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Kleiner Bruder des grossen Bären

Škoda Karoq Style 2.0 TDI 4x4

Kleiner Bruder des grossen Bären

Der neue Kompakt-SUV Škoda Karoq ist das zweite SUV des tschechischen Herstellers in diesem Jahr. Er unterscheidet sich äusserlich nur minim im Aussehen vom Kodiaq, der diesen Frühling auf den Markt kam. Von der Qualität her ein gutes und solides Fahrzeug. Man kann sich aber fragen, ob es nicht besser gewesen wäre, hätte Škoda mit der Markteinführung noch etwas zugewartet.

Gerold
Schmid
Samstag, 25. November 2017, 11:00 Uhr Škoda Karoq Style 2.0 TDI 4x4

Die Tschechen geben Gas. Škoda bringt mit dem neuen Kompakt-SUV Karoq bereits das zweite SUV in diesem Jahr auf den Markt. Im Frühjahr lancierte der Hersteller den ­Kodiaq und nun den Karoq.

Alaska als Namenpate

Es ist offensichtlich, dass bei der Namengebung der beiden Wagen die Region Alaska Pate stand. Der Name Kodiaq stammt vom Kodiak-Bären ab, der in der Region Alaska zu Hause ist, der Name Karoq entstammt der Sprache der Alutiiq, einem Eingeborenenstamm auf einer Insel nahe der Südküste Alaskas. Er ist eine Kombination aus den Begriffen Kaa’raq (Auto) und Ruq (Pfeil).

Äusserlich fast identisch

Nicht besonders verwunderlich, dass der Karoq vom Äussern her wie der kleinere Bruder des Kodiaq aussieht. Erst auf den zweiten Blick sieht man, dass die Lichtsignatur, die Frontpartie und die Linienführung bei den Seitenfenstern beim Karoq gegenüber dem Kodiaq kleine Unterschiede aufweisen. Zudem ist der Karoq rund 30 Zentimeter kürzer, 4 Zentimer weniger breit und 7 Zentimeter weniger hoch. Der Radstand des Karoq ist gut 15 Zentimeter kürzer als der des Kodiaq.

(Noch) ohne virtuelles Cockpit

Beim Betrachten des Cockpits macht sich bei mir als Technik-Freak eine kleine Enttäuschung bemerkbar. Statt des virtuellen Cockpits, das im Hochglanzprospekt beschrieben wird, finde ich zwei analoge Instrumente mit einem Display dazwischen. Ich konsultiere nochmals den Prospekt und sehe, dass diese Option «voraussichtlich ab Juni 2018» bestellbar ist. Der Sitzkomfort und die hochwertige Ausführung des Interieurs sowie das grandiose Panoramadach trösten darüber hinweg. Das Cockpit ist funktionell, alle wichtigen Bedienelemente sind in Reichweite des Fahrers.

Eine alte Idee neu gedacht

Richtig der Hammer ist im Fond die Varioflex Option (Sonderausstattung 410 Franken). War es früher in Vans üblich, dass nicht benötigte Sitze im Fond entfernt werden können, verschwand diese Option mit dem Aufkommen der SUV. Škoda hat diese Idee wieder aufgenommen.
Varioflex besteht aus drei getrennten Rücksitzen. Jeder dieser Sitze kann einzeln umgeklappt und die äusseren beiden auch ausgebaut werden. Das Ausbauen geschieht mit wenigen Handgriffen und kann von einer Person gemacht werden. Das ist wirklich «simply clever» und bietet alle nur erdenklichen Optionen für den Autoalltag.


