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Vom hohen Ross herunter entschieden

Kommentar

Vom hohen Ross herunter entschieden

Die Bedürfnisse der ihnen unterstellten Vereine sollte das oberste Gut von Dachverbänden sein, findet Redaktor Manuel Reimann. Der Schweizerische Pferdesportverband hat in jüngster Vergangenheit jedoch genau umgekehrt agiert.

Manuel
Reimann
Mittwoch, 17. April 2019, 17:58 Uhr Klartext
Typische Vereinsreise eines Reitvereins: ein internationales Reitturnier.
Manuel Reimann

Der Reitsport in der Schweiz lebt von den Vereinen. Diese sind es, welche die meisten Reitsportturniere organisieren. Ohne die ehrenamtliche Mit­hilfe der Vereinsmitglieder gäbe es diese Anlässe nicht.

Die Vereine verlangen von ihren Mitgliedern aber nicht nur Einsatz, sie bieten ihnen auch einiges: Trainings, Ausflüge und kleine interne Turniere. Solche sind primär für die Vereinsmitglieder gedacht, meistens werden aber auch einige Gäste zugelassen: gute Sponsoren, Besitzer von Reitsportanlagen oder ­befreundete Reiter aus der Nachbarschaft. So schafft man Goodwill. Zudem sind diese kleinen Veranstaltungen eine willkommene Gelegenheit, um im vertrauten Umfeld erste Versuche als Sportreiter zu wagen oder ein unerfahrenes Pferd an die Turnierluft zu gewöhnen. 

Streng genommen wären solche Anlässe nicht erlaubt: Im Generalreglement des Schweizerischen Verbands für Pferdesport (SVPS) heisst es, dass ­vereinsinterne Turniere ausschliesslich Vereinsmitgliedern vorbehalten sind. So soll verhindert werden, dass offizielle Turniere konkurrenziert werden, die den Bestimmungen des SVPS unterstehen und die abgabenpflichtig sind. Trotzdem sind Vereinsturniere seit Jahrzehnten Usanz und vom Verband geduldet. 

Hätte der Verein diese Auflagen erfüllt, wären ihm Kosten von mehreren hundert Franken entstanden.

Im letzten Herbst zog der SVPS die Zügel aber an und setzte das Verbot plötzlich strikte durch. Der Reitgesellschaft Volketswil etwa wurde mitgeteilt, dass ihr traditionelles Adventsreiten eine «wilde» Veranstaltung sei – ohne vorherige (gebührenpflichtige) Ausschreibung in den Organen des SVPS, ohne Beizug eines (zu entlöhnenden) Technischen Delegierten und ohne Abgabenzahlungen.

Hätte der Verein diese Auflagen erfüllt, wären ihm Kosten von mehreren hundert Franken entstanden – für einen Anlass mit zwölf gemeldeten Teilnehmenden fürs Springen, elf für die Dressur und mit anschliessendem Raclette-Plausch. 

Vereine leisten viel für die Gesellschaft – aber nur, wenn deren Mitglieder zufrieden sind.

Der SVPS beruft sich in seiner Rechtfertigung unter anderem auf den Tierschutz. Bei Veranstaltungen ohne Kontrolle einer der genannten Fachinstanzen könne dieser nicht gewährleistet werden. Damit liegt der SVPS richtig. Die anderen Auflagen indes machen den Eindruck der reinen Geldmache, ohne jegliche Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse der Basis. 

Die Reaktionen der Vereine, die ihre Kleinstturniere nicht mehr durchführen dürfen, fielen ­heftig aus. Erst nachdem der Verband Ostschweizerischer Kavallerie- und Reitvereine ­angekündigt hatte, eine vereinsfreundlichere Abänderung des Reglements zu beantragen, reagierte der SVPS. Er teilte vorletzte Woche mit, das Reglement in diesem Sinne anzupassen.

Diese Einsicht ist gut – ein schaler Beigeschmack aber bleibt: Warum hat der SVPS nicht von sich aus eine Revision des Generalreglements angepackt, sondern auf Repression gesetzt? So entstand der Eindruck eines Dachverbands, der vom hohen Ross herunter entscheidet und sich um seine Basis foutiert. Vereine leisten viel für die Gesellschaft – aber nur, wenn deren Mitglieder zufrieden sind. Das muss den Dachverbänden bewusst sein.
 

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