×
Dani Sigel, CEO der ZO Medien AG

«Die publizistische Unabhängigkeit bleibt in jedem Fall gewahrt»

Im nächsten Jahr wird das Volk über das Medienpaket abstimmen. Damit sollen die Medien in der Schweiz neu während sieben Jahren direkt und indirekt mit 120 Millionen Franken mehr gefördert werden. Dani Sigel, der CEO der Zürcher Oberland Medien AG, erklärt die Bedeutung dieser Vorlage.

Michael
Kaspar
Freitag, 08. Oktober 2021, 16:08 Uhr Dani Sigel, CEO der ZO Medien AG
Dani Sigel, CEO der Zürcher Oberland Medien AG.
Archivfoto: ZO Medien AG

In der Sommersession wurde das Paket vom Parlament beschlossen. Dagegen hat ein Komitee unter dem Präsidium von Alt Nationalrat Peter Weigelt (FDP, SG) das Referendum lanciert und diese Woche eingereicht. Auf der anderen Seite hat sich ein parteiübergreifend abgestütztes Komitee «Die Meinungsfreiheit» formiert, das sich für ein Ja einsetzt. In diesem sind unter anderem mittlerweile 77 Parlamentarier vertreten.

Dani Sigel, Sie sind CEO der Zürcher Oberland Medien AG und ein Befürworter des Medienpakets. Braucht Ihr Medienunternehmen wirklich staatliche Unterstützung?
Ja, selbstverständlich. Die Mittel ermöglichen es uns, den Transformationsprozess mit hohen Erfolgsaussichten zu gestalten. Bisher erhalten wir fast keine Fördergelder, weil nur die Postzustellung subventioniert wird. Wir vertreiben unsere Produkte zu 95% mit der Zustellorganisation «Presto».

Besteht nicht die Gefahr, dass damit Unternehmen künstlich am Leben erhalten werden, die im Markt nicht überlebensfähig sind?
Der Markt reguliert sich unabhängig davon selber. Die indirekte Presseförderung gibt es seit der Gründung unseres Bundesstaates und in diesen über 200 Jahren sind viele Medienprodukte gegründet, zusammengelegt oder eingestellt worden.

Sie sind auch Präsident des Verbandes der Schweizer Regionalmedien, in dem viele Gratiszeitungen organisiert sind. Diese würden aber leer ausgehen. Wie geht das zusammen?
Leider nicht. Wir kämpfen seit Jahren im Verband für gleichlange Spiesse aller Mediengattungen in der Schweiz. Dieses Ziel behalten wir im Auge. Allerdings braucht es dazu noch viel Aufklärungsarbeit und Einsicht in Bern.

Zeitungen profitieren heute schon von einem reduzierten Mehrwertsteuer-Satz, von Vorzugstarifen bei der Post sowie verschiedenen Werbeeinschränkungen für Radio und Fernsehen, welche zur Unterstützung der Printmedien erlassen worden sind. Reicht das denn nicht?
Aus unserer Sicht nicht. Die Nutzerzahlen steigen, aber die Wirtschaftlichkeit des Bezahljournalismus im Internet ist nicht gesichert. Die Übergangsphase ins Digitale ist höchst anspruchsvoll, vor allem für kleinere Verlage, die überproportional von der Onlineförderung profitieren würden.

Während kostenlose Online-Medien keinen einzigen Rappen an Subventionen erhalten, bekommen unter Umständen deren direkte Konkurrenten grosszügige Unterstützung? Das ist doch eine Verzerrung des Wettbewerbs.
W
ie bereits erwähnt sind die Spiesse tatsächlich ungleich verteilt. Das ist am Ende eine Frage der gesetzlichen Gleichstellung von Bezahl- und Gratismedien.

Die staatliche Unterstützung ist auf sieben Jahr befristet. Was passiert danach? Das grosse Zeitungssterben, wenn der Batzen vom Staat gestrichen wird?
Das weiss ich nicht. Wir werden die Mittel gezielt in den Transformationsprozess einsetzen und die digitale Zukunft unseres Medienhauses.

Die Gegner befürchten, dass Medien, die von staatlichen Subventionen profitieren, nicht mehr im gleichen Masse kritisch gegenüber diesem Staat sein können. Sehen Sie diese Gefahr auch?
Diese Kritik entbehrt jeglicher Grundlage. Die aktuelle und die künftige Förderung ist indirekt. Die Vertriebsförderung orientiert sich ausschliesslich an der Anzahl der vertriebenen Exemplare. Die Online-Förderung wird aufgrund der Abo-Erlöse ausgerichtet. Andere Förderkriterien gibt es nicht. Die publizistische Unabhängigkeit bleibt vollständig gewahrt.

Kommentar schreiben