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Nachbarn nerven – Nachbarn sind toll

Klartext zum Tag der Nachbarschaft

Nachbarn nerven – Nachbarn sind toll

Redaktor David Kilchör zum Tag der Nachbarschaft, zu Basketballkörben und unnötigen Dunks.

David
Kilchör
Freitag, 25. Mai 2018, 09:19 Uhr Klartext zum Tag der Nachbarschaft
Mit Latte geflickt: Der Basketballkorb. (Foto: PD)

Nachbarn nerven. Da bekomm ich zum Geburtstag meinen lang ersehnten Basketballkorb. Ja, Basketball ist toll. Wenn man gross und faul ist wie ich. Man kann vor dem Korb rumlümmeln, Bälle reinwerfen und sich dabei gar einreden, man habe sich bewegt. Hat man nicht, aber das Gefühl ist recht gut.

Schlechter ist es, wenn auch der Nachbarslümmel zur Linken sich vor dem Korb rumtreibt und in einem Anfall von Grössenwahn beschliesst, sich per Dunk an das eher günstige und behelfsmässig verbohrte Gestell zu hängen – mit vollem Körpergewicht. Es kracht und knackst, der Korb fällt und ist mehr oder weniger hinüber.

 

Das Korbgerüst lässt sich flicken. Aber der Schaden mit der Verschraubung nicht. Zumindest nicht aus meiner Hand, der eine anständige Bohrmaschine, Fachwissen und handwerkliche Zuversicht fehlt. Der Korb landet also in der Versenkung. Mein Herz weint und die Pfunde purzeln nicht mehr. Sehr ärgerlich.

Bis der Nachbar zur Rechten daher marschiert und mich fragt, ob ich eigentlich diesen Korb gerne wieder in der Höhe statt in der Versenkung hätte. Klar hätt ich das gerne, nur fehlen mir so Sachen wie Bohrmaschine, Fachwissen und handwerkliche Zuversicht, sage ich ihm. Er findet, das hätte er sonst im Gepäck, falls er mir helfen dürfe.

Etwas in mir sperrt sich zwar gegen Hilfe ohne Gegenleistung. Denn das ist einseitig und kann sich rächen – plötzlich muss man beim Umzug helfen. Oder beim verstopften Klo. Andererseits will ich meinen Korb zurück da oben. Und bei der Idee, meinen Korb da hochzuschrauben, glänzen seine Augen fast. Vielleicht macht ihm Helfen ja sogar Freude.

Ich nicke also und sage treuherzig: «Sehr sehr gerne, lieber Nachbar.» Er schnappt sich den Korb, fragt, wie hoch. Ich sage, so hoch wie möglich, da meine Betonmauer ohnehin nicht hoch genug ist, um den Korb auf Originalhöhe zu montieren. Er geht ausmessen  und ich zum Abendessen.

Als ich am nächsten Tag von der Arbeit nach Hause komme, hängt der Korb. Und zwar gut 50 Zentimeter über der Betonmauer, perfekt verschraubt an einer Holzlatte. Mein Nachbar kommt und sagt, er habe gegooglet. 3,05 Meter sei die Wettkampfhöhe – es werde empfohlen, den Korb nicht tiefer zu hängen, da man sich sonst an falsche Bedingungen gewöhne. Ob das für mich so stimme. Ich werfe den Ball und lächle selig. Und ob das für mich stimmt. Nachbarn sind toll!

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