×

Sonderstatus ist eine Gefahr für die Sicherheit

Kommentar

Sonderstatus ist eine Gefahr für die Sicherheit

Laurin
Eicher
Freitag, 15. März 2019, 05:15 Uhr Kommentar
SCHWEIZ FLUGZEUG JU-AIR
Damals waren die Schäden noch nicht publik: Chefpilot Andreas Pfisterer vor dem ersten Flug nach dem Absturz.
Keystone

Die Ju-Air drängt seit dem Ende November vom Bazl verhängten Flugverbot darauf, den Flugbetrieb wieder aufzunehmen. Dies ist aus wirtschaftlicher Perspektive nachvollziehbar. Zudem bringt ein Grounding für eine Fluggesellschaft ein Image-Risiko mit sich. Je länger Passagierflugzeuge am Boden bleiben, desto mehr leidet das Vertrauen in die Sicherheit der Oldtimer.

Die «Tante Ju» ist eine Ikone der historischen Luftfahrt und bei Aviatik-Fans sowie weiten Teilen der Bevölkerung beliebt. So genossen die inzwischen 80 Jahre alten Maschinen auch einen Sonderstatus. Bis zum Absturz galten für die drei Ju-52-Flugzeuge besondere Regeln. 

Den auserlesenen Piloten war es erlaubt, Kreten tief zu überfliegen und in der Kabine war ein wildes Hin und Her üblich. Auch beim Unterhalt der Maschinen galten besondere Massstäbe. So war es üblich, dass «Alt» durch «Alt» ersetzt wurde. In der Unglücksmaschine waren etwa Motorenzylinder eines Wracks verbaut, das 60 Jahre lang im Eis gelegen war.

Eigentlich wäre die damalige Praktik mit den hohen Sicherheitsanforderungen, die für die Schweizer Zivilluftfahrt gelten, nicht vereinbar gewesen. Erst mit dem Absturz der HB-HOT traten erhebliche Schäden zu Tage. 36 Jahre flog man ohne einen grösseren Zwischenfall. Nicht auszumalen, wäre der Absturz auf mangelhafte Wartung zurückzuführen.

Dann wäre nicht nur die Ju-Air, sondern auch das Bazl als Aufsichtsbehörde massiv in Erklärungsnot geraten. Sie hätte schon viel früher eine Kontrolltiefe verlangen müssen, die auch Hohlraum-Inspektionen umfasst. Denn wer in der Schweiz in ein Flugzeug steigt, sollte davon ausgehen können, dass für dieses mindestens so hohe gesetzliche Anforderungen an die Sicherheit gelten, wie sie bei den sechs Millionen Strassenfahrzeugen verlangt werden.

Derweil liegen sich die Ju-Air und das Bazl wegen technischen Arbeiten und Kontrollen, die für eine Fluggenehmigung gefordert werden, in den Haaren. Die Ju-Air täte gut daran, sich kooperativ zu zeigen und sich mit den Verantwortlichen des Bazls in Bern an einen Tisch zu setzen. Nur so kann Klarheit darüber geschaffen werden, was zu tun ist, um die Maschinen in einen betriebssicheren Zustand zu bringen. Dies wäre im Interesse aller, die bald wieder eine Ju-52 am Himmel sehen möchten.

Kommentar schreiben

Kommentar senden