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Krimi-Sommerserie

Insta-Post wird zum Verhängnis: Das sind die besten Geschichten zum ersten Comic

In diesem Sommer kommt es im Oberland zu mysteriösen Kriminalfällen. Unsere Autorin Illustrierte den Ort unseres ersten Falles – und mithilfe Ihrer Fantasie löste sich nun das Rätsel um die tote Frau im Geröll. Hier finden Sie die besten Einsendungen.

Mara
Schneider
Dienstag, 19. Juli 2022, 07:30 Uhr Krimi-Sommerserie

Wir wollten von der Leserschaft wissen, welche Geschichte wohl hinter den drei Bildern stecken könnte. Das sind die zwei besten Geschichten:

Die Tote im Geröll

Der Mann wirft den Stock.

Nur noch ein wenig weiter nach links, das sanfte Licht schmeichelt dem Teint. Sie spitzt den Mund zu einem Duckface.

Ungestüm prescht der Hund davon.

Ah nein, Duckface ist out. Das hat sie gestern im Magazin bei ihrer Hair-Stylistin gelesen. Jetzt ist Fish Gape angesagt.

Seine Pfoten trommeln über den Uferweg und wirbeln den Kies in alle Richtungen.

Sie entspannt das Gesicht und öffnet den Mund leicht, ohne dass man dabei die Zähne sieht.

Die Ohren drehen sich im Kreis wie die Propeller eines Kleinflugzeuges.

Oder doch eher etwas weiter an den Abgrund? Das macht mehr Eindruck und die neuen Sneakers kommen besser zur Geltung.

Er hechelt und seine Zunge schlabbert hin und her.

Nur noch ein Schritt nach hinten. So, jetzt lächeln, abdrücken und auf Insta posten …

Plötzlich durchschneidet ein gellender Schrei die Idylle am See. Eine Ladung Geröll donnert den Hang herunter und begräbt den Uferstreifen unter einer Wolke von Staub und Schutt. Im Zeitlupentempo fällt der Staub zu Boden und der Nebel lichtet sich. Der Mann eilt zum Hund und sieht mit Schrecken, was dieser entdeckt hat. Eine junge Frau liegt auf dem Boden. Genickbruch, aber das Handy ist noch ganz. Ein hübsches letztes Selfie ist darauf zu sehen. Es wird auf der Todesanzeige zur Geltung kommen.

Autorin: Alexandra Fink, Wila

Zottel auf der Spur

Der Einfachheit halber stelle ich mich gerade selber vor: Ich bin ein brauner, langhaariger Spaniel und heisse Zottel, Zottel von Guckhausen. Ich lebe in einer Familie mit Vater, Mutter und zwei Kindern. Gut, die Kinder leben nicht mehr zu Hause und ich bin allein Meister. Allerdings, Meister sind die beiden erwachsenen Menschen, Mutter und Vater. Ich nenne sie so, weil sie dann meinen, sie hätten mir zu befehlen. Doch weit gefehlt: Ich, Zottel, habe das Sagen.

Mein Fell ist wirklich zottlig, fällt mir über die Augen, und alle, besonders Vater und Mutter meinen, ich würde nicht allzu viel sehen. Doch auch das ist falsch. Ich sehe mit meiner Nase. Nichts entgeht mir. Immerhin, ich bin ein Jagdhund. Da das Wetter so heiss ist und man keinen Hund nach draussen jagt, auch Jagdhunde nicht, fuhren wir weg vom Oberland in die Ferien ins Engadin.

Dort am Gletschersee gefiel es mir besonders gut und beim Jagen nach dem Stöckchen kam ich in Schwung. Meine Haare wirbelten auf, so dass ich wirklich rasant spurten konnte und meine Beute – zack – im Auge behielt, bis... Irgendwas klirrte, spritzte unter meinen Pfoten und donnerte. In kurzer Zeit verschwand ich in einer Schnee- und Eiswolke. Was blieb mir anderes als: «wuff, wuff"». Hilfe!

Kurz davor, muss ich noch erwähnen, hatte sich die Mutter von uns entfernt, weil sie so grossen Durst hatte. Hatte ich doch auch. Doch Hunde müssen ausharren. Der Vater hatte wahrscheinlich vorher ein Bier getrunken und überhaupt kurz die Übersicht verloren. Klar, da musste ich eingreifen. Die Wolke aus Eis, Schnee und Staub irritierte mich, und ich kläffte so laut ich konnte. Geduld, das haben wir Hunde ja sowieso.

Die Wolke verflüchtigte sich, löste sich weitgehend auf. Und was entdeckte ich da zwischen Geröll und Felsen: Meine Mutter, die angeblich Durst gehabt hatte. Sie lag ausgebreitet am Ufer des kalten Sees und schien tot zu sein. Ihr Handy lag daneben, auch das hatte ihr nichts genützt. Schnell nochmals «wuff, wuff» - schon eilte Vater herbei, der über Steine den Weg durch die Wolke finden musste.

Geröll überall und die Mutter dazwischen. Jetzt war die Hilfe der Menschen gefragt. Wenn ich zeichnen könnte, würde ich den Ausgang dieser Geschichte jetzt verraten. Doch das ist halt höhere Materie für einen Jagdhund. Ich habe andere Aufgaben. Eines allerdings: Vater hatte den Stock, dem ich nachgejagt hatte, nicht vergebens in die Schneewand geschossen. Dadurch, dass die Dampfsuppe mir den Weg wies, die nur kurz irritierte, hat sie mir doch gezeigt, wo durstige Menschen zu finden sind, die erschöpft und kraftlos einen Ausweg suchen.

Autorin: Susi Hofmann, Rüti

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