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Kahlschlag der Sicherheit wegen

Die Strassensperrung im Aatal wird genutzt, um während vier Tagen knapp 500 Bäume zu fällen. Grund für die gross angelegte Abholzung ist die Sicherheit auf der Zürichstrasse.

Montag, 21. September 2009, 09:00 Uhr

Laut heulend frisst sich die Kettensäge durch den Stamm. Noch während der Forstarbeiter sich zur Seite dreht, beginnt die Rottanne in die vorgesehene Richtung zu kippen. Mit einem gewaltigen Tosen reiht sie sich neben die bereits am Boden liegenden Stämme. Bis Dienstag verschwindet entlang der Zürichstrasse zwischen dem Sauriermuseum und der Einfahrt Gstalderstrasse rund 600 Kubikmeter Wald. «Damit die Sicherheit auf der Strasse durch das Aatal gewährleistet werden kann, ist die Abholzung notwendig», erklärt Projektleiter Hansjakob Tobler. Vor allem die Schneelasten können im Winter dazu führen, dass ganze Bäume auf die Strasse kippen.
«Die Sperrung des Aatals ist eine Chance, die wir nutzen müssen», meint er. Bereits 2003 wurde im Aatal grossflächig geholzt, damals zwischen dem Autobahnanschluss Oberuster und den ersten Häusern in Unteraathal. «Die Zürichstrasse musste eine Woche gesperrt werden.» Dank der Strassensanierung kommt die jetzige Holzerei ohne kostspielige separate Verkehrsumleitung aus.

Anstrengend und gefährlich

Die zu fällenden Bäume sind mit grüner Farbe markiert. Es sind 495 und somit praktisch alle, die an der steilen Böschung wachsen. «Stehen gelassen werden nur die Bäume, die bei einem möglichen Fall nicht auf der Strasse landen würden», so Tobler.
Seit vergangenem Samstag wird während vier Tagen durchgehend gearbeitet. Zwanzig Forstleute aus drei Staatswaldbetrieben und einem privaten Forstunternehmen stehen im Einsatz. Drei Teams mit je drei Arbeitern sind für das Fällen der Bäume zuständig. Einige Stämme müssen während des Falls mit Stahlseilen nach oben gezogen werden, da sie sonst ein Gebäude beschädigen könnten. Mit Steigeisen klettern erfahrene Forstleute auf die hohen Bäume, um die Seile anzubringen.

 

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«Die Arbeit ist anstrengend und gefährlich», betont Revierförster Tobler. Alle Arbeiter sind per Funk miteinander verbunden und tragen auffällige orange Schutzkleidung. Glücklicherweise sei bisher noch nichts passiert. «Holz anfassen», meint Tobler aber sofort. Mit der - wohl nirgends besser passenden - Redewendung äussert er die Hoffnung, dass es auch so bleibe. Nicht nur die Sicherheit der Arbeiter ist aber während der gross angelegten Baumfällaktion ein Thema. Damit die Fussgänger auf dem Gehweg entlang der Zürichstrasse nicht gefährdet werden, ist eine private Sicherheitsfirma im Einsatz, die den Zugang regelt.

Staatlicher Beitrag an Abholzung

Der Wald entlang der Zürichstrasse gehört privaten Eigentümern. Im letzten Jahr wurde er als Schutzwald ausgewiesen. Aus diesem Grund beteiligt sich der Staat an den Massnahmen, die zum Schutz der angrenzenden Strasse nötig sind. Bei der Holzerei im Aatal trägt er etwa zwei Fünftel der anfallenden Kosten in Höhe von rund 100 000 Franken. Die Hälfte des Gesamtbetrags übernimmt die Gemeinde Seegräben. «Die restlichen 10 000 Franken sind der erwartete Erlös des geschlagenen Holzes», erklärt Tobler. Die qualitativ besten Stämme gelangen zur Weiterverarbeitung in die Sägerei. «Ein Grossteil ist aber eher schlechtes Holz, das zu Holzschnitzeln verarbeitet wird.»
Das Zerhacken der Bäume erfolgt gleich vor Ort. Stück für Stück ziehen die beiden Hackmaschinen die Stämme in ihre rumpelnden Bäuche und zermalmen das Holz unter lautem Ächzen der Motoren. «Das Resultat sind feine Holzschnitzel, die als Energieholz in Schnitzelheizungen weiterverwertet werden», so der Revierförster. Auf eine Aufforstung des Hangs wird verzichtet. Die Baumstrünke, die alten Wurzeln und das bald wachsende neue Gehölz sollten gemäss Tobler reichen, damit der Hang nicht abrutscht.

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