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Kinder brauchen ihre Väter

Kommentar zur Studie «Teilzeitarbeit macht Väter unglücklich»

Kinder brauchen ihre Väter

Klartext von Redaktorin Annette Saloma über die gesellschaftliche Stellung von Vätern, die sich in die Erziehung der Kinder einbringen.

Annette
Saloma
Donnerstag, 19. Juli 2018, 21:20 Uhr Kommentar zur Studie «Teilzeitarbeit macht Väter unglücklich»
Kinder brauchen ihre Väter - nicht nur am Wochenende und in den Ferien. (Foto: Pixabay)

Der deutsche Soziologe Martin Schröder untersuchte in einer kürzlich veröffentlichten Studie das Verhältnis von Arbeitszeit und Lebenszufriedenheit in Deutschland. Fazit: Väter, die 100 Prozent arbeiten, sind zufriedener als Väter, die Teilzeit arbeiten und häufiger zu Hause sind. Dies bestätigen laut Schröder auch Zahlen aus der Schweiz.

Die Frage ist nur: Weshalb ist das so? Ist es, weil Kinder nicht per se glücklich machen? Kinder aufzuziehen wird oft verklärt. Von wegen «Sie geben so viel zurück und ihr Lachen ist der grösste Lohn.» Es ist bisweilen ein sehr anstrengender und völlig undankbarer Job. Man gibt und gibt und gibt und zurück kommt wenig, schon gar keine Anerkennung. Das ist im Job schon anders. Mancher Mann ist froh, wenn er sich in die Arbeit flüchten kann.

Und glauben Sie mir, auch vielen Frauen geht es so. Aber einer Frau, die hochprozentig arbeitet, weht keine Anerkennung sondern ein harter Wind entgegen. Sie muss sich Fragen gefallen lassen wie «Warum hast du überhaupt Kinder, wenn du so viel arbeitest?» Niemand würde auf die Idee kommen, diese Frage einem Vollzeit arbeitenden Vater zu stellen.

Ausserdem werden hierzulande Familien, die eine unkonventionelle Rollenteilung leben, oft belächelt, gerade in eher ländlicheren Gegenden. Karriere zu machen ist im Teilzeitjob zudem nahezu unmöglich – egal ob für Frauen oder für Männer. Und in den Augen gewisser Menschen ist ein Mann, der Halbzeit arbeitet, nur ein halber Mann.

Ein Grund dafür ist, dass es den Vätern an Vorbildern fehlt. Der eigene Vater arbeitete oft Vollzeit, was dem Buben signalisierte, dass er Wichtigeres zu tun hat, als sich um die Kinder zu kümmern – und dies Frauensache ist. Auch in der Krippe, der Spielgruppe, im Hort, oft in der Primarschule – viele Frauen, kaum Männer.

Interessant wäre zu wissen, wie es um die Zufriedenheit von Vätern in Ländern steht, wo die Gleichberechtigung in Beruf und Familie gesellschaftlich akzeptiert ist und gefördert wird – beispielsweise in Schweden. Soziologe Schröder räumt ein, dass dort die Ergebnisse anders aussehen könnten.

Es wäre schön, wenn auch hierzulande die Anerkennung für Väter, die einen grösseren Teil zur Kindererziehung beitragen, steigen würde und ein Mann nicht gleich beruflich ins Abseits gerät, wenn er Teilzeit arbeitet. Am Ende sind die Leidtragenden der abwesenden Väter die Kinder. Denn sie brauchen nicht nur Wochenend- und Ferien-Väter.

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