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Kommentar

Ein wackeliges Ja zur Einheitsgemeinde Volketswil

Am Wochenende haben die Befürworter und Gegner einer Einheitsgemeinde faktisch ein Unentschieden hingelegt. Damit ist man in Volketswil eigentlich wieder gleich weit wie vor der Abstimmung.

Thomas
Bacher
Montag, 16. Mai 2022, 17:00 Uhr Kommentar
Luftbild von Volketswil, im Vordergrund die Industrie Zimikon, dahinter das Volkiland

Der Volketswiler Gemeinderat will die Einheitsgemeinde, die Schulpflege will sie nicht – und das Volk? Es sagte am Sonntag knapp Ja dazu, dass die Verantwortlichen der beiden Güter eine Umsetzungsvorlage ausarbeiten müssen, die auf eine Fusion hinzielt. Dafür haben sie nun eineinhalb Jahre Zeit.

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Also ein Sieg für den Gemeinderat? In Anbetracht dessen, dass gerade einmal 72 Stimmen den Unterschied machten, wirkt die am Abstimmungssonntag geäusserte Freude über das Ergebnis etwas gar optimistisch. Denn wenn es jetzt schon so knapp ist, wie sieht es denn aus, wenn Nägel mit Köpfen gemacht werden müssen? Wenn es um die Frage geht, die Schulpflege in ihrer heutigen Form aufzulösen respektive deren Kompetenzen massiv zu beschneiden?

Dass das knappe Resultat die Schulpflege nicht zum Umdenken bringt, zeigte sich schon kurz nach Bekanntwerden des Entscheids. Man nehme den Auftrag des Souveräns zwar an, sehe aber nach wie vor keine Vorteile in der Bildung einer Einheitsgemeinde, hiess es in einer Mitteilung.

Ob sich daran etwas ändern wird, ist fraglich.

Damit ist man in Volketswil also wieder gleich weit wie vor der Abstimmung, wo sich schon bei zaghaften Annäherungsversuchen zeigte, wie unterschiedlich die Ansichten sind. Und das nicht nur in der Sache, sondern auch in der Wahrnehmung der Zusammenarbeit.

So kam der Gemeinderat Ende letzten Jahres zum Schluss, dass man sich in strategischen Kernfragen einig sei, wogen die Schulpflege betonte, dass eine Einigung über wichtige Eckpunkte nicht möglich sei – und sich vom Gemeinderat bevormundet fühlte. Dass die Abstimmung inklusive Vorgeschichte deswegen gleich zu einer Spaltung der Gemeinde geführt habe, wie Schulpräsident Yves Krismer (FDP) in einer ersten Reaktion gegenüber den «Volketswiler Nachrichten» verlauten liess, ist eine reichlich dramatische Aussage.

Letztlich wird es aber nicht schaden, die Sache wieder etwas entspannter zu betrachten.

Denn die Volketswiler, die sich seit jeher auch stark mit ihrem jeweiligen Ortsteil identifizieren und deshalb wissen, wie man trotz zum Teil unterschiedlicher Interessen einen gemeinsamen Weg finden kann, werden diese Diskussion aushalten können. Auch wenn die Debatte mit Sicherheit wieder hart geführt werden wird.

Letztlich wird es aber nicht schaden, die Sache wieder etwas entspannter und vielleicht gar mit einem Quäntchen Humor zu betrachten. So wie es die frühere Schulpräsidentin Rosmarie Quadranti einst an einer Podiumsdiskussion zum Thema tat: «Es stellt sich die Frage, ob wir die beiden Königreiche weiterhin haben wollen. Oder nur einen dicken König.»

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