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Gesellschaft
Das «Landenberg» beim Kreisel

Durch den Kreiselbau und die Neugestaltung des Parkplatzes wirkt das «Landenberg» frischer. Foto: Renate Gutknecht

Tösstaler Häuser erzählen Geschichten

Das «Landenberg» war schon Bäckerei, Kaffeehaus und Einkaufsladen

Die Pizzeria Landenberg hat nicht erst seit dem Besuch von Keanu Reeves einen hohen Stellenwert in Turbenthal. Doch das heutige Restaurant durchlief einige Veränderungen.

Durch den Kreiselbau und die Neugestaltung des Parkplatzes wirkt das «Landenberg» frischer. Foto: Renate Gutknecht

Veröffentlicht am: 12.01.2024 – 16.45 Uhr

Es gab einiges zu reden in der ganzen Deutschschweiz: Ende September 2023 besuchte die Hollywood-Berühmtheit Keanu Reeves die Töfffirma Suter in Turbenthal. Und der kanadische Schauspieler gönnte sich im Restaurant Landenberg von Wirt Vesel Veseli eine Pizza.

Das «Landenberg» hat aber noch weitere Geschichten auf Lager. Da, wo heute das Restaurant steht, war einst die Bäckerei Märki. Wie andere Frauen in Turbenthaler Geschäften stand auch Berta Märki «ihren Mann».

Im Telefonbuch von 1948 ist sie als Witwe deklariert, und sie mag wohl nach dem Tod ihres Mannes die Bäckerei weitergeführt haben. Zu ihrer Zeit stand in der Kreuzung schräg gegenüber noch das Scheuermeier-Haus, und bei der Kirche hatte es einen Friedhof.

Ein Traum geht in Erfüllung

Zusammen mit Bäcker Jakob Hanselmann, der mit einer «Chräze» auf dem Rücken und mit dem Velo die Backwaren bis ins Neubrünnlertal auslieferte, konnte der Betrieb bestehen. Dies kann man in der Broschüre nachlesen, die entstanden ist durch die beiden lokalen Ortsmuseen anlässlich der Wanderausstellung zum Thema Restaurants.

Von der Inhaberin sagen alteingesessene Turbenthaler, sie sei ein Original gewesen, denn sie habe die Preise oft spontan gemacht. Ende der 1950er Jahre verunglückte Jakob Hanselmann jedoch tödlich, und das Geschäft wurde in der Folge vom Ehepaar Lattmann übernommen.

Dieses wollte sich einen Traum erfüllen und eröffnete das Café Lattmann, die Bäckerei-Konditorei blieb weiterhin bestehen. Im «Lattmann» konnte man gediegen speisen, hier traf man sich gerne zum Arbeitslunch. Auch eine Terrasse gab es damals schon, aber kleiner als heute.

Neue Möglichkeiten

Doch nach einer Weile zog es die Lattmanns nach Zürich, wo sie sich erfolgreich eine neue Existenz aufbauten.

Da es hinter dem Gebäude bis hin zur Mühle reichlich Platz hatte, bot es sich an, das bestehende Gebäude abzubrechen und ein grosszügigeres zu erstellen.

Die damalige Bauherrschaft, möglicherweise eine Familie Honegger, sah die Möglichkeit für ein Café sowie ein Detailhandelsgeschäft und mehrere Wohnungen.

Den Bauauftrag erhielt mit Heinz Zaugg ein junger Geschäftsmann in Wila, der erst wenige Jahre zuvor angefangen hatte. Für Zaugg war das einer der bedeutenden Aufträge in der Region.

Ein wichtiges Baugeschäft

In der Gegend finden sich etliche Gebäude, die durch das im Jahr 2008 eingestellte Baugeschäft Zaugg entstanden sind. In Wila sind es das Primarschulhaus Eichhalde und das Oberstufenschulhaus an der Schweissrütistrasse mitsamt dem dort erstellten Sabinli-Brunnen.

Ein markanter Brunnen entstand zudem an der Schalchenstrasse, da befinden sich überdies die sogenannten Regenbogenhäuser. Heinz Zaugg war zudem Initiant der grossen Tennishalle ausgangs der Ortschaft.

In Turbenthal sind nebst einzelnen Einfamilienhäusern auch die Mehrfamilienhäuser an der Feldstrasse und das Clubhaus des Tennisclubs Zaugg-Bauten. Speziell und schön war für das Geschäft die Errichtung des Tibet-Instituts im Jahr 1968 in Rikon. (rg)

Heute 83 Jahre alt, kommt er immer wieder gerne ins «Landenberg». Regelmässig ein- oder zweimal im Jahr treffe er hier auch einen ehemaligen Mitarbeiter, der damals auf der Baustelle tätig gewesen sei, erzählt Heinz Zaugg. «Immer dann, wenn der Pensionär von Sizilien herkommt und sich in der Gegend befindet.»

