×

«Leute sind kaum bereit, für Journalismus zu zahlen»

Kommentar zu No Billag

«Leute sind kaum bereit, für Journalismus zu zahlen»

Am 4. März wird darüber abgestimmt, ob die Erhebung der Billag-Gebühren verboten wird. «Sich darauf zu verlassen, dass die SRG dank Abo-Einnahmen in ähnlichem Umfang weiter senden kann, ist brandgefährlich», schreibt Mike Gadient, Chef vom Dienst bei Züriost.

Mike
Gadient
Montag, 26. Februar 2018, 12:58 Uhr Kommentar zu No Billag
Darauf wetten, dass genügend Personen nur schon für ein «Tagesschau»-Abo zahlen, soll man definitiv nicht, findet Mike Gadient, Chef vom Dienst.

SRG-Direktor Gilles Marchand sagt klipp und klar, dass ein Ja zur «No-Billag»-Initiative «das Ende der heutigen SRG» wäre. Die Initianten vertrauen derweil auf die «Kraft des Marktes». Die SRG könne sich bei einer Annahme um eine Konzession bemühen, sich durch Werbung und Abos finanzieren.

Leider ist der hohe Ertrag durch den Abo-Verkauf reines Wunschdenken, wie folgendes Beispiel zeigt. Anfangs April 2016 hat die Zürcher Oberland Medien AG ein Online-Abo für das Nachrichtenportal Züriost eingeführt. Die Leserzahlen zuvor stimmten zuversichtlich, dass dieser Schritt gewagt werden kann. Denn so lange die Meldungen aus der Region gratis waren, stiessen sie auf reges Interesse. Ausserdem wurden zuvor nur Kurzmeldungen der Tageszeitungen online gestellt – heute wird dem Leser online viel mehr geboten.

 

Jedoch bewegt die qualitative Aufwertung des Onlinekanals mit Geschichten aus dem Wohnort wenige Leser dazu, ein Jahresabo für 85 Franken zu lösen. Die Klickzahlen brachen gegenüber früher um 75 Prozent ein. Die Einnahmen im Online-Bereich reichen nicht, um die Löhne der Regionaljournalisten zu zahlen.

Auch andere Medienhäuser haben zu kämpfen: Tamedia kommt bei den Digital-Abonnenten ebenfalls auf keine zufriedenstellende Anzahl, Ringier wagt den Schritt erst gar nicht. Sich also darauf zu verlassen, dass die SRG dank Abos in ähnlichem Umfang weiter senden kann, ist brandgefährlich.

Immerhin: Gemäss einer Demoscope-Umfrage wäre fast die Hälfte der Schweizer bereit, bei einem Ja zu «No Billag» 200 bis 300 Franken für die SRG zu bezahlen. 17 Prozent sogar 400 Franken. Allerdings hat auch die ZO Medien AG vor der Einführung des Online-Abos eine Umfrage gemacht. Von den vielen Personen, die beteuerten, für regionalen Inhalt zu zahlen, haben bis heute die wenigsten ihr Portemonnaie geöffnet.

Darauf wetten, dass genügend Personen nur schon für ein «Tagesschau»-Abo zahlen, soll man definitiv nicht. Die Erfahrung zeigt, dass viele nur bereit sind, für Unterhaltung zu bezahlen. Der Online-Dienst Netflix oder Sportsender wie «Sky» und «MySports» konnten Zuschauer für sich gewinnen. Informationen zu verkaufen, gestaltet sich dagegen als sehr schwierig. Wenn nur wenige bereit sind für exklusive Inhalte über ihre Wohnregion zu zahlen, wie wenige werden es dann bei der SRG für nationale und internationale Meldungen sein? Schliesslich können diese Artikel und Videos auf anderen Schweizer Nachrichtenportalen weiterhin gratis konsumiert werden.    

 

Darum geht es bei der No-Billag-Initiative

Die Initiative, über die am 4. März abgestimmt wird, will den Artikel 93 ändern. Nach neuem Wortlaut würde darin stehen, dass der Bund in Friedenszeiten keine eigenen Radio- oder Fernsehstationen mehr betreibt. Damit würde die Erhebung der Billag-Gebühren verboten werden und bei der SRG würden rund 75 Prozent der Einnahmen wegfallen. Einen Gegenvorschlag gibt es nicht.

Kommentar schreiben

Kommentar senden