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«Frag den Doktor»: Zecken

«Die Zecke langsam, hautnah und kontrolliert entfernen»

Ein Zeckenstich ist kaum zu spüren, kann aber weitreichende Folgen haben. Es gibt zahlreiche Krankheiten, die durch die kleinen Tiere übertragen werden. Mit einfachen Massnahmen lässt sich allerdings das Risiko einer ernsthaften Erkrankung mindern.

Sebastian
Schuler
Dienstag, 12. Juli 2022, 13:26 Uhr «Frag den Doktor»: Zecken

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit dem Spital Uster.

Sie lauern in Wäldern, Wiesen und Gärten und warten auf einen geeigneten Wirt zum Aussaugen. Mit den warmen Temperaturen steigt auch wieder die Gefahr, bei einem Ausflug ins Grüne von einer Zecke gestochen zu werden. «Zecken gehören zu den Spinnentieren. Sie sind sogenannte Parasiten und brauchen Blutmahlzeiten, um wachsen zu können», erklärt Nina Durisch, Leitende Ärztin Innere Medizin und Fachärztin Infektiologie am Spital Uster.

Zecken sind zwischen März und September aktiv und kommen in der Regel in Breitengraden unter 2000 Metern vor. «Mit den Auswirkungen des Klimawandels verlängert sich aber auch ihre Aktivität und ihr Ausbreitungsgebiet wird grösser», sagt Durisch. Das zur Entwicklung und Fortpflanzung benötigte Blut holen sich die Zecken etwa bei Hunden, Katzen oder Rehen – aber auch bei Menschen. «Der Blutverlust ist für den Wirt dabei kein Problem. Weitaus problematischer sind die Krankheiten, die dadurch übertragen werden können.»

Zecken rasch entfernen

Aber nicht jeder Zeckenstich bedeutet auch gleich eine Krankheitsübertragung. «Bis das geschieht, muss die Zecke über eine längere Zeit saugen können. Und längst nicht jedes Exemplar trägt Viren oder Bakterien in sich», sagt Durisch. So geht man davon aus, dass in der Schweiz 5 bis regionsweise 50 Prozent der Zecken Träger des Erregers Borrelia Burgdorferi sind. Dieser löst die Krankheit Lyme-Borreliose aus. Sie zählt mit der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) zu den am häufigsten durch Zecken übertragenen Erkrankungen in der Schweiz.

Porträbild von Dr. med. Nina Durisch, Leitende Ärztin Innere Medizin und Infektiologie am Spital Uster.
Dr. med. Nina Durisch ist Leitende Ärztin Innere Medizin und Infektiologie am Spital Uster.
Foto: PD

Nach einem Waldspaziergang oder einem Gang durch hohes Gras ist es deshalb sehr wichtig, sich gleich nach ungebetenen Gästen abzusuchen, damit sie möglichst rasch entfernt werden können. «Zecken sind sehr clevere Tiere. Sie halten sich meist dort auf, wo man sie schlecht findet. Beispielsweise hinter den Ohren, in den Leisten, den Achselhöhlen oder den Kniekehlen.»

Um eine Zecke richtig zu entfernen, benützt man am besten eine normale Pinzette oder speziell dafür angefertigte Zeckenpinzetten. «Die Zecke sollte dabei am Saugapparat, also ganz vorne am kleinen, hautnahen Teil gepackt und ohne drehen langsam herausgezogen werden», erklärt Durisch. Vermieden werden sollten Hausmittel wie Öle oder Nagellackentferner. Diese können bei Zecken Atemnot auslösen, sodass mögliche Krankheitserreger ebenfalls schneller ins Blut gelangen. «Der Grundsatz bei der Zeckenentfernung ist: langsam, hautnah und kontrolliert.»

Einstichstelle beobachten

Ist die Zecke entfernt, sollte man die Einstichstelle in den nächsten Tagen gut beobachten. «Beim Frühstadium der Borreliose zeigt sich typischerweise nach 3 bis maximal 30 Tagen die sogenannte Wanderröte. Das ist ein roter Fleck, der sich um die Einstichstelle ausbreitet und in der Mitte immer mehr verblasst.» Zusätzlich können Grippesymptome und Gelenkschmerzen auftreten. In diesem Moment ist der Punkt gekommen, sich bei einer Ärztin oder einem Arzt vorzustellen.

Während die Borreliose mit einer Antibiotikatherapie je nach Krankheitsstadium innert zwei bis vier Wochen behandelt und geheilt werden kann, gibt es für die FSME keine gezielte Therapie. Die Krankheit verläuft meist in zwei Phasen ab, wobei nach einer ersten grippalen Phase in einem zweiten Stadium eine Entzündung des Hirns und der Hirnhaut stattfindet. «Bei der FSME können nur die Symptome behandelt werden und häufig ist danach eine Rehabilitation notwendig, um alle Fähigkeiten wiedergewinnen zu können», sagt Durisch.

Wertvolle FSME-Impfung

Gerade weil die Frühsommer-Meningoenzephalitis nicht therapierbar ist, ist die Impfung dagegen umso wichtiger, betont die Infektiologin. «Mit der FSME-Impfung ist ein hochwirksamer Schutz vorhanden, der für Menschen in unseren Breitengraden enorm wertvoll ist.» Noch ungeimpften Personen rät Durisch, sich beim Hausarzt, der Hausärztin oder in einer Apotheke diesbezüglich beraten zu lassen.

Daneben kann man auch Vorkehrungen treffen, damit es gar nicht erst zu einem Zeckenstich kommt. «Entgegen landläufiger Meinung springen Zecken nicht von Bäumen oder von Ort zu Ort, sondern sie werden von langen Gräsern oder Büschen abgestreift.» Entsprechend kann man sich schützen, indem man lange Hosen anzieht und die Socken über die Hosenbeine stülpt, damit die kleinen Schmarotzer gar nicht erst ihren Platz zum Blutsaugen erreichen.