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Kommentar

Die Armee braucht ein grösseres Rekrutierungspotenzial

Die Armee bekundet Mühe, ihren gesetzlichen Sollbestand zu alimentieren. Da ist es richtig, die Abwanderung in den Zivildienst zu bremsen. Aber es braucht noch weitere Massnahmen.

Christian
Brändli
Dienstag, 26. Februar 2019, 18:55 Uhr Schlupflöcher sollen gestopft werden
Um den Sollbestand der Armee zu sichern, müssen Schlupflöcher gestopft und neues rekrutierungspotenzial genutzt werden.
Archivfoto: Mano Reichling

Die Armee wird von den Schweizerinnen und Schweizern sehr positiv beurteilt. Über 80 Prozent erachten sie aktuell als notwendig. Wenn es jedoch um den eigenen Beitrag an diese Sicherheitselement zugunsten der Gemeinschaft geht, sieht die Sache anders aus. So hat die Armee zunehmend Mühe, die nötigen Soldaten zu rekrutieren. Dank des Milizsystems ist das Problem in der Schweiz zwar noch weniger akut als in europäischen Ländern mit Berufsarmeen. Die Ausgangslage ist aber die gleiche. In westlichen Gesellschaften nimmt das Verständnis für gemeinschaftliche Organisationen mit einer Notwendigkeit zur Selbstaufopferung ab. 

Zivildienst unattraktiver machen

Vergangene Woche hat der Bundesrat Massnahmen präsentiert, wie er einen Konkurrenten der Armee unattraktiver machen will: Beim Zivildienst werden die Schrauben angezogen. Unter anderem soll nicht nur die Möglichkeit für die begehrten Auslandeinsätze gestrichen werden, auch ein Wechsel nach Beginn der Rekrutenschule in den Zivildienst soll erschwert werden. 

Die Erhöhung der Zulassungshürden zum Zivildienst sind zu begrüssen. Schliesslich geht es darum, den Sollbestand der Armee zu sichern. Der Zivildienst ist sehr nützlich. Alleine: Er wurde einzig geschaffen, um jenen, die aus Gewissensgründen keinen Militärdienst leisten wollen, eine Alternative zu bieten. Der Tatbeweis wird heute damit erbracht, dass Zivis eineinhalb mal mehr Diensttage leisten als jene, die ihren Wehrdienst absolvieren. 

Eigener Nutzen im Vordergrund

Wie Befragungen, aber auch die Entwicklung der Zulassungszahlen zeigen, steht die Gewissenfrage heute nicht mehr im Vordergrund bei der Wahl zwischen Militär- und Zivildienst. Der eigene Nutzen, die Annehmlichkeit und auch die persönliche Sinnhaftigkeit sind entscheidend. In diesen Punkten wird die Armee immer die schlechteren Karten haben. In ihr ist man rund um die Uhr im Dienst, kann nicht für den Ausgang in Zivil wechseln und abends ins eigene Bett hüpfen. Auch die Möglichkeiten, für die berufliche Laufbahn etwas mitzunehmen, sind sehr eingeschränkt. Ganz anders im Zivildienst, der sich nicht nur nach den üblichen Arbeitszeiten richtet, sondern auch als Praktikum für einen Berufseinstieg oder im Sinne eine Weiterbildung genutzt werden kann. 

Ihren Betrieb kann die Armee kaum attraktiver gestalten. Dieser muss sich nach dem Auftrag richten. Und das bringt es mit sich, dass gewisse Aufgaben, beispielsweise die Bewachung, für den Einzelnen wenig sinnstiftend sein können, auch wenn sie als Ganzes sinnvoll sind. Eine Attraktivitätssteigerung kann die Armee aber erreichen, indem es eine echte Entlöhnung für den Dienst und vor allem für die Kaderausbildung gibt. 

Untauglichkeitsziffer senken

Um den Armeebestand zu sichern, reichen Verschärfungen alleine beim Zivildienst nicht aus. Es gilt noch ein grosses Schlupfloch zu stopfen: Es darf nicht sein, dass in gewissen Kantonen bis zu einem Drittel der Stellungspflichtigen sich auf dem blauen Weg, also aus medizinischen Gründen, vor jeglichem Dienst drückt. In der Armee und im Zivilschutz gibt es viele Aufgaben, in denen auch physisch Beeinträchtigte gut eingesetzt werden können.

Und schliesslich soll auch das riesige Potenzial der Frauen besser für den Dienst zugunsten der Gemeinschaft und der Sicherheit unseres Landes genutzt werden.  

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