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Neuer Opel Ampera-e: es reicht!

Neuer Opel Ampera-e: es reicht!

Ohne Wenn und Aber: Der neue Opel Ampera-e zeigt, wohin die Elektromobilität in der Zukunft gehen wird. Mit 520 Kilometern Reichweite durch eine Batterieladung nach NEFZ und 380 Kilometern nach dem realitäts­näheren WLTP-Verfahren schwingt der Ampera-e ganz obenauf. Im Alltagstest erreichten wir 394 Kilometer.

Gerold
Schmid
Dienstag, 06. Februar 2018, 11:20 Uhr

Vier Tage lang ein Elektroauto im Alltag fahren, ohne gross Rücksicht auf die Batteriekapazität zu nehmen, dies mit einer einzigen Batterieladung und am Schluss immer noch 137 Kilometern Restreichweite – das ist der neue Opel Ampera-e.
Er ist nicht das erste Elektroauto, das ich fahre. Bei jedem der bisher genutzten Fahrzeuge ratterte es aber in meinem Kopf während der Fahrt: «Es reicht, es reicht nicht, es reicht …» Angesprochen ist die sogenannte «Reichweitenangst», die Angst, ob die Batterieladung noch bis zur nächsten Ladestation reichen wird. Nach vier Tagen mit dem Ampera-e im Alltag unterwegs gibt es für mich nur eine Antwort: «Es reicht!»

Reichweitenmeister

Beim Antritt der Fahrt zeigte das Instrument 289 Kilometer Reichweite an. Nach vier Tagen und 255,6 gefahrenen Kilometern lag die Restreichweite bei 137 Kilometern. Das heisst, durch Rekuperation und eine teilweise die Batterie schonende Fahrweise gewann ich 106,6 Kilometer dazu. Das ergibt dann eine erzielte Reichweite von 393,6 Kilometern – mit einer einzigen Batterieladung.
Nur einmal wollte ich wissen, was es bringt, beim Discounter auf dem Parkplatz während 20 Minuten – so lange dauerte mein Einkauf – das Fahrzeug aufzuladen. Das Ergebnis ist ma­ger, es sind ungefähr 4 Kilometer mehr Reichweite.
Nach der neuen, realistischeren «Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicles Test Procedure» (WLTP) gibt Hersteller Opel eine Reichweite von 380 Kilometern an. Nach NEFZ sind es 520 Kilometer. Die Testfahrt hat also die Normreichweite nach WLTP übertroffen.

60-kWh-Akku

Das Geheimnis der enormen Reichweite liegt beim 60-kWh-Lithium-Ionen-Akku. Das entspricht der Kapazität beim Einstiegsmodell von Tesla.
Der Ampera-e, so kann man es kurz sagen, wurde «um die Batterie herum» gebaut. Deshalb sind die 288 einzelnen Zellen im Unterboden integriert und dienen gleichzeitig als Karosserieverstärkung. Ein Grund, weshalb der Kompaktwagen genug Platz für fünf Personen bietet, mit einem Gepäckraumvolumen von 381 bis 1274 Litern.
Ein 150 kW (204 PS) starker Motor treibt den Ampera-e an. Die 360 Nm sind von der ersten Sekunde an verfügbar und bringen den Wagen in nur 3,2 Sekunden von 0 auf 50 km/h oder in 7,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h.

Fahren mit nur einem Pedal

Besonders ist das One-Pedal-Driving. Wird der Gangwahlhebel auf die Position «L» gestellt, bremst das Fahrzeug dank verstärkter Rekuperation beim Loslassen des Gaspedals äusserst stark ab. Mit etwas Übung und Feingefühl konnte ich so im Kolonnenverkehr bremsen, ohne nur einmal das Bremspedal zu betätigen. Sogar in der Steigung stand der Wagen still und rollte nicht zurück.
Auf der Autobahn empfiehlt es sich jedoch, die Stellung «L» auszuschalten. Zu stark ist die Bremswirkung, und der Hintermann muss dabei unverzüglich in die Eisen treten.
Da ist die zweite Art, elektrisch zu bremsen, angesagt. Auf der linken Seite hinten am Lenkrad ist eine Wippe angebracht, die einen weniger starken Bremsvorgang einleitet. Jeder elektrische Bremsvorgang lädt dann wieder den Akku auf.

