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Gesellschaft
Man sieht Henok Worku bei seiner Predigt.

«Gott hat eine besondere Liebe für die Schweizer», begrüsste Prediger Henok Worku sein Publikum. Foto: Karin Sigg

Kirchentag Zürioberland

Party machen - aber mit Gottes Segen

Am Kirchentag Zürioberland wurde vor dem Konzert der deutschen Band O’Bros ein Jugendgottesdienst ausgetragen - ein Erlebnisbericht.

«Gott hat eine besondere Liebe für die Schweizer», begrüsste Prediger Henok Worku sein Publikum. Foto: Karin Sigg

Veröffentlicht am: 09.07.2023 – 14.45 Uhr

Das vorangegangene Referat dauert etwas länger als geplant. Die zahlreichen Besucher stehen jedoch geduldig in Reih und Glied vor dem Eisstadion Wetzikon und warten, bis ihnen Einlass gewährt wird.

Es sind viele Jugendliche, die mit Freunden oder den Eltern den Jugendgottesdienst besuchen und später das Konzert der deutschen christlichen Hip-Hop-Band O’Bros. Das verraten zumindest ihre Fanshirts.

Die anstehenden Menschen sind unauffällig gekleidet – niemand tanzt mit seinem Look aus der Reihe, mit Street Fashion oder gar in rockigem oder anrüchigem Stil. Kaum werden die Türen geöffnet, gibt es kein Halten mehr, die Menschen strömen in die Halle, um sich einen Sitzplatz zu ergattern.

Mitglieder des organisierenden «Brighter Teams» begrüssen die Anwesenden mit hippen Wörtern – alles ist «geil», man ist sicht- und hörbar bemüht, die Jugendlichen zu beeindrucken und abzuholen.

Der aus Deutschland angereiste Prediger Henok Worku wird als «legendärer Preacher» angekündigt, der das «Feuer von Gott zu den Menschen bringt». Beim Betreten der Bühne wird er gefeiert wie ein Rockstar.

Glauben statt Hoffen

Ein grosser Teil des einstündigen Gottesdienstes wirkt wie eine Comedyshow. Der Jugendpastor mit äthiopischen Wurzeln erntet viele Lacher, zum Beispiel als er die vielen Zuschauer auf den oberen Rängen fragt, ob sie so weit oben sitzen würden, um die ersten zu sein bei der Ankunft von Jesus.

In seiner Predigt geht er auf das Thema Hoffnung ein, angelehnt an einen entsprechenden Bibelabschnitt. Es werden Verbindungen zur heutigen Zeit gemacht – zu viele Jugendliche würden auf falsche Dinge hoffen, anstatt an Christus zu glauben.

Die Hoffnung in die Nachrichten, in Tiktok oder auf ein neues iPhone werden im gleichen Atemzug wie die Hoffnung in Partys, Alkohol oder Drogen genannt. Die Bedrohung durch den westlichen Einfluss wird mit Humor und erhobenem Zeigefinger vermittelt.

Die Stimme des Predigers wird immer lauter und eindringlicher, als er alle auffordert aufzustehen, die ihr Leben Jesus geben möchten. Kaum jemand bleibt sitzen, und bei den abschliessenden modernen christlichen Liedern der Brighter Band lassen sich viele wie in Trance mitreissen.

Im Anschluss lässt sich Henok Worku entlocken, dass er sich bei seiner Premiere im Zürcher Oberland sehr wohlfühlt und es besonders schätzt, dass so viele verschiedene Konfessionen miteinander feiern.

Es ist ihm ein Anliegen, den Glauben an die nächste Generation weiterzugeben: «Die Jungen sollen davon hören, wie das Christentum unser Leben positiv beeinflussen kann.» Er räumt ein, dass Social Media auch für Gutes genutzt werden kann, «der richtige Umgang ist entscheidend», so der Jugendpastor.

Emelie und Salome, Düdingen FR

Man sieht eine Mutter mit ihrer Tochter.
Emelie (links) und Salome sind aus dem Freiburger Oberland angereist, um die O'Bros zu sehen. Foto: Karin Sigg

Emelie: «Wir sind heute extra aus dem Freiburger Oberland angereist, um die O’Bros zu sehen. Wir sind beide Fans, die Musik und die Texte gefallen uns.»