Früher stellte man in den Wintermonaten die Arbeiten an Hausbauten ein. Die Saisonniers aus südlichen Ländern kehrten jeweils von November bis März zurück zu ihren Familien und behielten so ein Standbein zur alten Heimat.

Ein Stück aus Zürich

Der Bauherrschaft des neuen Cafés war bekannt, dass in Zürich ein Kaffeehaus abgerissen wurde, und sie wünschte, dass davon Elemente in ihren Bau eingefügt werden.

Im Herbst 1969 war es dann so weit, in Turbenthal hielt das Café Mariza Einzug. Es hiess so, weil vom zuvor erwähnten Zürcher Geschäft mit dem Mobiliar auch eine Marmorstatue, eben die Mariza, übernommen worden war.

Die Figur Mariza wurde eingebettet in einer Nische in der Wand, da, wo heute der Eingang ist. Denn zu Anfangszeiten betrat man beim Abgang ins Untergeschoss das Gebäude.

Wer den Start als Pächter im neuen Café machte, ist nicht mehr nachvollziehbar, doch von 1976 bis 1980 waren es Hannelore und Heinz Weilenmann. Sie schienen ein gutes Händchen fürs Geschäft zu haben.

Während die Figur Mariza stoisch in ihrer Nische verharrte, wechselten danach die Pächter des Lokals, wo im Keller eine Kegelbahn eingerichtet war. Das erklärt den heute noch langen Raum, der längst anders und vielseitig genutzt wird.  

Italienisches Flair

Ende der 1990er Jahre kam es zu bedeutenden Änderungen. Das Lokal wurde vergrössert um das kleine Ladengeschäft direkt daneben. Seither zählt es einige Sitzplätze mehr.

Das Restaurant erhielt passend zu den Landenberg-Familien den heute noch bestehenden Namen Landenberg. Und das italienische Flair hielt Einzug.

Bei diesem Umbau wurde die Marmorfigur Mariza entfernt und der Eingang neu verlegt. Dabei entstanden die markanten Stelen aussen neben der Tür.

Haupteingang mit zwei Stelen
Die Stelen links und rechts des Haupteingangs entstanden mit dem Umbau des Restaurants in den 1990er Jahren. Foto: Renate Gutknecht

Auch wurde nun das Alkoholpatent gelöst. Pächter wie Roberto Olivieri, der seine Küche eine Verpflegungsstation mit einfachem Angebot nannte, wirteten hier ebenso wie Angelo Ariano mit seinem Doppelmandat «Landenberg» und Landgasthof Bären.

Es folgten im Jahr 2000 Anita und Eugenio Tucci-Stahel, die das italienische Flair mit ihrer Pizzeria nun richtig hervorhoben und den Geschmack der Tösstalerinnen und Tösstaler trafen.

Ab 2009 übernahm Vesel Veseli erfolgreich die Pacht und konnte 2017 den ganzen Gebäudekomplex vom langjährigen Hausbesitzer Ernst Horat kaufen. Damit ist er sein eigener Herr und Meister.

Wechselhafte Nutzung

Blickt man nun auf den gesamten Gebäudekomplex, entstand also Ende der 1960er Jahre gegen die viel befahrene Tösstalstrasse ein grosszügiger Bau mit einer Einkehrmöglichkeit.

Dazu kamen mehrere Wohnungen über die ganze Gebäudefläche und zu Beginn ein Coop-Laden. Abgelöst wurde er durch einen Denner, und zuletzt – bevor auch hier Wohnungen entstanden – gab es die EPA, geführt von Elisabeth Sigrist.

Kreuzstrasse und «Landenberg»
Auf der Aufnahme kann man im hinteren Gebäudeteil des «Landenbergs» die Denner-Filiale erkennen. Foto: Archiv Christian Meier

Sie wirkte zuvor zehn Jahre lang in der Denner-Filiale und ab 1996 etliche Jahre als Geschäftsführerin der EPA. Auf kleinem Raum gabs ein Angebot von rund 4500 Artikeln. Die Werbetafel am Eingang verkündete denn auch: «Hier finden Sie alles – nur viel billiger».

Eingeklemmt zwischen diesem Discounter und dem Café gab es zudem noch ein kleineres Ladengeschäft. Dieses wurde wie erwähnt zugunsten der Erweiterung des Cafés aufgehoben, und kaum jemand kann sich noch daran erinnern.

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