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Leidenschaft ohne Verfallsdatum

Roman Hangarter lebt Fussball. Der 42-Jährige arbeitet im Zürcher Fussballverband, ist Assistent des Frauen Nationalteams und spielt in seiner Freizeit beim 3. Ligisten Brüttisellen.

Donnerstag, 05. November 2009, 09:00 Uhr

Als kleiner Junge trug Roman Hangarter in Dietlikon stets einen Fussball mit sich. Vor und nach der Schule war Fussball spielen angesagt. Alles andere geriet zur Nebensächlichkeit. Rund 35 Jahre später trägt Roman Hangarter immer noch Fussbälle. Am Donnerstag Nachmittag einen schwarzen Sack voll auf den Fussballplatz in Kloten, wo er ein Stützpunkttraining für die U-17-, U-19- und A-Nationalteam- spielerinnen aus dem Zürcher Einzugsbereich leitet. Die Leidenschaft für die Sportart ist über all die Jahre geblieben. Sie bestimmt Hangartes Berufsalltag und seine Freizeit gleichermassen. «Ich träume vom perfekten Spiel», sagt er, wohl wissend, wie unerreichbar das Ziel ist. Als technischer Leiter im Fussballverband Region Zürich (FVRZ), Assistenztrainer in der Schweizer Frauennationalmannschaft und Spieler in seinem Stammklub Brüttisellen in der 3. Liga erhält Hangarter wenigstens ausreichend Gelegenheit, dem Traum nachzujagen. Als Trainer und auch als Aktiver auf dem Fussballplatz.

Weiterspielen so lange es geht

«Ich brauche das Fussball spielen, für meine Balance ist es wichtig», sagt Hangarter und unterstützt seine Worte gestenreich. Er sei ein Mannschaftssportler, geniesse das Zusammensein mit anderen Fussballern und die Atmosphäre in der Kabine. 42-jährig wurde Hangarter Mitte August. Kein Grund für den schlaksigen Mann, über das Aufhören nachzudenken. «Natürlich bin ich langsamer geworden. Solange ich in der 3. Liga aber mithalten kann, spiele ich weiter.» Aber wie geht er damit um, dass er vorwiegend mit deutlich jüngeren Akteuren spielt? Und dabei teilweise auch die Söhne von Kollegen, wie etwa von Dübendorf-Trainer Robert Merlo, an seiner Seite hat? «Das ist speziell», sagt Hangarter. Weil die Jungen ihm respektvoll gegenübertreten, ist es für ihn dennoch kein Problem. Jünger als Hangarter ist auch FCB-Trainer Davide Cerullo. Dieser gibt unumwunden zu: «Am Anfang habe ich mir überlegt, ob das wirklich gut gehen kann.» Seine Zweifel verflogen rasch. Der FCB-Trainer schätzt Hangarter als loyalen, zuvorkommenden und äusserst zuverlässigen Menschen. «Und sein Ehrgeiz auf dem Feld imponiert mir.»

Im Zick-Zack durch die Schweiz

Die Passion für das Spiel war seit jeher Hangarters Markenzeichen. Der als Innenverteidiger oder im Mittelfeld eingesetzte Spieler war nie ein Künstler. «Die Physis war immer mein Plus, lange Läufe entlang der Seitenlinie meine Stärke.» Kein Wunder, dass Hangarter die Geradlinigkeit des englischen Fussballs schätzt. Die eigene Karriere hinterliess dagegen auf der Schweizer Landkarte einen Zick-Zack-Kurs. Von seinem Stammverein Brüttisellen aus wechselte er als junger Spieler in den Nachwuchs des FC St. Gallen. Danach standen jeweils für ein Jahr GC (NLA), Basel, Chur und Chiasso (alle NLB) auf seinem Programm, ehe er für zwei Saisons bei der AC Bellinzona (NLB und 1. Liga) unter Vertrag war. Die Gründe der Wechsel waren vielfältig: Der fehlende Stammplatz bei GC, der Kniescheibenbruch in Basel oder ganz einfach, weil ihn das Tessin als Gegend reizte. Früh hat Hangarter dabei entschieden, nicht alles auf die Karte Fussball zu setzen, sondern der Ausbildung Priorität einzuräumen. Ein Schritt, der sich für den ausgebildeten Turn - und Sportlehrer rückblickend gelohnt hat. Auch wenn das neben seiner Fussballkarriere absolvierte ETH-Studium wohl der Hauptgrund war, weshalb sich Hangarter im Profifussball nicht durchsetzte.

Vielseitigkeit als Pluspunkt

Und doch spielte der Fussball Zeit seiner Berufstätigkeit die zentrale Rolle. Während seiner letzten NLB-Saison (Gossau) 1996 arbeitete er bei einem grossen Sportartikelherrsteller, danach bei einer Vermarktungsagentur im Sportbereich. Seit rund sieben Jahren ist er als technischer Leiter im FVRZ zuständig für die Trainerausbildung, die Regionalauswahlen, für den Mädchen-und Frauenfussball und den Breitenfussball allgemein. Ein Aufgabenkatalog, der Flexibilität und Vielseitigkeit voraussetzt. Eine Tätigkeit, die Büroarbeiten ebenso beinhaltet wie die Arbeit als Trainer auf dem Platz. «Diese Bandbreite macht den Job äusserst interessant.» Und wo steht Roman Hangarter in zehn Jahren? Es scheint, als habe der Fussballenthusiast, der vor seiner Rückkehr nach Brüttisellen 2003 mehrere Jahre lang Spielertrainer in Seuzach war, auf die Frage gewartet. «In zehn Jahren bin ich Profitrainer». Die Überzeugung in Hangarters Stimme lässt keinen Zweifel daran, dass er seine Absicht umsetzen wird.

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