemäss Schaeffler ist die gesamte Technik im Grundmodul respektive Chassis eingebaut. Lediglich ein Teil der für das autonome Fahren benötigten Sensorik befindet sich im Aufbau.
Für die Vernetzung beim autonomen Fahren haben sich die Experten von Schaeffler etwas besonderes ausgedacht. Um einen reibungslosen Betrieb zu garantieren, wird von jedem Fahrzeug ein digitaler Zwilling in der Cloud abgebildet. Mithilfe laufender Analyse der Betriebs- und Zustandsdaten kann frühzeitig ein allfälliger Wartungsbedarf festgestellt werden. Der Schaeffler Mover entspreche den entscheidenden Kundenanforderungen an ein hochautomatisiertes Fahrzeug für den urbanen Einsatz. Und Professor Peter Gutzmer, stellvertretender Vorsitzender des Vorstands und Vorstand Technologie bei Schaeffler, meint: «Das konsequent auf vernetzten Betrieb ausgelegte Fahrzeug füllt eine wesentliche Lücke im aktuellen Portfolio der Automobilindustrie.»

Vielversprechendes Projekt

Der modulare Aufbau des Fahrzeugs und vor allem die Radnabenmotoren sind vielversprechend und scheinen für einen Durchbruch der urbanen Mobilität zu sorgen. Doch letztlich wird der Entscheid, wohin sich die Mobilität in Zukunft bewegen wird, zuerst vom «Markt» und der Politik entschieden werden. Also nicht unwesentlich von den Konsumenten und Käufern von Personenwagen. Auf jeden Fall aber wird noch dieses Jahr ein fahrbereiter Prototyp gebaut werden, inklusive Kabine und Klimatisierung.

 

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