Leicht und präzise zu fahren

Der Kodiaq fährt generell sehr gut, leise und präzise. Das ­Fahrwerk ist gut abgestimmt Dadurch, dass beim 4x4 die ­Hinterachse automatisch zu­ge­schaltet wird, verhält sich der Karoq sehr fahrstabil. Der 2-Liter-Vierzylinder-SCR-Diesel ist mit dem bewährten 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe des VW-Konzerns verbunden.
Im unteren Drehzahlbereich sackt der Motor leicht ab, was wohl an der Ansteuerung liegt und nicht an mangelndem Drehmoment. Der Kodiaq ist ja kein Sportwagen. Die 110 kW (150 PS) reichen aus für eine ­zügige Fahrt. Schade, dass der 190 PS starke Diesel erst gegen Mitte 2018 zu haben ist.
Von den fünf zur Auswahl stehenden Fahrmodi kommen nur zwei wirklich zum Zug. Das ist der Eco-Modus, bei dem sich der Motor im Leerlauf vom Antriebsstrang abkoppelt und den Wagen segeln lässt. Und dann der Modus Snow, der vor allem in unseren Gegenden im Winter gebraucht wird. Die anderen beiden, Normal und Sport, erachte ich als Spielerei.
Und auch da: Wer eine adaptive Fahrwerksregelung wünscht, muss sich gedulden. Denn diese ist erst ab Juni 2018 bestellbar.

Digital vernetzt

Die digitale Vernetzung im ­Karoq ist Spitze und auf dem neuesten Stand. Wirklich kein Wunsch bleibt hier offen, das eigene Smartphone lässt sich ganz ins System integrieren. Die Brillanz und Anzeige des 9,2-Zoll-
Touchscreens überzeugen. Nur etwas habe ich vermisst: einen Drehknopf für die Lautstärke­regelung. Dieser Knopf ist durch zwei Berührungssensoren + und – auf dem Touchscreen ersetzt worden. Etwas umständlich, so während der Fahrt die Lautstärke zu regeln.

Viele Assistenten erhältlich

Die eingebauten Assistenzsysteme machen Sinn, wie etwa die City-Notbremsfunktion. Wer einen ACC wünscht, der muss nochmals 290 Franken in die Hand nehmen; die Option Spurhalte- und Totwinkelassistent gehört ebenfalls zu den Mehrausstattungen und kostet 780 Franken. Am besten fährt man bei einem Wagen mit DSG mit einem der optionalen Sicherheitspakete.

Fazit: Der Škoda Karoq ist ein Kompakt-SUV mit zeitloser, eleganter Form. Er ist ein auf den Alltag ausgerichtetes, praktisch solides Fahrzeug mit
vielen «cleveren» Features und Optionen – ein «echter» Škoda. Er fährt sich unaufgeregt, ruhig und hat eine gute Bodenhaftung. Und ist vom Preis her fair. Das Einstiegsmodell, mit einem 85 kW starken Benzinmotor, Frontantrieb und manuellem 6-Gang-Getriebe gibt es ab 25’590 Franken. Die teuerste Variante mit 110 kW starkem Diesel und 7-Gang-DSG gibt es ab 38’190 Franken.
So weit, so gut. Warum aber, frage ich mich, sind Virtual Cockpit, 190 PS Diesel und adaptive Fahrwerksregelung erst zu einem viel späteren Zeitpunkt erhältlich? Hätte Škoda nicht besser noch zugewartet mit der Markteinführung? Meine Vermutung geht in Richtung Konzernstrategie von VW. Ein Karoq, unbedingt Ja, aber wer noch ein bisschen mehr will, bitte noch etwas Geduld bis Mitte 2018.

Technische Daten

Škoda Karoq Style 2.0 TDI 4x4 mit Mehrausstattung

Motor: 4-Zylinder TDI-CR, SCR
Treibstoff: Diesel
Hubraum: 1968 cm3
Leistung: 110 kW/150 PS
Drehmoment: 340 Nm
Getriebe: 7-Gang DSG  
Normverbrauch: 5,2 l/100 km
Testverbrauch: 6,6 l/100 km
CO2-Emissionen: 138 g/km
Abgasnorm: Euro 6
Energieeffizienzklasse D
NCAP-Sterne: 5
Ladevolumen: 521–1810 l
Grundpreis: ab Fr. 38'190
Testwagen: Fr. 47'667

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