«Gottlose» Plakate bald auf Bussen?

Plakate mit religiösen Botschaften nerven, findet die Freidenker-Vereinigung Schweiz. Sie will eine Gegen- kampagne starten - mit Werbung auf Bussen.

«Wahrscheinlich gibt es keinen Gott. Kein Grund zur Sorge - geniess das Leben!» Geht es nach der Freidenker-Vereinigung Schweiz FVS, soll diese Aussage bald auf Bussen prangen. Also dort, wo für gewöhnlich Möbelgeschäfte und Radiosender werben. Die FVS will damit die «religiöse Abrüstung» in der Öffentlichkeit fördern, wie Geschäftsleiterin Reta Caspar sagt. «Die Bibelzitate, die überall auf Plakaten hängen, sind unmöglich und drängen sich den Passanten richtiggehend auf. Wir wollen einen Gegenpol setzen.» Busse oder Postautos seien eine gute Fläche dafür.

«Nicht ausschliessen»

Liest man auf der Heckscheibe von VZO-Bussen also schon bald atheistische Sprüche? René Bauert, Betriebsleiter der VZO, schliesst es zumindest nicht aus: «Wir würden das situativ entscheiden. Es kommt auf den Inhalt der Kampagne an.» Allerdings gebe es klare Kriterien, wer auf den Bussen werben dürfe: «Ausgeschlossen sind Themen von politischen Parteien, Alkohol, Tabak und Drogen.» Ähnlich ist die Lage bei den Verkehrsbetrieben Glattal. «Es darf für nichts Anstössiges geworben werden, das unsere Fahrgäste verletzen könnte», sagt Pressesprecherin Karin Faes. Noch deutlicher drückt sich Daniela Tobler von den VBZ aus: «Eine solche Art von Werbung würden wir nicht tolerieren. Unsere Fahrgäste könnten sich gestört fühlen.» Umgekehrt schliesst sie aber Werbung mit religiösem Inhalt auf den VBZ-Fahrzeugen nicht aus: «Es kommt aber auf den Kontext und die Sujets an.»

Christentum als Leitkultur

EDU-Kantonsrat Stefan Dollenmeier kann nicht verstehen, dass sich Menschen an Bibelzitaten in der Öffentlichkeit stören. «Es gibt genug negative Werbung. Die für Harry Potter etwa ist doch von einer finsteren Macht geprägt.» Das Christentum sei trotz vieler anderer Kulturen und Religionen die Leitkultur. «Diese Botschaft darf man ruhig verbreiten», findet er. Sollte tatsächlich Werbung mit atheistischem Inhalt verbreitet werden, will er aber nicht politisch dagegen vorgehen. «Meinungsäusserungen sind ja erlaubt.»

«Die Leute haben genug»

In Grossbritannien zumindest hat eine atheistische Plakatkampagne für viel Aufregung gesorgt. Ob sie in der Schweiz verwirklicht werden kann, ist unklar. Die Freidenker-Vereinigung kann sie nicht finanzieren und ist darum auf Spenden aus der Bevölkerung angewiesen. «Wir wollen 50'000 Franken sammeln», sagt Reta Caspar. Die Sammelaktion ist am Montag angelaufen - bisher sind rund 1'000 Franken zusammengekommen. Caspar ist zuversichtlich: «Die Reaktionen auf unser Vorhaben sind sehr positiv, negative Stimmen gabs kaum. Die Leute haben einfach genug von religiösen Botschaften in der Öffentlichkeit.»

Autor: TA-Import
Zuletzt aktualisiert:
Quelle: Online-Abo «züriost»