Salome: «Der Glaube muss nicht langweilig sein, es gibt viele Facetten, ihn zu leben. Die Botschaften kommen an diesem Anlass in einer guten Verpackung daher, die Jungen haben Spass daran. Wir sind Mitglieder der FEG Düdingen.»

Andy, Robin und Friedrich aus dem Zürcher Oberland

Man sieht drei Männer.
Sind mit 20 Jugendlichen da (von links): Andy aus Gossau, Robin aus Greifensee und Friedrich aus Maur. Foto: Karin Sigg

Andy (links): «Wir sind bei der Heilsarmee Zürcher Oberland und heute mit 20 Jugendlichen da, die sich riesig auf das Konzert freuen. Es ist super, dass die verschiedenen Kirchen heute zusammenarbeiten und die Jungen abholen. Für uns ist es wichtig, dass wir uns an die Bibel halten. Mitmenschen, die dies nicht unterstützen, verurteilen wir nicht – wir lieben sie trotzdem.»

Friedrich (rechts): Leider geht oft vergessen, dass Jesus alle Menschen geliebt hat, so wie Eltern ihre Kinder bedingungslos lieben. Deshalb sollte man allen Mitmenschen mit Liebe und Respekt begegnen.»

Jedida aus Pfäffikon

Man sieht eine Frau.
Jedida aus Pfäffikon mag die kurzen, knackigen Botschaften. Foto: Karin Sigg

«An den Gottesdiensten der Grace Family Church in Bubikon, wo wir seit rund sechs Jahren Mitglieder sind, geht es ähnlich ab wie am heutigen Jugendgottesdienst in der Eishalle. Mir hat es sehr gut gefallen: Kurze, knappe, knackige Botschaften – genau das, was die Jungen brauchen. Die Showelemente braucht es heutzutage wohl, um die Jugendlichen anzuziehen. Doch damit sie auch bleiben, muss die Botschaft stimmen und eine gewisse Tiefe aufweisen. Mit unseren Teenies werden wir uns nun noch das Konzert ansehen. Wir freuen uns auf eine gute Zeit in der Gemeinschaft.»

Tabita aus Bäretswil

Man sieht vier Jugendliche.
Tabita (Mitte, hinten) aus Bäretswil schätzt die Abwechslung. Foto: Karin Sigg

«Der Gottesdienst hat mir mega gefallen, der Prediger hat seine Aufgabe gut gemacht. Die Showelemente haben eine willkommene Abwechslung gebracht, allerdings muss das für meinen Geschmack nicht immer sein. Bei der Viva Kirche in Bauma, in die ich jeweils gehe, wird das auch nicht so gemacht. Die Einflüsse von Instagram, Tiktok und so weiter sind nicht per se schlecht, allerdings muss man schon aufpassen, was man konsumiert.»

Tabea aus Maur und Stefanie aus Bäretswil

Man sieht zwei Frauen.
Tabea (links) aus Maur und Stefanie aus Bäretswil kennen viele Leute am Event. Foto: Karin Sigg

Stefanie (rechts): «Der Gottesdienst war für 12- bis 13-Jährige ausgelegt und hat mich nicht in allem abgeholt – dafür war ich wohl schon etwas zu alt … Für den heutigen Anlass fand ich die Showelemente passend, es war für Augen und Ohren etwas dabei. In der EMK Bäretswil, die ich jeweils besuche, ist der Altersdurchschnitt eher 60plus, und die Gottesdienste werden traditioneller angegangen. Man muss aufpassen, dass vor lauter Show die Botschaft noch echt wirkt. Doch manchmal muss man auch übertreiben, um die Leute abzuholen. Vielleicht würden sie sonst nicht kommen.»

Tabea: «Ich finde die Band cool – ich höre mir nicht ausschliesslich, aber oft christliche Musik an. Ich kenne viele Leute hier. Für viele ist es eine gute Gelegenheit, auszugehen – aber in einem christlichen Rahmen. Sie stehen hinter dem Text, den sie lauthals mitsingen und dazu abgehen können. Die FEG Maur, in der ich Mitglied bin, ist eine kleine Gemeinde und hätte gar keine Ressourcen für solche Showacts.»

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