Google Maps statt Navi

Die Instrumente sind alle digital. Je nach Bedarf können verschiedene Anzeigeeinstellungen vorgenommen werden. In der Mitte befindet sich ein zentraler 10,2-Zoll-Touchscreen, auf dem mit Apple CarPlay oder AndroidAuto das Smartphone gespiegelt werden kann. Deshalb verzichtet Opel im Ampera-e auf ein eigenständiges Navi. Das kann man bedauern. Persönlich ziehe ich Google Maps mit realitätsnahen Verkehrsangaben vor.
Das geschwungene Design des Instrumentenbretts mit inte­griertem Touchscreen finde ich gelungen. Über die Farbkombination Grau-Weiss und die Ausführung in Hartplastik lässt sich streiten.
Die Vordersitze sind etwas schmal geraten, und die Polsterung ist hart. Im Fond ist auch für grössere Personen ausreichend Kopf- und Beinfreiheit. Aufgefallen ist, dass die Gestaltung des Fonds an die gute alte durchgehende Sitzbank erinnert. Da besteht aus meiner Sicht Verbesserungspotenzial.
Fahrassistenzsysteme sind ausreichend vorhanden: Limiter, Tempomat, Abstandswarnung mit Notbremsfunktion, Toter-Winkel-Warner, Verkehrsschilder-Assistent und aktiver Fussgänger-Warnton. Kommt bei Letzterem ein Fussgänger ins Sichtfeld der Frontkamera, leuchtet auf dem Instrumentenbrett eine oranges Fussgängersymbol auf. Last, but not least ist serienmässig der preisgekrönte Opel-On-Star-Serviceassistent mit dabei.

Xenon- statt LED-Matrix-Licht

Die Lenkung im Ampera-e ist geschwindigkeitsabhängig ausgelegt. Das Fahrwerk ist meinem Geschmack nach etwas zu weich gedämpft. Eine Auswirkung davon zeigte sich nachts. Die eingebauten Xenon-Scheinwerfer grenzen den ausgeleuchteten Bereich scharf ab. Schaukelt nun das Fahrzeug, ver­ändert sich die Reichweite der Scheinwerfer plötzlich und schnell. Das kann irritieren.
Warum Opel beim Ampera-e auf Xenon-Licht setzt und nicht das geniale LED-Matrix-Licht einbaut, bleibt mir ein Rätsel.

Fazit: Mit dem Ampera-e hat Opel neue Massstäbe bei der Elektromobilität gesetzt und die Reichweite revolutioniert. Der Wagen ist ohne Wenn und Aber alltagstauglich und besticht nicht nur durch seine Reichweite, sondern mit 46’900 Franken auch durch den im Vergleich moderaten Preis. Das Teuerste an einem Elektrofahrzeug ist immer noch die Batterie. Und ein 60-kWh-Akku ist nicht umsonst zu haben. Auch deswegen, weil bei seiner Kon­struktion die neuesten technischen Erkenntnisse eingeflossen sind. Und vom Platzverhältnis im Fahrzeug her braucht er im Kompaktwagensegment den Vergleich nicht zu scheuen. Nicht verwunderlich, dass der Ampera-e zum Schweizer Auto des Jahres 2018 gekürt worden ist. Aus meiner Warte hat er das mehr als verdient.

Technische Daten Opel Ampera-e

Antrieb: Elektromotor
Leistung: 150 kW (204 PS)
Drehmoment: 360 Nm
Batterie-Kapazität: 60 kWh
Getriebe: Elektronische Automatik
Normverbrauch: 14,5 kWh/100 km
Testverbrauch: 15,8 kWh/100 km
Reichweite NEFZ: 520 km
Reichweite WLTP: 380 km
Testreichweite: 394 km
Ladevolumen: 381-1274 l
Preis: 46’900 Fr.
Preis Ausführung Excellence: 52'700 Fr.
Garantie auf Batterie: 8 Jahre oder 160’000 km

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